Heilsbringer Deutschland

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"Die andauernde Konjunkturschwäche könnte in eine Stagnation münden, was negative Konsequenzen für die Weltwirtschaft hätte", heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Ausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Deutschland soll derweil demnächst Vollbeschäftigung erreichen.

Die OECD fordert ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Krise. "Mit höheren Löhnen und einer stärkeren Liberalisierung der Produktmärkte in den Überschussländern könnte für einen symmetrischeren und wirkungsvolleren Ausgleichsprozess gesorgt und zugleich das Wachstum gefördert werden", sagte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan. Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Exportüberschüssen.

Auch die Zentralbank müsse mehr tun. "Die EZB hat gut daran getan, ihren Leitzins zu senken und sich zu verpflichten, so lange wie nötig einen konjunkturstimulierenden Kurs zu verfolgen", sagte Padoan. "Allerdings könnte mit zusätzlichen unkonventionellen Maßnahmen noch mehr erreicht werden." In der EZB wird beispielsweise diskutiert, den Banken forderungsbesicherte Wertpapiere abzukaufen oder ihnen Strafgebühren aufzubrummen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken. Beides soll die Kreditvergabe an die Banken in Schwung bringen.

Job-Motor Deutschland

Deutschland steuert der OECD zufolge auf Vollbeschäftigung zu. Die nach internationalen Standards berechnete Arbeitslosenquote falle bis 2014 auf rund fünf Prozent, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturausblick. "Ich würde das durchaus als Vollbeschäftigungsniveau bezeichnen", sagte ihr Deutschland-Experten Andreas Wörgötter.

Die Industriestaaten-Organisation traut Deutschland im kommenden Jahr ein kräftiges Wachstum zu. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte dann um 2,0 Prozent wachsen, in diesem Jahr soll es dagegen nur um 0,3 Prozent zulegen. "Wenngleich die verhaltene Wirtschaftstätigkeit im Euro-Raum den Aufschwung bremsen dürfte, wird die Belebung des Welthandels für eine Zunahme des Exportwachstums sorgen", so die OECD. Die Exporte sollen 2014 mit 4,6 Prozent rund fünfmal so stark zulegen wie in diesem Jahr. Dadurch dürften die Unternehmen wieder mehr investieren und die Verbraucher wegen der hohen Arbeitsplatzsicherheit mehr konsumieren. "Lohn- und Beschäftigungszuwächse ebenso wie niedrige Zinssätze werden die Binnennachfrage stützen."

Ohne Defizite

Allerdings warnt die OECD auch vor Risiken. Sollten die Spannungen an den Märkten für Staatsanleihen im Euro-Raum stark bleiben, dürften darunter die Exporte leiden. Auch die Finanzierungsbedingungen der Banken könnten sich dann verschlechtern und den Aufschwung gefährden. "In diesem Fall könnte auch die Arbeitslosigkeit erneut steigen", warnt die OECD.

Wegen der robusten Konjunktur dürfte Deutschland sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr einen nahezu schuldenfreien Haushalt hinbekommen. Auch der Schuldenberg werde sinken: Der Bund werde Vermögenswerte und Beteiligungen, die den Banken während der globalen Finanzkrise abgekauft wurden, nun veräußern und damit die Staatsverschuldung reduzieren.

Schlappe Weltkonjunktur, schlappe Eurozone

Der Euro-Zone sagt die Industriestaaten-Organisation ein Rezessionsjahr voraus. 2013 dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,6 Prozent schrumpfen, 2014 aber wieder um 1,1 Prozent wachsen. Die Organisation ruft die Regierungen zu entschlossenen Maßnahmen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit auf. "Diese ist in vielen Ländern auf ein Besorgnis erregendes Niveau gestiegen", warnte sie. "Die historisch hohe Arbeitslosigkeit bleibt die größte Herausforderung für die Regierungen." 2014 soll die Arbeitslosenquote in der Währungsunion bei 12,4 Prozent liegen, im Schnitt der 34 OECD-Länder liegt sie dagegen nur bei 8,0 Prozent.

Die Weltwirtschaft kommt wegen der Krise in der Euro-Zone nicht richtig in Schwung. Die OECD sagt für dieses Jahr ein Wachstum von 3,1 Prozent voraus. "Die globale Konjunktur erholt sich schrittweise, aber der Aufschwung bleibt schwach und holprig", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria. Für die USA wird ein Wachstum von 1,9 Prozent und für Japan von 1,6 Prozent erwartet. 2014 soll die Weltwirtschaft um 4,0 Prozent wachsen, die USA um 2,8 Prozent, Japan um 1,4 Prozent.

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