"Hat Frankreich wirklich einen Präsidenten?"

"Hat Frankreich wirklich einen Präsidenten?"

Grund sind vor allem die düsteren Konjunkturprognosen. Kaum ein Wirtschaftsexperte geht noch davon aus, dass Frankreich seine Wachstums- und Defizitziele 2013 einhalten kann. Große Unternehmen wie der Autobauer PSA Peugeot Citroën kündigen massiven Stellenabbau an, die Arbeitslosenquote liegt jenseits der Zehn-Prozent-Marke.

"Hat Frankreich wirklich einen Präsidenten?", "Mit dem Rücken zur Wand" oder "Kehrtwende nötig": Nach sechs Monaten zeichnen französische Medien ein desaströses Bild der Amtszeit von Staatschef François Hollande. Bei seiner ersten großen Pressekonferenz wollte der 58-Jährige am Dienstag den Befreiungsschlag versuchen. Selbst im eigenen Lager wird allerdings befürchtet, dass das Schlimmste noch bevorsteht.

"Angesichts der rezessiven Tendenzen im Euro-Raum bereitet die Entwicklung in Frankreich zunehmend Sorgen", urteilte der Sachverständigenrat der deutschen Bundesregierung. Es müsse angezweifelt werden, ob die Sparmaßnahmen ausreichten, um das Defizitziel von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erreichen. Projekte wie der neue Spitzensteuersatz von 75 Prozent für Einkommen über einer Million Euro würden zudem "ein eher investitionsfeindliches Umfeld" schaffen.

"Frankreich steuert in die falsche Richtung"

Mündlich wurde der Wirtschaftsweise Lars Feld noch deutlicher: "Das größte Problem ist nicht mehr Griechenland, Spanien oder Italien, es ist Frankreich, weil Frankreich im Hinblick auf die Herstellung seiner Wettbewerbsfähigkeit nichts unternommen hat und sogar in die Gegenrichtung geht." Die Rückkehr zur Rente mit 60 für früh ins Berufsleben gestartete Franzosen sei ein Beispiel dafür.

Für Opposition und Medien in Frankreich sind solche Kommentare ein gefundenes Fressen. Jegliche Kritik - vor allem die vom starken Nachbarn Deutschland - wird genüsslich ausgewalzt. Zuletzt sorgten Gerüchte für Schlagzeilen, der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble habe angeregt, der deutsche Sachverständigenrat könne an einem Reformkonzept für die französische Wirtschaft mitarbeiten.

"Das ist peinlich, dass wir uns als fünftgrößte Industrienation Wirtschaftsnachhilfe von Deutschland geben lassen müssen", spottete die konservative Ex-Ministerin Valérie Pécresse. Der jüngste milliardenschwere Entlastungsplan für die gebeutelte Wirtschaft greife zu kurz. "Ich verstehe, dass die Deutschen beunruhigt sind und fordern, weiter zu gehen."

Umfragewerte im Sturzflug

Weitere Reformen wie die von der Wirtschaft geforderte Abschaffung der 35-Stunden-Woche kann Hollande kaum mit seinen Wahlversprechen vereinbaren. Schon jetzt sind viele Franzosen tief enttäuscht, dass der Sozialist über Mehrwertsteuererhöhungen Entlastungen für Unternehmen finanzieren will. Die Umfragewerte des Präsidenten befinden sich seit Wochen im Sturzflug - zuletzt hatten nur noch 39 Prozent der Franzosen Vertrauen in Hollande.

Den Sozialisten bleibt die verbale Gegenoffensive - vor allem mit Attacken auf die Lieblingsfeindin Angela Merkel. Die rigide deutsche Sparpolitik fördere zwar den Außenhandel, gehe aber zulasten der Partner, giftete der sozialistische Politiker Claude Bartolone. Die Kanzlerin solle sich lieber Sorgen über die Situation im eigenen Land machen.

Aus dem Umfeld Hollandes werden Berlin sogar mögliche böse Absichten unterstellt: Die Schwarzmalerei könne einen Angriff der Finanzmärkte auf das bislang verschont gebliebene Land auslösen, zitiert die regierungsnahe Tageszeitung "Libération" einen Vertrauten. Ein schwaches Frankreich sei dann eher für Zugeständnisse bei EU-Streitfragen zu gewinnen.

Entspannung dagegen am Amtssitz von Premierminister Jean-Marc Ayrault: Deutschland habe vor einem schwachen Frankreich Angst, beschwichtigt man vor Ayraults Besuch bei Merkel am Donnerstag. Der Deutschlehrer Ayrault wird wohl auch für Hollande die nächste unangenehme Reformrunde einläuten müssen.

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