Frankreich: Die ungeschminkte Wahrheit

Frankreich: Die ungeschminkte Wahrheit

Frankreich kommt derzeit nicht aus den Schlagzeilen – aus den Negativschlagzeilen, wohlgemerkt. .

Die Gründe für die wirtschaftliche Talfahrt des Landes hat nun die österreichische Industriellenvereinigung in einem internen Papier analysiert, das trend exklusiv vorliegt: Darin wird der Teufelskreis aus steigenden Lohnstückkosten, sinkender Industriequote, Steuerflucht und Abwanderung vermögender Personen beschrieben. Hier die Eckdaten der Analyse zum „Fall Frankreich(s)“:

Lohnstückkosten, BIP, Defizit

Die Lohnstückkosten sind in Frankreich seit 1999 um 30 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Der Schnitt des Euroraums liegt bei 24 Prozent. In diesem Zeitraum ist das Pro-Kopf-BIP um 7,2 Prozent gestiegen, in Deutschland indes um 13,3 Prozent.

Den Vergleich mit Deutschland muss sich Frankreich überhaupt öfters gefallen lassen – so auch bei der Leistungsbilanz. Während Frankreich in den vergangenen drei Jahren ein Defizit von 1,6 Prozent des BIP erwirtschaftete, schaffte Deutschland einen Leistungsbilanzüberschuss von 5,9 Prozent des BIP.

Problemfall Industrie

Als Gründe werden in der Analyse der IV unter anderem die sinkende Industriequote, Einführung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich sowie der rigide Kündigungsschutz angeführt. Stichwort Industrie: Noch im Jahr 2000 sorgte Frankreichs Industrie für 18 Prozent der Wertschöpfung, jetzt sind es nur noch 12,6 Prozent – die zweitniedrigste Quote der EU. Dass die Industriellenvereinigung diesen Aspekt hervorstreicht, ist nicht weiter verwunderlich, ebenso wenig der Vergleich der 35-Stunden-Woche mit den Hartz-IV-Gesetzen in Deutschland.

Sinkende Margen

Frankreichs Industrie hat aber laut IV-Analyse noch andere Probleme: Zwischen 2000 und 2011 sind die Margen französischer Industrieunternehmen von 30 auf 21 Prozent gesunken (Deutschland: plus sieben Prozentpunkte). Das liegt daran, dass Frankreichs Industrie weiter auf Wettbewerbsvorteile beim Preis statt bei der Qualität baut. Das mache sie für Wechselkursbewegungen anfälliger.

Steuerflucht, Steuerbetrug, Abwanderung

Auf politisch heikles Terrain begibt sich die IV-Analyse mit der Aufarbeitung von Steuererhöhungen, Steuerflucht und Abwanderung von „Leistungsträgern“; diese Problemfelder werden aber nüchtern betrachtet. Wie bekannt läuft in Frankreich (und nicht nur dort) eine teils erbittert geführte Debatte, ob Hollande mit seinen Steuerplänen den Standort schwächt. Laut IV-Analyse führten nicht nur die Steuererhöhungen, sondern auch „eine generelle Unzufriedenheit mit der französischen Wirtschaftspolitik“ dazu, dass Unternehmer das Land verlassen. Beispiele sind neben dem Schauspieler Gérard Depardieu ,der eine plötzliche Zuneigung zu Russland entwickelte, unter anderem Bernard Arnault , der reichste Mann des Landes, und Jean-Gil Boitouzet, Gründer einer Finanz-Website. Die Flucht vermögender Unternehmer dürfte anhalten.

Auch Beckham kennt die Tricks

Indes führt die IV-Analyse auch die Tatsache an, dass Steuerflucht und Steuerbetrug in Frankreich ein Problem sind: 60 bis 80 Milliarden Euro entgehen dem Land laut Gewerkschaften dadurch; das ist ein Fünftel aller Steuereinkünfte. Einen steuerlichen Trick nutzt etwa auch Fußballprofi und Werbe-Ikone David Beckham, der beim neureichen Fußballklub Paris Saint-Germain anheuerte – allerdings nur für genau fünf Monate, womit er eine Versteuerung seiner nicht unbeträchtlichen Einnahmen verhindert.

Schon Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy hatte eine „Exit Tax“ eingeführt, mit der die Flucht vor dem französischen Fiskus verhindert werden soll (Besteuerung von Wertzuwächsen aus Firmenanteilen, selbst wenn Steuersitz außerhalb des Landes und Anteile vom Ausland aus veräußert werden). Die Steuereinnahmen aus dieser Exit Tax haben bisher vergleichsweise bescheidene 50 Millionen eingebracht. Jährlich verlassen 700 bis 800 Personen, die Vermögenssteuern zahlen müssen, das Land. Zum Vergleich: 300 kehren jährlich heim.

Vergleich zu Österreich

In der Analyse wird abschließend ein Vergleich mit Österreich gezogen: Die Steuer- und Abgabenquote in Frankreich ist mit 46,8 Prozent des BIP (berechnet nach EU-Methode) die zweithöchste im Euroraum; Österreich liegt mit 44,1 Prozent an dritter Stelle. Frankreich hat derzeit die höchsten Arbeitgeberbeiträge zu den Abgaben des Faktors Arbeit (12,8 Prozent des BIP); laut PWC-Vergleich hat das Land zudem die zweithöchste Gesamtsteuerbelastung von Unternehmen (65,7 Prozent gegenüber 53,1 Prozent in Österreich).

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

Politik

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

International

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

der polnische Finanzminister Mateusz Szczurek will 700 Milliarden für Investitionen in Europa. Alle 28 EU-Mitgliedsstaaten sollen einzahlen
 

International

Polen will 700-Milliarden-Investitionsfonds für Europa