Gläubiger besiegeln endgültiges Schlecker-Aus

Gläubiger besiegeln endgültiges Schlecker-Aus

Die Versammlung aller Gläubiger votierte am Dienstag - wie bereits der Ausschuss der wichtigsten Geldgeber und Lieferanten sowie der Arbeitnehmer - für die Zerschlagung des bankrotten schwäbischen Konzerns mit zuletzt noch gut 13.800 Beschäftigten, wie der Insolvenzverwalter nach dem Treffen am Dienstag in Ulm mitteilte.

Die Tochterunternehmen würden nun verkauft und die Immobilien veräußert. Nach dem zum Wochenende startenden Ausverkauf in den noch rund 3200 Filialen zwischen Flensburg und Rosenheim wird der Insolvenzverwalter den verbliebenen Mitarbeitern Ende Juni die Kündigungen ins Haus schicken.

Bereits im Frühjahr waren rund 10.000 Schlecker-Beschäftigte vor die Tür gesetzt worden, um die Verluste zu drücken. Trotz monatelanger Suche fand sich am Ende aber kein Investor, an den die Gläubiger glaubten und denen Schlecker derzeit rund 665 Millionen Euro schuldet. Der weitere Betrieb von Schlecker sei angesichts der laufenden Verluste nicht mehr vertretbar, bekräftigte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Die Angebote der Investoren hätten alle unter dem Zerschlagungswert gelegen.

Mit finanzieller Hilfe aus den Bundesländern können die vor der Entlassung stehenden Beschäftigten nicht rechnen. Bei ihrer Konferenz vereinbarten die Wirtschaftsminister der 16 Bundesländer am Dienstag lediglich, sich im Herbst mit Insolvenzen bei Firmen mit bundesweiter Bedeutung beschäftigen zu wollen. Dabei soll auch über regionale Transfergesellschaften beraten werden, wie die rheinland-pfälzische Ressort-Chefin Eveline Lemke (Grüne) sagte. Die Gründung einer solchen Transfergesellschaft, die über das Insolvenzgeld hinaus Löhne und Gehälter gezahlt hätte, war im März vor allem am Widerstand der FDP gescheitert.

Keine Vermögenstransfers

Bei der Abwicklung des Schlecker-Geschäftsbetriebs hat Insolvenzverwalter Geiwitz eigenen Abgaben zufolge keine größeren Vermögenswerte vorgefunden, mit denen ein Bankrott hätte verhindert werden können. Die in Medienberichten genannten Angaben zum verbliebenen Vermögen der Familie Schlecker in Höhe von 35 bis 40 Millionen Euron seien "reine Spekulation". Alle Vermögensübertragungen der vergangenen vier Jahren würden genau geprüft, Firmengründer und Inhaber Anton Schlecker verhalte sich dabei "sehr kooperativ". Bislang sei er "auf nichts gestoßen, was die Insolvenz hätte verhindern oder die Restrukturierung hätte sichern können", teilte Geiwitz mit. Zu den Gläubigern des seit Jahren in den Schlagzeilen stehenden Konzerns zählen einem Bericht der "Wirtschaftswoche" auch Schleckers Kinder, Lars und Meike: Sie hätten Forderungen über rund 176 Millionen Euro angemeldet. Größter Gläubiger ist der Warenkreditversicherer Euler Hermes mit Außenständen von 300 Millionen Euro.

Der Verkauf der Töchter IhrPlatz und Schlecker XL hing am Dienstag weiter in der Schwebe, da Euler Hermes noch Einwände erhebt und mit dem wenig bekannten Münchener Finanzinvestor Dubag noch über finanzielle Details verhandelt. Auch das Insolvenzgericht müsste noch grünes Licht geben, damit die gut 5000 Beschäftigten der Schlecker-Töchter in mehr als 800 Filialen aufatmen können.

Mehr als 200 Schlecker-Beschäftigte machten am Rande der Gläubigerversammlung ihrem Ärger Luft und demonstrierten in Ulm gegen die angekündigte Zerschlagung des 1975 gegründeten Unternehmens. Die Chefin der Gewerkschaft Verdi in Baden-Württemberg, Leni Breymaier, forderte erneut einen Sonderfonds der Bundesagentur für Arbeit, um die Gehälter und Sozialversicherungsbeiträge noch für zwei Monate zu zahlen.

Große Firmen sollen Mitarbeiter übernehmen

Bei der Bundesagentur für Arbeit ist nach den Worten von Vorstandsmitglied Heinrich Alt die Weitervermittlung der vor der Entlassung stehenden Schlecker-Mitarbeiter angelaufen. "Wir führen Gespräche mit großen Firmen wie Amazon, McDonald's, Lidl oder dem Dänischen Bettenlager, um zu sehen, wo Verkäuferinnen unterkommen könnten", sagte Alt der Wochenzeitung "Die Zeit". Die Aussichten auf einen neuen Job seien gut, im Einzelhandel herrsche "hohe Dynamik".

Einige Schlecker-Konkurrenten hofften zudem noch auf Gelegenheiten zur Übernahme von Schlecker-Filialen. "Wer die Insolvenz abwartet und danach erst einsteigt, muss zum Beispiel keine Arbeits- oder Mietverträge übernehmen", sagte Alt. Bei der bundweit vertretenen Schlecker-Kette handele es sich "nicht um eine Massenentlassung, die den Arbeitsmarkt an einem Ort völlig durcheinanderbringt". Denn in Deutschland verlören jeden Tag fast 20.000 Menschen ihre Arbeit, gleichzeitig fänden mehr als 20.000 einen neuen Arbeitsplatz.

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