Gehaltsbeschränkung für Manager – "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus"

Gehaltsbeschränkung für Manager – "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus"

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle plädierte am Montag dafür, noch bis zur Bundestagswahl im September eine neue Regelung zu finden. Ähnlich äußerte sich Joachim Poß, der Vize-Fraktionschef der SPD. Im Kampf gegen exzessive Manager-Gehälter müssten die deutschen Gesetze verschärft werden, sagte er Reuters. Auch Linke und Grüne wollen Grenzen für Vorstandsvergütungen.

"Wir prüfen die Schweizer Entscheidung", hieß es unterdessen im Justizministerium. Die Schweizer hatten am Wochenende mit fast 68 Prozent für eine "Volksinitiative gegen die Abzockerei" gestimmt. Diese zielte darauf ab, dass künftig Aktionäre in der Hauptversammlung jedes Jahr neu über die Höhe der Manager-Vergütungen von börsennotierten Firmen entscheiden. Bisher ist das Sache der Verwaltungsräte. Antritts- und Abgangszahlungen soll es zudem überhaupt nicht mehr geben. Bei Verstößen drohen hohe Geldbußen und Freiheitsstrafen.

Deutsche Politiker quer durch alle Parteien äußerten Verständnis für den Unmut vieler Bürger über Millionen-Gehälter und hohe Boni für Vorstände. "Wir können in der Koalition noch vor der Bundestagswahl ein Zeichen setzen", sagte Brüderle. Er hoffe, dass sich aus der Diskussion Konsequenzen entwickelten. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) begrüßte den Ansatz, der Hauptversammlung stärkeres Gewicht zu geben.

SPD-Fraktionsvize Poß sagte Reuters: "Im Kampf gegen exzessive Managergehälter reicht die derzeitige gesetzliche Grundlage nicht aus." Änderungen seien nötig. Freiwillige Lösungen und Absprachen führten hier nicht weiter. Das zeige die Vergangenheit. Darüber hinaus will er die Bonuszahlungen für Bank-Manager noch stärker als von der EU vorgeschlagen deckeln. "Hier müssen wir das, was aus Brüssel kommt, nicht nur Eins zu Eins umsetzen, sondern noch verschärfen." Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin nannte das Ergebnis in der Schweiz "begrüßenswert". Die Chefin der Linkspartei Katja Kipping sagte den Zeitungen der WAZ-Gruppe, dass ein DAX-Vorstand 54 mal so viel verdiene wie ein Angestellter sei durch nichts als Gier zu begründen.

Unverständnis auch im Mittelstand

Auch in der deutschen Wirtschaft gibt es Kritik an Einkünften von teils über zehn Millionen Euro. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, sagte der "Neuen Presse" aus Hannover: "Dass bestimmte Spitzengehälter und Boni von Managern sich so weit außerhalb des allgemeinen Rahmens bewegen, ist auch für mich als mittelständischen Unternehmer nur schwer nachvollziehbar". Er verwies aber darauf, dass solche Vergütungen von Aufsichtsräten und damit auch den betreffenden Arbeitnehmervertretern in dem Gremium beschlossen worden seien.

Allerdings gab es auch kritische Stimmen. Aktionärsvertreter in Deutschland halten von einer verbindlichen Festlegung der Manager-Gehälter durch die Hauptversammlungen wenig. "Über die Höhe der Vergütungen zu entscheiden, ist eine glasklare Aufgabe des Aufsichtsrats", sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zu Reuters. Die Aktionäre darüber entscheiden zu lassen, bringe auch nichts, da auf den Hauptversammlungen meist die großen institutionellen Investoren und nicht die Kleinanleger die Mehrheit stellten. "Und eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus", betonte er.

Leitl fordert für Österreich Gehaltsbeschränkung "extreme-light"

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl fordert auch in Österreich Konsequenzen. Wobei der Kammerpräsident zunächst auf staatsnahe Betriebe zeigt, wo die "Vertragsschablone" geändert werden solle.

"Während wir uns in den Unternehmen mit der Zulässigkeit von 100-Euro-Einladungen herumschlagen müssen, werden in staatsnahen Betrieben erfolglose Manager mit Millionenabfindungen heimgeschickt. Das zu ändern, scheint mir eine angebrachte Lehre aus dem Schweizer Votum zu sein", so Leitl am Montag in einer Aussendung.

Wer Leistung erbringe, solle "entsprechend" entlohnt werden, wer aber "nicht leistet oder gar Schaden anrichtet, darf dafür nicht auch noch belohnt werden", meint Leitl und fordert mehr Transparenz bei Managergehältern.

Auch in der EU hat es vorige Woche Entscheidungen zur Beschränkung von Spitzeneinkommen gegeben, allerdings nur für Banker. Im Rahmen des Bankenpakets haben sich EU-Parlament, Minister der EU-Mitgliedsländer und EU-Kommission geeinigt, dass für Banker ab 2014 im Normalfall der Bonus nur mehr so hoch wie ein Jahresgehalt sein darf, die Aktionäre können den Bonus bis auf das Doppelte des Jahresgehaltes aufstocken. Die EU-Regeln gelten allerdings nicht für andere Branchen. Dieser Kompromiss soll morgen Dienstag von den Finanzministern der EU-Länder formal beschlossen werden.

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