Griechenland ist nicht zu retten? Von wegen ...

Griechenland ist nicht zu retten? Von wegen ...

Zwar soll auch 2013 die Wirtschaft nochmals um 4,5 Prozent schrumpfen. Aber im Dezember sank erstmals seit 2008 die Tourismusbranche steigende Buchungszahlen für dieses Jahr. Das ist wichtig, weil an diesem Wirtschaftszweig jeder fünfte Job in Griechenland hängt. Auch die Stimmungsbarometer in der griechischen Wirtschaft zeigen erstmals seit drei Jahren wieder nach oben.

Ökonomen sehen deshalb begründete Hoffnung auf eine Trendwende. "Im Jahr 2012 hat die Wucht der Krise so dramatische Veränderungen gebracht, dass eine Bodenbildung jetzt möglich sein wird", sagte der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, Michael Heise, zu Reuters. Ähnlich zuversichtlich gibt sich der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther: "Die Reformen führen sicher dazu, dass in diesen Ländern der Turnaround gelingt", sagt er mit Blick auf die Staaten, die derzeit Hilfen aus den Euro-Rettungsschirmen erhalten.

Bei der Beschäftigung ist der Abwärtstrend gestoppt

Für einen positiven Eindruck sorgten in Griechenland vor allem die am Donnerstag bekanntgegeben Arbeitslosenzahlen für Dezember 2012. Erstmals seit 2008 sank die Quote. Zwar ist sie mit 26,4 Prozent immer noch die höchste in der EU. Erklärt wird dies mit der stärkeren Anstellung von Saisonkräften, weshalb man die Zahlen nicht überbewerten darf. Doch die Früchte der Reformpolitik werden langsam sichtbar. "Die Lohnstückkosten sind dramatisch gesunken trotz eines Zusammenbruchs der Wirtschaft", sagte Allianz-Chefvolkswirt Heise. Der Warenexport steige wieder kräftig. "Hier zeigt sich schon, dass diese ganz harte Anpassung zu einer Stabilisierung führt."

Auch als Reiseland erlebt das lange als überteuert geltende Griechenland nach Ansicht der Marktforscher der GfK ein Revival: Nach Angaben des Tourismus-Marktführers TUI liegen die Buchungen für Griechenland-Urlaube seit Jahresbeginn um vier Prozent über dem Vorjahresniveau. "Die Deutschen entdecken ihre Liebe für das Land wieder", sagte TUI-Deutschland-Chef Christian Clemens auf der Reisemesse ITB in Berlin. Ein viel größeres Plus verzeichnet Konkurrent Alltours mit 30 Prozent. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel rief zur Eröffnung der weltgrößten Reisemesse die Bundesbürger dazu auf, ihren Urlaub in schwächelnden Euro-Staaten wie Spanien, Portugal oder eben Griechenland zu verbringen.

Die Probleme bei den Finanzen bleiben

An der schlechten Finanzsituation des Landes hat sich aber noch nicht viel geändert. Griechenland musste wegen seiner ausufernden Staatsverschuldung von den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) gestützt werden. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums sind von den bis Ende 2014 zugesagten 144,6 Milliarden Euro aus dem Rettungsschirm bereits 113 Milliarden Euro ausbezahlt. Der IWF hat 19,1 Milliarden beigesteuert.

Die Regierung von Antonis Samaras hat zwar das Defizit im Haushalt drastisch gedrückt, aber es ist immer noch hoch und erlaubt keine Kehrtwende in der Fiskalpolitik. Zudem hält sich hartnäckig eine Debatte, ob es neben dem Schuldenschnitt für private Investoren nach 2014 nicht auch einen für die öffentlichen Geldgeber geben müsse. Der griechische Finanzminister versichert zwar regelmäßig - auch, um das Vertrauen in eine Erholung Griechenlands nicht zu erschüttern - dass dies nicht notwendig sei. Aber der schiere Schuldenberg sorgt dafür, dass sich die Zweifel halten, ob ein Schuldenschnitt nicht doch nötig ist.

IW-Chef Hüther sieht deshalb bei Griechenland wie auch den anderen Programmländern die Finanzen als eigentliches Damoklesschwert. "Wir haben ein Problem für alle Länder noch nicht gelöst, nämlich das Finanzierungsproblem", sagt er. "Wir haben dort eine Kreditklemme, die zusammenhängt mit der besonderen Disfunktionalität in den dortigen Bankensystemen." Ohne eine funktionierende Kreditvergabe aber wird ein Wirtschaftsaufschwung sehr schwierig werden.

Deshalb wartet die Regierung in Athen auch auf einen Hilfe- Beschluss für das ebenfalls angeschlagene Euro-Land Zypern. Wegen der engen Verknüpfung der Wirtschaften beider Länder halten zyprische Banken derzeit rund zehn Prozent der Spareinlagen in Griechenland. Wird Zyperns Bankensektor nicht gerettet, würde sich dies sofort auf Griechenland auswirken und dort für neue Verunsicherung sorgen.

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