"Für Stournaras' Mami, verdammt!"

"Für Stournaras' Mami, verdammt!"

Denn Finanzminister Yannis Stournaras hat die Griechen in Harnisch gebracht, als er unlängst sagte, er könne sich gut vorstellen, wie es der Bevölkerung ergehe. "Ich weiß, wie es ist, von 500 Euro im Monat zu leben. In meiner Familie leben viele von sehr wenig Geld", hat Stournaras gesagt und aufgezählt: "Meine Mutter, mein Schwiegervater, meine Schwiegermutter." Nun hagelt es Spott. Und Spenden.

"Für Stournaras' Mami, verdammt!", heißt es zornig auf einem Plakat. Eine Frau trug einen vollgepackten Korb auf den zentralen Syntagma-Platz in der griechischen Hauptstadt. Jede Menge Würste hat sie gebracht. "Die hat Wolfgang Schäuble geschickt", behauptete sie. Der deutsche Finanzminister steht für den größten der internationalen Geldgeber, die Griechenland mit Milliarden-Krediten vor der Pleite gerettet haben.

Die Kehrseite der Kredite bekommen vor allem die einfachen Griechen zu spüren: drastische Sparmaßnahmen, Stellenstreichung im öffentlichen Dienst, Steuererhöhungen, Lohn- und Pensionskürzungen. Mehr als jeder vierte Grieche hat keine Arbeit. Immer mehr Menschen werden obdachlos. Viele Griechen müssen sich gehörig einschränken, um irgendwie durchzukommen.

Der Mindestlohn beträgt in Griechenland 500 Euro pro Monat. Aber viele Rentner müssen mit nicht einmal 300 Euro auskommen. "Das ist die Realität, die Herr Stournaras nicht sehen kann", sagt Themis Balasopoulos, Chef der Gewerkschaft, die den Protest organisiert hat. "Hunderte griechische Familien stehen am Rand der Verzweiflung."

Und doch folgten so viele dem Aufruf der Gewerkschaft, für Stournaras' Familie zu spenden, dass die Organisatoren sich vor Lebensmitteln kaum retten konnten. "Das ist eine Geste des Mitgefühls für eine Familie, die versucht, sich durchzukämpfen", sagte ein Gewerkschafter. "Wir hoffen, dass Herr Yannis Stournaras diese Geste zu schätzen weiß und nicht auch noch eine Quittung verlangt."

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