"Grönland hat im Grunde genommen alles"

"Grönland hat im Grunde genommen alles"

Möglich gemacht wird der arktische Rohstoff-Boom durch den Klimawandel. Das Schmelzen der Eisdecke legte in den vergangenen Jahren ungeahnte Schätze frei, etwa Öl, Erdgas, Eisenerz und Uran.

„Grönland hat im Grunde genommen alles”, sagte Damien Degeorges, Gründer des Arctic Policy and Economic Forum, im Gespräch mit der APA. Als bisher kaum erschlossenes Gebiet sei die Insel besonders attraktiv, pflichtete ihm auch der Arktis-Experte Rasmus Gjedssö Berteslen der dänischen Universität Aalborg bei.

Zur Schlüssel-Ressource könnten für Grönland seine seltenen Erden werden. Diese sind für die Produktion von Mobiltelefonen unverzichtbar. Derzeit kontrolliert China 97 Prozent des Marktes der wertvollen Mineralien, und auch bei den arktischen Vorräten hat Peking bereits sein Interesse angemeldet. Grönland dürfe sich nicht von China abhängig machen und dessen globales Hegemoniestreben unterstützen, sagte Degeorges. Kontrolliere ein Land alle großen Abbauprojekte in Grönland, dann "kann das durchaus zu einem Problem werden”, sagte der Forscher.

Bei Parlamentswahlen am Dienstag zeichnet sich ein knappes Rennen zwischen Regierungschef Kuupik Kleist und der sozialdemokratischen Opposition ab. Nach Umfragen liegt Kuupiks linkssozialistische Partei Inuit Ataqatigiit nur knapp vor der sozialdemokratischen Siumut mit 38,2 Prozent.

Hohes Korruptionsrisiko

Wer auch immer gewinnt - der Rohstoff-Reichtum kann für die kleine politische Elite der 57.000-Einwohner-Insel zur Herausforderung werden. Für große Firmen und Staaten wäre es ein Leichtes, die im Umgang mit internationalen Akteuren unerfahrenen Entscheidungsträger zu beeinflussen, sagte Bertelsen. Es bestehe ein hohes Korruptionsrisiko. "Es gibt nur 44 Menschen, die Grönland regieren - neun Minister, 31 Parlamentarier und vier Bürgermeister. Das ist nicht viel", sagte Degeorges. Auch in Europa sei man besorgt über die Annäherung Chinas.

Auch der Personalbedarf bei der Rohstoffgewinnung wirft Problem auf. Die grönländische Bevölkerung sei zu klein, um die nötigen Arbeitskräfte bereitzustellen. Nach bisherigen Plänen sollen darum 3.000 chinesische Arbeiter in die Arktis geholt werden, um Rohstoffe abzubauen. "Das ist, also ob eine halbe Million chinesischer Arbeiter plötzlich nach Österreich kommen. Welche Rechte gibt man diesen Arbeitern? Wie funktioniert die Interaktion zwischen ihnen und der Gesellschaft“?, sagte Bertelsen. Auch Degeorges warnt vor den daraus resultierenden Herausforderungen für Grönlands Sozialsystem. Für die chinesischen Arbeiter sei bereits eigens der gesetzliche Mindestlohn aufgehoben worden.

Bertelsen und Degeorges betonen, dass vor allem die Förderung von Bildung und Ausbildung für Grönlands wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft entscheidend ist. „Sie werden einen stärkeren Fokus auf Ausbildung, speziell jene in einem internationalen Rahmen, legen müssen“, so Degeorges.

Den grönländischen Unabhängigkeitsbestrebungen stehen die beiden Experten grundsätzlich optimistisch gegenüber, wenngleich sie sich auch einig sind, dass es sich dabei um einen langen Weg handelt. Zwar sehe man in der Bevölkerung einen sehr starken Willen für die Unabhängigkeit, doch bisher gebe es noch kaum Geld aus den Rohstoffen, und der finanzielle Bedarf wird vor allem von Dänemark gedeckt, so die Experten. Für Bertelsen ist der nächste Schritt für Grönland darum eine Personalunion mit Dänemark. Der skandinavische Staat und seine ehemalige Kolonie würden sich dann die Monarchie teilen und Dänemark wäre vermutlich für die Sicherheitspolitik zuständig, aber Grönland wäre ein souveräner Staat.

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