Helmut Schüller über Papst Franziskus I.: "Opus Dei hat 2005 alles getan um Bergoglio zu verhindern"

Helmut Schüller über Papst Franziskus I.: "Opus Dei hat 2005 alles getan um Bergoglio zu verhindern"

FORMAT: Sind Sie überrascht von der Wahl des ersten Nicht-Europäers?

Helmut Schüller: Natürlich, Kardinal Bergoglio war nicht in jener Achtergruppe der von den Medien kolportierten Favoriten.

Es gibt in seiner Vita Hinweise, dass Bergoglio als Franziskus I. ein moderner Papst werden könnte, der die Kirche reformiert.

Schüller: Wir müssen zunächst sicher warten, bis sich der Staub der Sensation gelegt hat. Aber Bergoglio war bereits 2005 nahe daran, Papst zu werden. Das Opus Dei hat damals alles getan, ihn zu verhindern und Ratzinger durchzusetzen. Diese Wahl ist nun zumindest ein Indiz dafür, dass das Opus Die diesmal nicht mehr stark genug war, sich im Konklave zu behaupten.

Glauben Sie, der neue Papst ist ein Reformer?

Schüller: Von ihm ist relativ wenig bekannt. Er wird theologisch als recht streng beschrieben, soll jedoch bescheiden in seiner Amtsführung sein. Man weiß von ihm, dass er in Lateinamerika bisher einen sehr selbständigen Kurs verfolgte und seine eigene Spur gezogen hat. Jedenfalls kann man die Wahl eines Lateinamerikaners zumindest als Signal sehen, dass der Vatikan nun langsam in der Realität der Weltkirche ankommt.

Franziskus I. ist zwar deutlich jünger, als es sein Vorgänger beim Amtsantritt war, er ist allerdings wieder kein junger Papst – in welche Richtung deutet das?

Schüller: Ein klassischer Übergangspapst ist er nicht. Aber selbst wenn das so wäre, sollte man Übergangspäpste nicht unterschätzen – und umgekehrt das Alter eines Papstes nicht überschätzen.

Woran wird Franziskus I. in den ersten Wochen seines Pontifikates gemessen werden?

Schüller: Man wird rasch sehen, ob er beim herrschenden Zentralismus der Kirche bleibt oder ob er auf die Weltkirche zugeht und die Bischöfe einlädt, am Steuer mitzudrehen.

Wie geht es Ihnen persönlich mit dieser Wahl?

Schüller: Ich bin angespannt und erwartungsvoll. Wir werden alle in den kommenden Monaten herausfinden, was in dem Mann steckt.

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