"Fuck the EU" - Telefonat von US-Diplomatin mitgeschnitten

"Fuck the EU" - Telefonat von US-Diplomatin mitgeschnitten

Ein undiplomatischer Kommentar einer US-Diplomatin. Allerdings wusste Victoria Nuland nicht, dass ihre Äußerung an die Öffentlichkeit gelangen würde. Ihrer Meinung nach haben Russen den Mitschnitt des Telefonats mit dem US-Botschafter in der Ukraine geleakt.

Seit Donnerstagabend kursiert ein Video auf Youtube, in dem ein Mitschnitt eines Telefonats zwischen der US-Europabeauftragten Victoria Nuland und dem US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt, zu hören ist.

"Fuck the EU" ("Scheiß' auf die EU") äußert die Diplomatin in diesem Telefonat, bei dem es um die Proteste in der Ukraine ging. Beide wähnten sich in einer vertraulichen Unterhaltung: Offen sprechen sie über den mittlerweile gescheiterten Versuch von Präsident Viktor Janukowitsch, die Oppositionsführer Arseni Jazenjuk und Vitali Klitschko in die Regierung zu holen. Der frühere Boxweltmeister im Kabinett? "Ich glaube nicht, dass das notwendig und eine gute Idee ist", befand Nuland.

Bei den Vermittlungen in der Ukraine scheinen die US-Vertreter vor allem auf die UN zu setzen. Die EU samt ihrer Außenbeauftragten Catherine Ashton erfuhr weniger Wertschätzung. "Weißt du, scheiß' auf die EU", sagte Nuland. Später ließ das Außenministerium in Washington wissen, dass sich die Top-Diplomatin "natürlich" bei ihren EU-Kollegen entschuldigt habe. In Washington wird vermutet, dass Russland das abgefangene Gespräch öffentlich machte, um eine Vermittlung des Westens in der Ukraine zu torpedieren

"...Europa braucht ein starkes Amerika"

In einer Rede Mitte November vor der Denkfabrik Atlantic Council in Washington hatte Nuland noch eine "transatlantische Renaissance" gefordert. Die USA und die europäischen Staaten müssten sich auf ihr gemeinsames Wertefundament besinnen und die neuen globalen Herausforderungen geeint angehen. "Amerika braucht ein starkes Europa, und Europa braucht ein starkes Amerika", sagte sie damals.

Verheiratet ist Nuland mit dem Historiker Robert Kagan, der mit seinem Institut "Projekt für das Neue Amerikanische Jahrhundert" als ein Vordenker der neokonservativen Außenpolitik unter dem früheren Präsident George W. Bush galt. Nuland erwies sich als parteipolitisch flexibel: Die Diplomatin war unter dem demokratischen Präsidenten Bill Clinton von 1993 bis 1996 die Stabschefin eines stellvertretenden Außenministers, von 2003 bis 2005 arbeitete sie zu Hochzeiten des Irakkriegs als sicherheitspolitische Beraterin des republikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney.

Damit diente Nuland ausgerechnet jener Regierung, die ihrem heutigen Chef die schwerste politische Niederlage zufügte. Bush und Cheney ließen im Präsidentschaftswahlkampf 2004 mit einer heftigen Kampagne die Leistungen des demokratischen Kandidaten Kerry als Soldat während des Vietnamkriegs diskreditieren. Der Außenminister nimmt die Vergangenheit seiner Mitarbeiterin zumindest äußerlich mit Humor: Nuland sei ein "einzigartiges" Mitglied des "Hillary Clinton-Dick Cheney-Alumnivereins", sagte er bei ihrer Vereidigung.

Telefonat von Nuland womöglich nicht der einzige Mitschnitt

Vorwürfe aus der Ukraine, die USA wollten sich einmischen, wies die Sprecherin entschieden zurück. Es sei normal, dass Diplomaten über die Entwicklungen in der Welt berieten. Sie kritisierte zudem Russland, das nach ihren Angaben den Mitschnitt veröffentlichte.

Der Mitschnitt des Gesprächs zwischen Nuland und Pyatt ist nicht das einzige vertrauliche Telefonat, das online zu finden ist. Derselbe Nutzer lud am Mittwoch einen Mitschnitt ins Netz, auf dem angeblich der EU-Botschafter in der Ukraine, Jan Tombinski, und die stellvertretende EU-Außenbeauftragte Helga Schmid zu hören sind.

Ukrainischer Geheimdienst dementiert

Der ukrainische Geheimdienst SBU hat am Samstag jede Beteiligung am abgehörten Telefonat der US-Spitzendiplomatin Victoria Nuland zurückgewiesen. Der Geheimdienst habe "in keiner Weise an der Veröffentlichung des Materials mitgewirkt", sagte Behördensprecherin Lada Safonowa. "Die Ermittler des Sicherheitsdienstes der Ukraine führen keine Untersuchungen zu dem Vorfall durch", fügte Abteilungsleiter Maxim Lenko am Samstag hinzu.

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