"Heute traut sich in Großbritannien niemand, EU-freundlich zu sein"

 "Heute traut sich in Großbritannien niemand, EU-freundlich zu sein"

"Der Euro ist morgen tot", sei in britischen Zeitungen ständig zu lesen, berichtete der Handelsdelegierte der Wirtschaftskammer Österreich in London, Georg Karabaczek, am Dienstag vor Journalisten in Wien. "Die Europa-Situation wiegelt sich stark auf."

Der Marktexperte rechnet fix mit einem Referendum über den Verbleib in der EU - aber wahrscheinlich erst nach der Wahl im Mai 2015. Den ersten Antrag habe das Parlament abgelehnt. Der Ausgang eines solchen Referendums sei "im Moment relativ offen". "Der Binnenmarkt wird überhaupt nicht in Frage gestellt, aber die politische Union."

"Der Druck auf David Cameron ist enorm", betonte der Wirtschaftsdelegierte. In Brüssel wird dieser Tage um den mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union für 2014 bis 2020 gefeilscht. Der britische Regierungschef droht mit einem Veto, sollte das Budget ein Ausgabenplus enthalten. Das britische Parlament trug ihm mit den Stimmen von EU-kritischen Konservativen und der Labour-Opposition eine Kürzung auf.

"Es ist natürlich schwierig, das Europabudget zu erhöhen, wenn im eigenen Land so stark gespart wird", erklärte der Handelsdelegierte. Die Veto-Drohung sei seiner Meinung nach ernst zu nehmen. "Heute traut sich in Großbritannien niemand, EU-freundlich zu sein."

Briten suchen den Vorteil der EU-Gesetze

Im britischen Wirtschaftsministerium sei nun eine Arbeitsgruppe installiert worden, welche unter Einbeziehung der anderen Ministerien die Auswirkungen aller EU-Gesetze auf Großbritannien zwei Jahre lang durchleuchte und auf den Vorteil für die Briten untersuche. "Großbritannien will neu verhandeln und sich die Rosinen herauspicken", sagte Karabaczek. "Bis zur nächsten Wahl wird das genau analysiert."

"Viele der Wirtschaftsprobleme werden in Großbritannien auf den Euro abgeschoben, grundsätzlich hat die britische Wirtschaft aber hausgemachte Probleme", sagte der Wirtschaftsdelegierte und verwies auf die hohen Staatsschulden und das Budgetdefizit.

Von den Problemen mit dem Euro kann sich das Vereinigte Königreich freilich nicht abkoppeln. Immerhin exportiert Großbritannien 50 bis 60 Prozent seiner Waren in den Euroraum, dessen Märkte derzeit nicht so viel aufnehmen wie früher. Die britische Währung wurde 2008 um 30 Prozent abgewertet.

Eine EU ohne Großbritannien wäre "grundsätzlich negativ für Europa" - die Wirtschaftstreibenden in dem Land seien ohnehin gegen einen EU-Austritt - "aber die Wirtschaft ist nicht die Mehrheit". Auch für die österreichischen Exporteure wären die Folgen eines Exits massiv, weil dann das Vereinigte Königreich dann ein Drittland wäre.

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