Frankreich in der Krise: Das System Carrefour ist am Ende

Frankreich in der Krise: Das System Carrefour ist am Ende

Das Carrefour-Geschäftsmodell, das vor 50 Jahren mit einem ersten, im Vergleich zu heutigen Dimensionen eher klein wirkenden Großmarkt nahe Paris startete, stößt an seine Grenzen und stellt die Zukunft des Reatilkonzerns infrage.

Von Käse über Kleidung bis hin zum Rasenmäher verkauft der französische Supermarkt-Riese Carrefour so ziemlich alles. Rund 19.000 verschiedene Produkte will der Großmarkt-Pionier auf gigantischen Verkaufsflächen an die Kunden bringen. Die "Hypermarches" der Franzosen sind zum Inbegriff eines Filialmodells geworden und ließen den Metro-Rivalen zum weltweit zweitgrößten Einzelhändler nach Wal-Mart aufsteigen.

Im Mai musste Carrefour in seinem Heimatmarkt jedoch erstmals die Marktführerschaft an den genossenschaftlich geführten Konkurrenten Leclerc abgeben. Der Spuk war pünktlich zum Nationalfeiertag am 14. Juli wieder vorbei, aber das Comeback des Branchenprimus steht aus Kundensicht auf wackeligen Füßen. "Manchmal ist es nicht leicht, einen Verkäufer zu finden, und die Ware ist nicht gerade toll ausgezeichnet", kritisiert ein 53-jähriger Bauarbeiter beim Samstagseinkauf in dem mehr als 8000 Quadratmeter großen Carrefour im südwestfranzösischen Brive-La-Gaillarde. Eine 34-jährige Sozialarbeiterin, die in der Nähe wohnt, würde eigentlich lieber zur 30 Autominuten entfernten Konkurrenz fahren. Leclerc sei schließlich billiger und Geant Casino sauber und gut eingerichtet, sagt sie.

Der Hypermarche in dem von seiner ländlichen Umgebung geprägten Brive ist einer von rund 150 Märkten der insgesamt 220 in Frankreich, die Carrefour in den nächsten Jahren renovieren will. "Unseren Geschäften fehlten in den vergangenen Jahren die Investitionen", räumt Frankreich-Geschäftsführer Noel Prioux ein. Die geplante Modernisierung gehört zur Strategie des neuen Konzernchefs Georges Plassat, der nach dem Abgang einer Reihe glückloser Vorgänger im Mai 2012 das Ruder übernahm. Für 2,3 Milliarden Euro will er vor allem die Märkte in Frankreich, wo Carrefour fast die Hälfte seines Umsatzes macht, renovieren.

Diskonter machen Druck

Doch Kosmetik allein dürfte die Kunden nicht überzeugen, denn in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit suchen auch die Franzosen oft schlicht nach den günstigsten Angeboten. Viel Spielraum hat Carrefour im Preiskampf mit seinen Rivalen oder gar Diskontern aber nicht: Die Umsatzrendite betrug 2012 nur magere 2,6 Prozent, während der kleinere Casino - der nicht zum Discount-Lager zählt - immerhin 3,7 Prozent auswies. Zum Vergleich: Die britische Supermarktkette Tesco schafft in ihrem Heimatmarkt 4,7 Prozent.

Noch immer werden in Frankreich jedes Jahr neue Großmärkte eröffnet, und in den Riesen-Hallen tätigen die Franzosen weiterhin die Hälfte ihrer gesamten Lebensmittel-Einkäufe. Doch der Anteil der Großmärkte fällt offiziellen Statistiken zufolge und auch ihre durchschnittliche Verkaufsfläche nimmt ab. Schließlich bekommen Carrefour und andere Hypermarche-Betreiber den demografischen Wandel zu spüren: Weil auch in Frankreich die Haushalte immer kleiner werden und die Zahl der Singles und Alten zunimmt, liegen Großeinkäufe zum Wochenende nicht mehr so im Trend. Hinzu kommt, dass hohe Benzinpreise vor der Fahrt in die zumeist am Stadtrand gelegenen Märkte abschrecken.

Carrefour-Lenker Plassat verabschiedete sich unlängst von Engagements in Kolumbien, Malaysia und Indonesien, um die Schulden des über 30 Länder umfassenden Firmen-Imperiums zu senken. Der neue Chef räumt zwar gründlich auf, doch er glaubt weiter an den Erfolg von Riesenmärkten. Das stellte erfreut auch der Frankreich-Chef des Rivalen Auchan, Vincent Mignot, fest. "George Plassat zweifelt nicht daran, dass der Großmarkt eine Zukunft hat. Dann sind wir schon mal zwei, die so denken."

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

Politik

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

International

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

der polnische Finanzminister Mateusz Szczurek will 700 Milliarden für Investitionen in Europa. Alle 28 EU-Mitgliedsstaaten sollen einzahlen
 

International

Polen will 700-Milliarden-Investitionsfonds für Europa