Getrennt oder gemeinsam? Bankmodelle im Überblick

Getrennt oder gemeinsam? Bankmodelle im Überblick

Mit dem Konzept, das Steinbrück am Mittwoch vorlegen will, ergänzt der SPD-Politiker die Debatte um die künftige Struktur des Finanzsystems um eine weitere Variante.

Auslöser der Debatte war die Finanzkrise, in der Banken mit Milliardensummen vom Staat gerettet werden mussten. Dass damit der Steuerzahler auch für die Verluste aus riskanten Geschäften zur Kasse gebeten wurde, weil die Einlagen der Kunden gesichert werden sollten, machte Politiker und Regulierer nachdenklich.

Reuters stellt die unterschiedlichen Modelle sowie ihre Vor- und Nachteile vor:

Trennbankensystem: Seit der Weltwirtschaftskrise bis Ende der 90er Jahre das gängige Modell in den USA. Investmentbanken und Geschäftsbanken existieren nebeneinander. Risiken der Investmentbanken werden allein von ihren Investoren getragen. Refinanzieren müssen sie sich über den Kapitalmarkt, weil sie keine Kundenkonten führen dürfen.

Bei der in den USA üblichen Finanzierungsstruktur ist das für die Firmenkunden kein Problem: Sie finanzieren sich ohnehin über den Kapitalmarkt, etwa mit Anleihen. In Europa dagegen dominiert der Kredit - doch den gibt es nur bei Geschäftsbanken. Alles aus einer Hand gibt es also in diesem System nicht.

Nicht einmal die USA wollen zu den Trennbanken zurück. Im Gegenteil: In der Finanzkrise haben sie alle Investmentbanken gezwungen, sich in Geschäftsbanken umzuwandeln. Seither sammeln auch Morgan Stanley und Goldman Sachs Kundeneinlagen zur Refinanzierung ein. Die Risiken sollen nach Vorstellungen des ehemaligen Notenbankchefs Paul Volcker durch ein Verbot des Eigenhandels eingedämmt werden.

Steinbrücks Holding-Vorschlag: Unter dem Dach einer Holding sollen zwei getrennte Institute nebeneinander existieren - eine Investmentbank und eine Privatkundenbank. Gerät die Investmentbank in Schieflage, kann sie problemlos abgetrennt und abgewickelt werden, weil sie sich nicht mit den Spargeldern der Privatkunden refinanziert. Der Steuerzahler muss nicht einstehen. Doch das beschränkt die Möglichkeit der Investmentbanken, sich zu refinanzieren. In jedem Fall würde sie teurer. Und die genaue Abgrenzung ist schwierig: Kritiker monieren, oft lasse sich gar nicht genau trennen, ob Handelspositionen für die Bank oder den Kunden - etwa bei Zinsabsicherungsgeschäften - aufgebaut würden. Und Skeptiker bezweifeln, ob die Brandmauer zwischen den beiden Teilen bei einer einheitlichen Führung hoch genug sein könnte.

Das Vickers-Modell: Mehr als 60 Milliarden Pfund kostete den britischen Steuerzahler allein die Rettung von RBS und Lloyds. Jetzt werden den Banken in der Londoner City so enge Fesseln angelegt wie nirgendwo sonst: Die Vickers-Regel - benannt nach dem früheren Notenbanker John Vickers - sieht vor, in jeder Bank die Spareinlagen abzuschirmen ("Ring-fencing"), um das Filialgeschäft vom Investmentbanking zu trennen. Eine Aufspaltung der Häuser wird nicht verlangt. Doch müssten die Banken für das Privat- und Firmenkunden-Geschäft auf der einen und das Investmentbanking auf der anderen Seite jeweils eigene Eigenkapital-Töpfe vorhalten.

Die praktische Umsetzung gilt allerdings als schwierig. Die Regierung in London ist trotzdem fest entschlossen, die meisten Punkte des Reformwerks umzusetzen - Bankenlobby hin oder her. Bis spätestens Mai 2015 soll das Gesetz in trockenen Tüchern sein, die Übergangsfrist soll dann bis 2019 laufen.

Universalbanken-Modell: Das traditionelle europäische Bank-Modell. Für die Kunden gibt es alles unter einem Dach - vom Sparkonto über die Baufinanzierung bis zur Beratung bei Fusionen und Übernahmen. Die Befürworter dieses Modells loben vor allem die größere Fähigkeit der Banken, Risiken zu tragen und Krisen zu bewältigen. Der Zugang zum Kapitalmarkt kann in einer Krise schnell austrocknen, die Kleinsparer ziehen ihr Geld nicht so rasch ab. Deshalb seien in der Finanzkrise Investmentbanken wie Lehman Brothers oder Spezialinstitute wie die Hypo Real Estate schneller umgekippt. Den Eigenhandel - das Zocken auf eigene Rechnung, aber auf dem Rücken der Kunden - haben die meisten Banken nach eigenen Angaben längst aufgegeben.

Damit eine Universalbank dennoch nicht gleich dem Steuerzahler zur Last fällt, fordern die Regulierer "Testamente" von ihr, die eine Abwicklung ermöglichen. Höhere Kapitalquoten sollen zudem verhindern, dass es überhaupt zu einer Schieflage kommt. Je größer und wichtiger die Bank, desto größer soll das Polster sein.

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

Politik

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

International

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

der polnische Finanzminister Mateusz Szczurek will 700 Milliarden für Investitionen in Europa. Alle 28 EU-Mitgliedsstaaten sollen einzahlen
 

International

Polen will 700-Milliarden-Investitionsfonds für Europa