"Griechenland ist im Klub. Jetzt muss man miteinander kutschieren"

"Griechenland ist im Klub. Jetzt muss man miteinander kutschieren"

Zombiebanken sind scheintote Banken, die zu groß sind, als dass sie pleitegehen dürften. "Es gibt eine ganze Reihe von Banken, die haben keine Daseinsberechtigung", sagte Janwillem Acket am Donnerstag vor den Medien in Zürich.

Als Beispiel nannte er die Landesbanken in Deutschland: "Die sind eigentlich nicht nötig. Es gibt andere Banken, die diese Aufgaben besser erfüllen."

"Man muss sich wirklich fragen, ob diese Banken den Volkswirtschaften etwas bringen würden oder nur ein Ärgernis sind?", sagte Acket mit Blick auf die zahlreichen Skandale bei den deutschen Landesbanken. Das jüngste Beispiel ist die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), bei der Anklage gegen sieben ehemalige und amtierende Chefs wegen Bilanzfälschung erhoben wurde.

Um solche Krisenbanken aus dem Verkehr ziehen zu können, brauche es eine Bankenunion in Europa und eine einheitliche Aufsicht, sagte Acket. Erst mit einer standardisierten Bewertung der Bonität solcher Banken könne man die Geldinstitute auch abwickeln. Dazu sei noch eine Einlagensicherung nötig, um einen Sturm der Kunden auf die Banken zu vermeiden.

US-Vorbild

Seit der Pleite der Großbank Lehman im Jahre 2008 seien in den USA mehrere hundert kleinere und mittlere Banken verschwunden. Trotzdem habe es keinen Ansturm auf die Banken gegeben, weil die US-Amerikaner eine Einlagensicherung hätten. "Wir brauchen so etwas in Europa", sagte Acket.

In Europa würden dagegen die Politiker bisher die Banken ihrer Länder schützen, weil sie sonst die Wähler verlieren würden. "Die Politik ist in der Geiselhaft der Banken in vielen Ländern", sagte Acket: "Wir müssen in Europa die Ehrlichkeit aufbringen, "Zombiebanken" zu schließen."

Griechenland wird nicht aus der Eurozone ausscheiden

Trotz immer neuen Rettungsmilliarden für das krisengeplagte Griechenland rechnet die Bank Julius Bär nicht mit einem Ausscheiden Athens aus der Eurozone. "Es gibt keine Alternative, als Griechenland in der Gemeinschaftswährung zu halten", sagte Acket. Auch wenn ein Verbleib Athens in der Eurozone wahrscheinlich teurer sei als ein Ausscheiden, sollte am Schluss die europäische Perspektive überwiegen, sagte Acket im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Man könne die Mitglieder der Gemeinschaftswährung nicht in gute und schlechte aufteilen.

Das wäre das Ende der EU, die ein Friedensprojekt sei. "Griechenland ist im Klub. Jetzt muss man miteinander kutschieren", sagte Acket. Die Griechen gäben sich sehr stark Mühe, in die richtige Richtung voranzukommen. "Es wäre ein Affront, sie jetzt aus der Eurozone zu werfen", sagte Acket.

Mit den am Montag beschlossenen neuen Milliardenhilfen der EU habe man Zeit gewonnen. Nach den Bundestagswahlen im nächsten Herbst in Deutschland dürfte das Thema eines Schuldenschnitts aber wieder aufs Tapet kommen, sagte Acket. Die jetzige deutsche Regierung wehrt sich vehement gegen einen Schuldenschnitt der öffentlichen Gläubiger Griechenlands.

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