Griechische Insel will zu Österreich

Griechische Insel will zu Österreich

Skurrille Idee im Zuge der Griechenland-Krise könnte Österreich wieder zur Seemacht werden lassen.

8000 Einwohner, herrliche Lage in der Ägäis, rund 20 Kilometer von Samos entfernt, wunderschöne Strände, ein Geheimtipp für Touristen: Die Insel Ikaria ist so etwas wie ein Traumziel für Griechenland-Fans. Wobei: „Griechisch“ ist die Insel genau genommen nicht, denn Ikaria ist nur mit einem vor hundert Jahren geschlossenen Abkommen an diesen Staat gebunden – das davor vom Osmanischen Reich besetzte Land entschied sich, von Griechenland regiert zu werden. Ein kleine Rebellengruppe um den heute als Nationalhelden verehrten Georgios Spanos hatte die osmanischen Besatzer vertrieben und sich dann mehr oder weniger freiwillig Griechenland angeschlossen.

Vertrag läuft aus

Der im Sommer 1912 unterzeichnete Vertrag läuft in Kürze aus – und Ikaria will angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Lage im (ehemaligen) Mutterland nicht mehr griechisch sein. Und jetzt das Skurrille: Laut einem aktuellen Bericht der italienischen Zeitung „Libero“ will Ikaria ausgerechnet Österreich als neuen Schutzherrn. Ein Lokalpolitiker wird mit den Worten zitiert, man könnte für eine (friedliche) Annexion doch einen anderen Staat ersuchen, die Rolle Griechenlands zu übernehmen – und das „Maximum“ wäre Österreich. Ob der Artikel bzw. die Aussage ernst gemeint sind, sei dahingestellt - für österreichische Großmachtfantasien ist das auch zweitrangig.

Wieder eine Seemacht?

Ob sich demnächst also Österreich wieder als Seemacht fühlen darf, ist aber mehr als ungewiss: Griechenland wird das Kleinjuwel nahe der türkischen Küsten nicht gerne aufgeben, unter anderem wegen der reichen Fischgründe dort.

FORMAT hat mit Dimitris Rigas, Besitzer des Hotels Cavos Bay auf Ikaria gesprochen: Von einer drohenden Übernahme der Insel durch Österreich hat er noch nichts gehört und glaubt áuch an einen Scherz; lieber würden er und sein Hotel auch weiterhin zu Griechenland gehören. „Doch Gäste aus Österreich nehme ich gerne“, lacht Rigas – die würden neben Touristen aus Deutschland und Italien nämlich das größte Kontingent ausmachen. Der Fremdenverkehr auf der Insel ist nach seiner Aussage nur leicht zurückgegangen; Juli und August würde es wieder gute Nächtigungszahlen geben.

Hebt den Altersschnitt!

Österreich könnte die Insel übrigens auch nutzen, um das Durchschnittsalter der Bevölkerung leicht anzuheben – laut amerikanischer Studien zählen die Einwohner von Ikaria zu den am längsten lebenden Menschen; Hundertjährige sind dort keine Seltenheit.

Botschaft dementiert

Nach mehreren Schreckstunden reagierte am Dienstagnachmittag auch die griechische Botschaft in Wien. "Griechenland wird nicht föderalistisch, sondern einheitlich verwaltet." Es bestehe somit "kein auslaufendes Abkommen zwischen der griechischen Regierung und der Insel", hieß es von Seiten der Botschaft.

Laut Botschaft wird am 17. Juli 2012 das 100-jährige Jubiläum der Revolution gefeiert, mit der die ostägäische Insel Ikaria ihre Selbstständigkeit vom Osmanischen Reich erlangt hat. "Der Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923 bestätigt in Artikel 12, dass die Inseln der Ostägäis, darunter auch Ikaria, zu Griechenland gehören."

Einige Einwohner der Insel, die an der Feier anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Revolution teilnahmen, hätten ihre persönlichen Ansichten ausgesprochen. Weder der Bürgermeister von Ikaria noch irgendein Sprecher des Bürgermeisters seien in der italienischen Zeitung zitiert worden, meinte die Botschaft.

Ein herber Rückschlag für die österreichischen Träume vom eigenen Zugang zum Meer. Doch wer weiss, vielleicht meldet sich demnächst eine andere griechische Insel zu Wort. Aus Marketinggesichtspunkten war die Story jedenfalls ein voller Erfolg für Ikaria.

Ikaria auf Google Maps:

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