Hochwasser in Bosnien, Serbien, Kroatien: Europa hilft

Hochwasser in Bosnien, Serbien, Kroatien: Europa hilft

In Bosnien hat das Hochwasser Landminen freigelegt, weitere Gefahren gehen von möglichen Seuchen aus. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) möchte helfen.

Die Hochwasserkatastrophe in Serbien, Bosnien und Kroatien nimmt kein Ende: In Bosnien hat sich die Lage an der Save am Mittwoch zwar stabilisiert, Probleme bereiteten noch Wassermassen, die sich ihre eigenen Wege bahnten. In Serbien wurden die letzten noch verbliebenen Bewohner der am schlimmsten betroffenen Stadt Obrenovac in Sicherheit gebracht.

Die Zahl der Hochwassertoten ist in Serbien auf 27 angestiegen. Diese Zahl teilte Ministerpräsident Aleksandar Vucic am Mittwochnachmittag mit. Er konnte nicht sagen, ob dies nun die endgültige Opferzahl ist.

In Serbien sind insgesamt mehr als 32.000 Menschen evakuiert worden. Tausende von ihnen wurden in Notunterkünften in Belgrad einquartiert. Für viele von ihnen wird es Wochen dauern, ehe sie in ihre Häuser zurückkehren können. In der Hauptstadt wurden die Ufer von Save und Donau durch Schutzdämme gesichert, die Stadt dürfte von Überflutungen verschont bleiben. Da viele Studenten beim Errichten von Schutzdämmen und in Notquartieren helfen, wurden an der Uni Belgrad für diese Woche angesetzte Prüfungen verschoben. Durch Überflutungen sind in Serbien 3.500 der 17.000 Kilometer umfassenden höherrangigen Verkehrswege beschädigt oder zerstört worden. Vorläufige Schätzungen der Hochwasserschäden gehen von einer Milliarden Euro aus.

Landminen und Seuchen

In Bosnien ist die Befürchtung wahr geworden, dass durch das Hochwasser neue Gefahren durch Landminen ausgehen: In der Nähe der Stadt Brcko ist es am Mittwoch zur Explosion einer solchen Mine gekommen, bei der glücklicherweise niemand verletzt wurde. Das Zentrum für Minenräumung in Sarajevo appellierte an die Bevölkerung, gefundene Minen nicht zu berühren, sondern die Umgebung mit Warnschildern zu sichern. In Bosnien sind nach den Kriegen der 1990er-Jahre noch 1.215 Quadratkilometer - 2,4 Prozent der Landesfläche - vermint.

Weitere Gefahren stellen nach dem Zurückgehen des Wassers und durch steigende Temperaturen mögliche Seuchen dar: Jetzt drohe der Ausbruch von West-Nil-Fieber und die Verbreitung von Milzbrand, warnte Nihajd Fejsic von der Veterinärmedizinischen Fakultät in Sarajevo. In Maglaj und Doboj breitete sich starker Fäulnisgeruch aus. Müllberge, Schlamm und Staub prägten das Straßenbild.

Häftlinge entflohen

In der nordbosnischen Stadt Orasje sind am Dienstagabend 19 Häftlinge aus einem überschwemmten Gefängnis geflüchtet. Bis Mittwochvormittag wurden alle wieder festgenommen. Die 100 weiteren Insassen wurden in Gefängnisse in Zenica und Tuzla verlegt.

In Kroatien wurde nach einem Dammbruch an der Save Kritik an den Behörden laut: In der Ortschaft Rajevo Selo soll der erst 2010 erneuerte Damm durch kontinuierliches Abtragen von Sand und Schotter unterhöhlt worden sein. Die Kritik aus dem Dorf richtet sich an die staatliche Wasserwirtschaft und ein privates Unternehmen. In Medien waren Spekulationen aufgetaucht, wonach Schotter aus Rajevo Selo für den Autobahnbau verwendet worden sei. In den Hochwassergebieten in Slawonien stehen noch immer mehrere Orte komplett unter Wasser.

Hilfe naht

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat nach den katastrophalen Überschwemmungen eine Intensivierung ihrer Tätigkeit in der Region angekündigt, um zur Beseitigung des Sachschadens beizutragen.

Das Investitionsvolumen der EBRD am Westbalkan, das sich 2013 auf 1,2 Milliarden Euro belief, dürfte aufrechterhalten werden, teilte die Bank in einer Aussendung mit; von der Bank werde zudem Hilfe für lokale Unternehmen und die Reparatur der Infrastruktur erwogen. Alleine in Serbien musste die Stromproduktion in den letzten Tagen um 40 Prozent gesenkt werden. Der an der Infrastruktur entstandene Überschwemmungsschaden dürfte den Waren.-und Personenverkehr erschweren und vor allem kleine Unternehmen in der Region schwer beeinträchtigen.

EU-Kommission: Entscheidung im August

Zudem könnte die EU-Kommission im August über konkrete Hochwasser-Hilfen für Serbien und Kroatien aus dem EU-Solidaritätsfonds entscheiden. Dies sagte der für den Katastrophenfonds zuständige EU-Regionalkommissar Johannes Hahn am Mittwoch nach einem Treffen mit Serbiens Außenminister Ivica Dacic und der für die EU-Integration zuständigen serbischen Ministerin Jadranka Joksimovic in Brüssel.

Hahn bekräftigte, dass Serbien für Hilfen aus dem EU-Solidaritätsfonds genauso förderfähig sei wie ein EU-Mitgliedsland. Alles würde bisher darauf deuten, dass die Schwelle von einem Schaden von 170 Millionen Euro im Falle Serbiens überschritten wurde. Es scheine klar, dass das Hochwasser als nationales Desaster einzuordnen sei. Im Falle Kroatiens sei dies noch nicht klar. Kroatien könnte aber auch Hilfen aufgrund eines regionalen Desasters oder als betroffenes Nachbarland erhalten, sagte Hahn.

Im Falle Bosniens werde eine Umschichtung von EU-Mitteln geprüft, zuständig sei hier die EU-Kommissionsabteilung für Erweiterung, sagte Hahn. Voraussetzung für eine rasche Entscheidung der EU-Kommission zu Serbien und Kroatien sei, dass Serbien und Kroatien bis Ende Juni oder Anfang August ihre Anträge stellten.

Spendenmöglichkeiten:
Caritas Österreich, "Hochwasserhilfe Südosteuropa"
PSK, IBAN: AT92.6000.0000.0770.0004, BIC: OPSKATWW

Österreichisches Rotes Kreuz, "Flut in Südosteuropa"
Erste Bank, IBAN: AT57.2011.1400.1440.0144, BIC: GIBAATWWXXX

Diakonie Katastrophenhilfe, "Fluthilfe"
Erste Bank, IBAN: AT85.2011.1287.1196.6333, BIC: GIBAATWWXXX

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