Greg Fleming - Der begehrteste Banker der Wall Street

Greg Fleming - Der begehrteste Banker der Wall Street

Er ist der neue Star in der US-Finanzbranche - Greg Fleming. Kaum ein Banker scheint derzeit so begehrt zu sein wie der Vermögensverwaltungschef von Morgan Stanley. Nicht nur dort gilt der 50-Jährige als Kandidat für den Chefsessel. Auch als potenzieller Top-Manager bei Blackrock, American Express oder Goldman Sachs hat er gute Karten.

Die Wall Street ist sich einig, dass Fleming nicht nur nach höherem strebt, sondern auch, dass er es schafft. Nur zwei Fragen sind dabei noch offen: wann und bei wem?

Bei Morgan Stanley steht Fleming zwar bereits auf der Kandidatenliste für die Leitung der Großbank, wie mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagen. Allerdings geht momentan keiner davon aus, dass Firmenchef James Gorman so schnell Platz macht. Der 55-Jährige leitet das Geldhaus erst seit vier Jahren - und ihm werden gute Noten ausgestellt.

Angesichts der Karriere-Ambitionen von Fleming läuft Morgan Stanley damit Gefahr, ihn zu verlieren, wie es in seinem Umfeld heißt. Morgan Stanley spielt dies herunter. Fleming habe keinerlei Pläne, die Bank zu verlassen, sagt ein Sprecher. Er selbst sei der Ansicht, dass seine Arbeit noch nicht beendet sei. Er habe es auch nicht eilig damit, Firmenchef zu werden. Andere Institutionen, mit denen Fleming in Verbindung gebracht wurde, wollten sich nicht dazu äußern.

Am Karrieresprung

Auch wenn die Chancen bei Morgan Stanley derzeit nicht die besten sind, gehen Kollegen und Wegbegleiter davon aus, dass sich Fleming bald zu neuen Ufern aufmachen wird. In seinem fünften Jahr bei Morgan Stanley steht er am Scheideweg, sagen Personen, die ihn gut kennen. Er hat die komplizierte Übernahme des Brokerhauses Smith Barney von der Citigroup erfolgreich über die Bühne gebracht und die Gewinnmargen auf das gewünschte Niveau gehievt.

Mittlerweile stammt mehr als die Hälfte der Einnahmen von Morgan Stanley aus der Vermögensverwaltung, die stabiler und weniger riskant als das Investmentbanking ist. Nicht zuletzt deshalb ist der Wert der Morgan-Stanley-Aktien im vergangenen Jahr um 65 Prozent nach oben geschnellt. Je besser seine Sparte lief, desto mehr strebte Fleming nach Einfluss und brachte sich auch in anderen Geschäftsbereichen ein.

Zielstrebig, anspruchsvoll

An Lob für Fleming mangelt es nicht. "Ich achte seine Führungsqualitäten und seine Errungenschaften sehr", sagt beispielsweise Masaaki Tanaka, einer der beiden Vertreter von Morgan Stanleys größtem Anteilseigner Mitsubishi UFJ Financial im Board der Bank. Kollegen und Freunde beschreiben ihn als zielstrebig, anspruchsvoll und ruhig. Nie verliere der Vater von drei Kindern die Fassung. Häufig fällt bei den Beschreibungen der Begriff "Saubermann". Sein einziges nachweisbares Vergehen scheint ein Knöllchen aus dem Jahr 2009 wegen zu schnellen Fahrens zu sein.

Seit 1992 bei Merril Lynch

1992 heuerte Fleming bei Merrill Lynch an und bekam bereits 1999 im Alter von 35 Jahren landesweite Verantwortung bei der US-Investmentbank. Er gehörte zu den Besten, wie ihm ein Magazin 2001 beschied. Nach zwei weiteren Beförderungen machte ihn schließlich 2007 der damalige Bankchef Stan O'Neal zu seinem Stellvertreter.

Die Finanzkrise sorgte dann für einen Bruch: Nach dem Weggang von O'Neal durfte Fleming die Geschicke der Bank nur für kurze Zeit leiten. Die Aufseher zogen es vor, jemanden von außen zu holen. Die milliardenschweren Verluste aufgrund fauler Hypotheken-Kredite hafteten auch Fleming an. Er handelte den Verkauf des Instituts an die Bank of America noch mit aus, dann verließ er die Wall Street. Er unterrichtete an der juristischen Fakultät der Elite-Universität Yale und referierte unter anderem über das Handelsfiasko des sogenannten "Wal von London". Der Banker von JPMorgan Chase setzte mit riesigen Derivate-Positionen Milliarden in den Sand.

Fleming 2010 so kurz nach der Finanzkrise zur Rückkehr an die Wall Street zu bewegen, sei nicht einfach gewesen, sagt ein Insider. Star-Investor oder Banker in der zweiten Reihe reiche ihm nicht. "Er wollte immer Chef eines großen Konzerns werden." Bald dürfte es soweit sein.

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