Hohe Inflation und "italienische Währungsunion"

Hohe Inflation und "italienische Währungsunion"

Der rasante Preisauftrieb bei Sprit und Heizöl hat die Inflation stärker in die Höhe getrieben als erwartet. Experten rechnen auch nicht mit einem raschen Rückgang. Jörg Krämer von der Commerzbank ortet eine "italienische Währungsunion mit unflexiblen Strukturen, schwachem Wachstum, höherer Inflation und einem schwachen Euro."

In einer ersten Schätzung Ende August waren die Statistiker von einem Anstieg der Inflationsrate um 2,0 Prozent ausgegangen. Binnen Monatsfrist legten die Verbraucherpreise um 0,4 Prozent zu, ursprünglich hatten die Statistiker ein kleineres Plus von 0,3 Prozent errechnet.

Damit ist der Abwärtstrend bei der Inflation vorerst gestoppt. Zuletzt hatten die Statistiker im April 2012 eine Teuerungsrate oberhalb von 2 Prozent mit damals ebenfalls 2,1 Prozent ermittelt. Im Juli und Juni hatte die jährliche Teuerungsrate noch bei 1,7 Prozent gelegen, dem niedrigsten Wert seit Ende 2010.

In der Eurozone hatten die Preise im August nach erster Schätzung um 2,6 Prozent zugelegt. EZB-Präsident Mario Draghi rechnet erst im Laufe des kommenden Jahres damit, dass die Teuerung wieder unter die 2-Prozent-Marke sinkt.

Hohe Energiekosten und starker Lohnanstieg

Auch in Deutschland erwarten Ökonomen, dass die Inflation in den kommenden Monaten über zwei Prozent verharren wird. Neben den hohen Energiekosten lasse dies auch der starke Lohnanstieg befürchten. Angesichts der lockeren Politik der EZB schätzt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, das mittelfristige Inflationsrisiko noch höher ein. Den Beschluss der Währungshüter, unbegrenzt Anleihen notleidender Eurostaaten zu kaufen, bezeichnete er als "weiteren Schritt" auf dem Weg in eine "Italienische Währungsunion": "Also eine Währungsunion mit unflexiblen Strukturen, schwachem Wachstum, höherer Inflation und einem schwachen Euro."

Wenn der am Mittwoch vom deutschen Bundesverfassungsgericht genehmigte Euro-Rettungsschirm ESM und die Staatsanleihekäufe der EZB erst einmal das Risiko eines Zerfalls der Währungsunion gebannt hätten, dürften die für Deutschland viel zu niedrigen EZB-Zinsen zudem das Wachstum hierzulande anfachen, sagte Krämer. Die Arbeitslosigkeit sinke weiter und erhöhe die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften: "Die Löhne dürften kräftig steigen, in der Folge die Renten. In den Städten sollten die Immobilienpreise weiter anziehen."

Im August wurde der Preisauftrieb gegenüber dem Vorjahresmonat maßgeblich durch die erneute Verteuerung der Energie um insgesamt 7,6 Prozent bestimmt. Insbesondere die Preise für Mineralölprodukte zogen kräftig um 10,3 Prozent an: leichtes Heizöl kostete 13,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Kraftstoffe 9,4 Prozent. Im Monatsvergleich zogen die Preise für Kraftstoffe und leichtes Heizöl um je 4,3 Prozent an.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhten sich die Preise für Nahrungsmittel um 3,3 Prozent. Preistreiber waren Obst (plus 9,2 Prozent) sowie Fisch und Fischwaren (plus 6,1 Prozent). Günstiger als im August 2011 waren hingegen Molkereiprodukte, wobei Butter fast ein Viertel (minus 23 Prozent) weniger kostete als im Vorjahr. Auch für Eier, Speisefette und Speiseöle mussten die Verbraucher weniger bezahlen.

Rohstoffe legen nach ESM-Entscheid zu

An den Rohstoffmärkten haben sich die Notierungen am Mittwoch im Anschluss an das Urteil des Bundesverfassungsgerichts auch noch kräftig erholt. Sowohl der Ölpreis als auch die Notierungen für Industriemetalle stiegen moderat bis deutlich an. Der Goldpreis erreichte den höchsten Stand seit sechs Monaten.

Als stützend erwiesen sich überdies unerwartet starke Konjunkturdaten. In der Eurozone war die Industrieproduktion im Juli mit 0,6 Prozent zum Vormonat unerwartet deutlich gestiegen. Laut einer Bloomberg-Umfrage hatten Ökonomen mit einem Anstieg um 0,1 Prozent gerechnet. Im Juni war die Produktion um 0,6 Prozent gesunken.

Der Oktober-Kontrakt für die US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) war zuletzt bei 97,92 Dollar je Barrel im 0,8 Prozent höher. Der Terminkontrakt der europäischen Sorte Brent notierte bei 116,55 Dollar je Barrel, das war ein Prozent höher als am Dienstag.

Der Goldpreis hat sich am Kassamarkt um 0,7 Prozent auf 1744,63 Dollar je Unze erhöht und markierte bei 1746,65 Dollar zuvor das höchste Niveau seit sechs Monaten. Kupfer stieg den vierten Handelstag in Folge.

“Die Preise sind höher wegen der Spekulation, dass die Federal Reserve weitere Konjunkturmaßnahmen ankündigen wird”, sagte Analyst Lachlan Shaw von Commonwealth Bank of Australia. Die Preise seien allerdings auch wegen des schwächeren Dollar gestiegen.

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