Griechenland: Der wirtschaftliche Exodus in Zahlen

Griechenland: Der wirtschaftliche Exodus in Zahlen

Damit sei Griechenlands Aufholprozess nicht nur zum Stillstand gekommen, sondern habe sich sogar umgekehrt, so Wifo-Chef Karl Aiginger in einem aktuellen Wifo-Arbeitspapier.

Das Pro-Kopf-Einkommen der Griechen ist lauf Wifo von 1960 bis 2008 von 60 Prozent des EU-15-Wertes bis auf 84 Prozent gestiegen. 2012 sei es kaufkraftbereinigt wieder um 28 Prozent unter dem Durchschnitt der EU-15 gelegen. "Die Kluft war damit zwar noch kleiner als 1960 und auch etwas kleiner als für Portugal, aber dennoch hat sich der Einkommensrückstand deutlich vergrößert", so Aiginger. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 2008 bis 2012 von 7,7 Prozent auf 19,7 Prozent und dürfte 2013 weiter steigen.

Die Arbeitskosten zogen in Griechenland laut Wifo zwischen 2000 und 2008 um 7 Prozent stärker an als im Durchschnitt der EU-15. Dabei waren die Lohnsteigerungen nicht stärker als zuvor, aber die Produktivitätssteigerungen kamen zum Stillstand. Hier war die Verringerung der Direktinvestitionen ein wichtiger Faktor. Seit 2008 wurden die Arbeitskosten so stark gesenkt, dass sie 2012 wieder um 4 Prozent niedriger waren als 2000. Nur gegenüber Deutschland, wo besonders starke Lohnzurückhaltung geübt wird, waren die Lohnkosten noch um 9 Prozent höher als 2000. Das Defizit der Leistungsbilanz sank von 18 Prozent des BIP im Jahr 2008 auf 8 Prozent 2012. Die Außenhandelsbilanz wäre nahezu ausgeglichen, wenn Griechenland nicht relativ hohe Rüstungsimporte und Erdölimporte aufweisen würde und die Tourismuseinnahmen nicht relativ zur Wirtschaftsleistung seit 2000 geschrumpft wären, so das Wifo. Der Anteil der Industrie an der Wertschöpfung verringerte sich seit den 1970er-Jahren von 16 Prozent auf 9 Prozent im Jahr 2008.

Von den für Griechenland reservierten Mitteln des Europäischen Investitionsfonds wurden nach einer Studie der Harvard University im Jahr 2012 13 Mrd. Euro (bzw. 3 Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung) nicht verwendet, d. h. sie wurden entweder nicht zugeteilt oder nicht abgerufen. Die Mittel der Europäischen Investitionsbank (EIB), die Mitte 2012 beschlossen und durch eine Kapitalerhöhung ermöglicht wurden, wurden bis Ende 2012 ebenfalls nicht wirksam, so das Wifo.

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