"FTD"-Ende ist "keine Entscheidung aus der Not heraus"

"FTD"-Ende ist "keine Entscheidung aus der Not heraus"

Er sei "entsetzt" über die Pläne und zweifle "an der unternehmerischen Kompetenz des Vorstands", erklärte der Gesamtbetriebsrat der bedrohten Wirtschaftsmedien von Gruner + Jahr am Mittwoch nach anhaltenden Spekulationen.

Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") soll das Ende der "FTD" und der beiden Wirtschaftsmagazine "Impulse" und "Börse Online" bereits vom Verlagsvorstand beschlossen worden sein. Am Mittwoch sollte sich der Gruner + Jahr-Aufsichtsrat treffen, Einzelheiten waren nicht bekannt. Das Unternehmen teilte nur mit, es handle sich um eine turnusgemäße Sitzung. Über ein Aus für die "FTD" wird seit längerem spekuliert. Grund soll laut "FAZ" die schlechte Ertragslage in dem Sektor sein. Anzeigenerlöse und Auflagen seien gesunken.

Die "FTD"-Redaktion teilte am Mittwoch auf der Internetseite ihrer Zeitung mit, das Blatt stehe "vor der Einstellung". Weiter hieß es dort: "Jetzt warten wir die Entscheidung unserer Verlagsführung ab. Dann blicken wir nach vorn."

Der Betriebsrat erklärte, die vorliegenden Konzepte seien "nach unserer Kenntnis" geeignet, den Wirtschaftsmedien eine "hervorragende digitale Perspektive" zu sichern. In der Vergangenheit war unter anderem auch gemutmaßt worden, der Verlag könne die gedruckte Ausgabe der "FTD" und der anderen Medien einstellen und sich ausschließlich auf die Veröffentlichung im Internet konzentrieren. Der Vorstand müsse alles tun, um Jobs zu erhalten oder Alternativen zu schaffen.

Profitabler Verlagskonzern

Scharfe Kritik an dem Unternehmen übte auch die Gewerkschaft Verdi. "Gruner + Jahr ist ein profitabler Verlagskonzern", erklärte Vize-Bundeschef Frank Werneke in Berlin. Einen großen Teil der Wirtschaftsmedien einzustellen, sei "keine Entscheidung aus der Not heraus".

Gruner + Jahr gibt unter anderem Zeitschriften wie "Stern" und "Brigitte" heraus. Der Verlag gehört zu 74,9 Prozent dem deutschen Medien-Großkonzern Bertelsmann, 25,1 Prozent der Anteile hält die Hamburger Verlegerfamilie Jahr.

Nach Verdi-Angaben ist zu befürchten, dass mehr als 200 der 350 Jobs in der gemeinsamen Redaktion der Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien gestrichen werden. Auch auf freie Journalisten und Verlagsangestellte werde sich der Beschluss negativ auswirken. "Das Ausmaß dieses Kahlschlags sucht in der deutschen Verlagslandschaft seinesgleichen", erklärte Werneke. Es gebe Alternativen.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte von der Verlagsführung "soziale Verantwortung" ein. "Die Schaffung von Alternativarbeitsplätzen für die Betroffenen muss oberste Priorität haben", erklärte DJV-Bundeschef Michael Konken in Berlin. Wo dies nicht möglich sei, müssten Lösungen "deutlich über den üblichen Sozialplankonditionen" angeboten werden.

In der deutschen Medienbranche herrscht derzeit nach mehreren schlechten Nachrichten große Besorgnis. Vor kurzem ging die Traditionszeitung "Frankfurter Rundschau" pleite, die Nachrichtenagentur dapd meldete teilweise Insolvenz an.

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