Händler mit dem "magischen Händchen" versenkte 2,3 Milliarden Dollar

Händler mit dem "magischen Händchen" versenkte 2,3 Milliarden Dollar

Bonus, Ruf und Karrierechancen dominierten sein Denken, sagt die Staatsanwaltschaft. Zwischen 2005 und 2010 stieg das Jahreseinkommen des heute 32jährigen UBS-Ex-Bankers von 40.500 auf 360.000 Pfund, umgerechnet 444.000 €.

Starker Tobak für die interne Kontrolle der Investmentbank UBS: ”Das Ausmaß von Herrn Adobolis Zockereien war so groß und so unkontrolliert, dass er leicht die Grenzen der Mittel der Bank hätte erreichen und sogar überschreiten können”, erklärte die Staatsanwältin Sasha Wass heute vor den zwölf Geschworenen zu Beginn des Strafprozesses in London.

Der frühere UBS-Händler Kweku Adoboli hat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft mit seiner Zockerei die Existenz der Schweizer Großbank aufs Spiel gesetzt. Er habe die Bücher gefälscht und seine Vorgesetzten angelogen, bevor seine "Pyramide des Betrugs" schließlich zusammengefallen sei, erklärte die Staatsanwältin Sasha Wass, die am Freitag vor dem auf Wirtschaftsachen spezialisierten Londoner Southwark Crown Court mit der Verlesung der Anklageschrift begann. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 32 Jahre alten Ex-Banker Betrug und Falschbuchung in jeweils zwei Fällen vor. Die Fehlspekulationen hatten bei der UBS zu einem Verlust von 2,3 Milliarden Dollar geführt.

Adoboli hat auf "nicht schuldig" plädiert. Er war am 15. September 2011 festgenommen worden. Wenn die zwölf Geschworenen ihn schuldig sprechen, muss er mit einer Haftstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen.

Adoboli habe geglaubt, ein magisches Händchen zu besitzen. Statt dessen habe er sich immer mehr in eine Kasino-Mentalität verstrickt, sagte die Staatsanwältin. Er sei immer mehr zum reinen Spieler geworden, habe gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen und die Existenz der Bank aufs Spiel gesetzt. In einer Phase habe er einen Verlust von fast zwölf Milliarden Dollar riskiert.

Dem Händler ging es nach Ansicht der Staatsanwältin darum, seinen Bonus zu erhöhen und Ruf und Karrierechancen zu verbessern. Zwischen 2005 und 2010 stiegen seine Gesamtbezüge von 40.500 Pfund auf 360.000 Pfund, so die Staatsanwältin. Dafür habe er Handels-Limits überschritten und fiktive Geschäfte im UBS-System verbucht. Seine Vorgesetzten habe Adoboli belogen. Letzten Endes sei es ihm um seinen eigenen Vorteil gegangen. Am Tag vor seiner Festnahme habe er in einer e-mail zugegeben, die Bücher manipuliert zu haben, um sein Vorgehen zu kaschieren.

Für UBS, die nicht Teil des Verfahrens ist, hatten die Fehlspekulationen weitreichende Folgen. Wenige Tage nachdem die größte Schweizer Bank den Verlust gemeldet hatte, trat Konzernchef Oswald Grübel zurück und wurde durch den heutigen UBS-Chef Sergio Ermotti ersetzt. Die Bank, die sich gerade von den Milliardenverlusten aus der Finanzkrise erholt hatte, kam wieder in die Schlagzeilen. In Medienberichten wurden Parallelen zum Fall Jerome Kerviel in Frankreich gezogen. Dort wurde der frühere Händler der Großbank Societe Generale (SocGen) in erster Instanz zu einer Haftstrafe verurteilt. Kerviel ging in Berufung.

UBS dürfte den Prozess genau verfolge. Das ließ Konzernchef Ermotti Anfang September in einem Brief an die Mitarbeiter durchblicken. "So unangenehm das ganze Verfahren für UBS sein wird: Es zeigt uns, welche Folgen es haben kann, wenn wir Fehlverhalten zulassen oder wenn einzelne Personen ihre Verantwortung nicht ernst nehmen", schrieb er in einem Brief an die Mitarbeiter. Die Bank müsse davon ausgehen, "dass im Prozessverlauf auch die Kultur und die Praktiken von UBS zur Sprache kommen werden." UBS habe die interne Überwachung und Kontrolle verbessert, um sicherzustellen, dass sich Derartiges nicht wiederholt. Verfolgt wird das Verfahren auch von der ganzen Investmentbank-Branche, die seit der Finanzkrise immer wieder öffentlich unter Beschuss geraten ist.

Der aus Ghana stammende Sohn eines pensionierten UNO-Diplomaten kam 2006 zu UBS und übernahm zunächst Unterstützungsaufgaben. Zu der Zeit als die ihm zur Last gelegten Vorgängen passiert sein sollen arbeitete er als Händler in einer Abteilung der UBS-Investmentbank, die mit Exchange Traded Funds (ETF) handelte.

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