Genf sucht Rat in New York – Kriminalität explodiert

Genf sucht Rat in New York – Kriminalität explodiert

Pierre Maudet, der frühere Bürgermeister von Genf, muss sich in seiner neuen Rolle als Staatsrat für Sicherheit in dem Kanton des organisierten Verbrechens annehmen. Die zunehmende Kriminalität bedroht den Ruf der Stadt, in der zahlreiche Finanzkonzerne ihren Sitz haben - so stark wie zuletzt die Betrügereien von Bernard Madoff, denen einige der bekanntesten Fondsmanager der Stadt zum Opfer gefallen waren.

Im vergangenen Monat wurden die Einwohner der Stadt mit einer Plakataktion vor Dieben gewarnt. Die Polizei rät dazu, Wertgegenstände in Bank-Schließfächern aufzubewahren, nachdem der Handtaschenraub im Jahr 2011 um 28 Prozent hochschnellte und Taschendiebstähle sogar um 43 Prozent zunahmen. Gleichzeitig kletterte die Zahl der Verbrechen, bei denen Messer im Spiel waren, um mehr als 50 Prozent, wie aus Zahlen der Kantonspolizei hervorgeht. Die Zahlen für 2012 sollen noch in diesem Monat veröffentlich werden. In Genf sind Pictet & Cie., Lombard Odier & Cie. und 130 weitere Banken ansässig.

“Ich bin entschlossen, diesem Trend ein Ende zu bereiten”, sagt der 35-jährige Maudet, der jüngster Bürgermeister der Stadt war. Er setzt nun Polizeikräfte für den Einsatz gegen kriminelle Gangs aus dem benachbarten Frankreich ein. “Für Genf ist es äußerst wichtig, ein Image der Sicherheit zu garantieren, nicht zuletzt für die internationalen Konzerne, die hier ihren Sitz haben.”

Villen am See, Designer-Boutiquen und nahe gelegene Skigebiete wie Verbier und Megève haben dabei geholfen, Hedgefonds-Manager und Rohstoffhändler wie Brevan Howard, Vitol Group und Gunvor Group nach Genf zu locken. Die Anziehungskraft der Stadt, deren Einwohner noch vor 30 Jahren ihre Türen unverschlossen ließen, ist nun in Gefahr. Der Öl-Händler Trafigura hat seinen Besuchern bereits empfohlen, sich von Hotels in Stadtteilen wie Les Paquis fern zu halten. Und nun hat sich die Stadtführung sogar an New York gewandt mit der Bitte um Tipps für die Verbrechensbekämpfung.

Gestapo-Staat?

“Dies ist kein Utopia mehr”, sagt Edward Flaherty, Senior Partner bei der Genfer Anwaltskanzlei Schwab, Flaherty & Associates. “Wir wollen nicht in einem Gestapo-Staat leben, in dem unsere Lebensmittel-Einkäufe durchsucht werden. Andererseits gibt es ein großes Einbruchs-Problem, und jetzt auch verstärkt Raubüberfälle und andere Gewaltverbrechen.”

Maudet diskutierte polizeiliches Vorgehen bei einem Treffen mit New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg bereits im Jahr 2011. Der Staatsrat erhöht nun die Zahl der Polizeikräfte, die sich um Einbrüche kümmern sollen und hat die Gefängnis- Kapazitäten verdoppelt, wie sein Büro mitteilte. Bloomberg ist der Gründer und Mehrheitseigner von Bloomberg LP, der Muttergesellschaft von Bloomberg News.

Kriminelle kommen aus Frankreich

Kriminelle aus Lyon und Marseille haben Genfer Banken, Postämter und Juweliere seit 2009 ausgeraubt, sagt Nicolas Giannakopoulos, der Gründer von Organized Crime Observatory in Genf. Damals war die Schweiz dem Schengener Abkommen beigetreten, sodass die Grenz- und Passkontrollen gelockert beziehungsweise abgeschafft wurden.

Trotz aller Probleme gilt Genf jedoch noch als deutlich sicherer als die meisten anderen Finanzzentren der Welt, wie aus einer Studie der Personalberatung Mercer LLC aus dem Jahr 2011 hervorgeht. Demnach kommt die Schweizer Stadt von 221 untersuchten Städten auf Rang sechs - London und New York teilen sich Platz 68. Genf ist auch sicherer als Dubai oder Singapur. Auf Rang eins in der Studie kam Wien, den letzten Platz belegte Bagdad.

Die in der Stadt ansässigen Banken sehen bei der Sicherheit und Lebensqualität derzeit keine signifikanten Probleme, gleichzeitig befürworten sie die “aggressive” Herangehensweise bei der Bekämpfung von Verbrechen und Graffiti, sagt Steve Bernard, Managing Director des Finanz-Verbands Geneva Financial Center.

“Ich will damit nicht sagen, dass alles perfekt ist, oder dass wir wieder bei der Situation in den 1970er Jahren sind, als man seine Haustüre noch unabgeschlossen lassen konnte”, sagt Bernard. “Aber die Genfer Bevölkerung und die Polizei benötigten Zeit, um sich auf die neue Bedrohung einzustellen, die durch kriminelle Gruppen aus dem Ausland entstanden ist.”

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