Fiskalklippe hin oder her – die USA werden's wieder allen zeigen

Fiskalklippe hin oder her – die USA werden's wieder allen zeigen

Da können sich die beiden Kandidaten gegenseitig noch so viel Inkompetenz auf ökonomischem Gebiet attestieren, beide haben Unrecht. Marktbeobachter sehen das Land ungeachtet der personellen Besetzung an der Staatsspitze in den kommenden vier Jahren nahezu sicher auf einem Wachstumskurs.

Die US-Verbraucher geben wieder mehr aus, sparen weniger und sind zugleich so gering verschuldet wie zuletzt 2003. Die Immobilienpreise erholen sich und auch die Kreditvergabe der gebeutelten Banken zieht an, nachdem die Kreditinstitute ihre Kapitaldecke seit 2009 um 300 Mrd. Dollar aufgestockt haben.

“Die Würfel für eine deutliche Erholung sind bereits gefallen”, schätzt Chefökonom Mark Zandi von Moody’s Analytics Inc. in West Chester im Bundesstaat Pennsylvania ein. Er beziffert das Wachstum für das laufende und das kommende Jahr auf etwa zwei Prozent und erwartet rund vier Prozent in den Jahren 2014 und 2015. Privater Konsum, Bautätigkeit und Arbeitsmarkt stehen ihm zufolge gleichermaßen vor einem stabilen und zunehmenden Aufschwung.

Damoklesschwert "Fiscal Cliff"

Entscheidend für die Entwicklung ist nach Überzeugung von Zandi und seinem Kollegen Ray Fair, einem Professor der Universität Yale, der politische Umgang mit dem enormen Staatsdefizit der USA. Es ist mittlerweile auf 1,1 Billionen Dollar angewachsen. Die Politik steht gleichermaßen unter dem Damoklesschwert des sogenannten “Fiscal Cliff”, wenn im kommenden Jahr staatliche Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen von mehr als 600 Mrd. Dollar wirksam werden und eine Rezession auslösen könnten.

Volkswirte zeigen sich jedoch zuversichtlich: “Es gibt viele positive Faktoren für die Wirtschaftsentwicklung”, sagt Professor Fair, “und ich kann nur hoffen, dass wir das Defizit in den Griff bekommen, ohne das Wachstum zu stark zu belasten”.

Drei bis vier Prozent Wachstum

Die Bedrohung durch das Fiskalproblem wird nach Überzeugung des Fondsmanagers Eric Green von Penn Capital Management Co. in Philadelphia noch dieses und das kommende Quartal belasten, aber spätestens ab der Jahresmitte 2013 sei eine stärkere Erholung zu erwarten. Es sei in den kommenden Jahren mit einer Wachstumsrate von drei bis vier Prozent zu rechnen. Er riet dabei zu Aktien aus der Industrie, zu Rohstoff- und Energiewerten sowie zu Technologieaktien. Defensivere Branchen seien von Nachfrageschüben weniger stark betroffen und würden nicht so gut abschneiden, sagte Green voraus. Besonders die zu erwartende Erholung der Weltwirtschaft werde die USA voranbringen, sagte er, “insbesondere, da sich in China die Bodenbildung abzeichnet”.

Im letzten Arbeitsmarktbericht vor den Wahlen am vergangenen Freitag hatte sich bereits eine überraschend hohe Zahl neuer Stellen im Oktober gezeigt - es entstanden mit 171.000 deutlich mehr als die 125.000, die erwartet wurden. Der breite US-Aktienindex Standard & Poor’s 500 ist seit Beginn des Jahres um rund zwölf Prozent gestiegen.

Auch wenn Konjunkturdaten aus Europa wie die Industrieproduktion weiterhin auf eine Kontraktion in der Eurozone deuteten, so könne Europa “schließlich nicht ewig in der Rezession bleiben”, sagte Allen Sinai von Decision Economics Inc. in New York. Derzeit wird für die Länder der Währungsunion laut Bloomberg-Umfrage eine Expansion von 0,2 Prozent im kommenden Jahr und 1,2 Prozent für 2014 vorausgesagt.

PIMCO-Guru skeptisch

Pessimistischer zeigt sich Mohamed El-Erian, Vorstandsschef der Allianz-SE-Tochtergesellschaft Pacific Investment Management Co. (Pimco). Er betont die Strukturprobleme der USA und sieht weniger zyklische Kräfte bei der Erholung am Werke: “Ich rechne mit zwei Prozent Wachstum”, sagte El-Erian. Die Abwärtsrisiken seien weiterhin größer als das Aufwärtsrisiko.

Als einer der stützenden Faktoren für die Wirtschaft kann insbesondere die fortschreitende Aufhellung am Immobilienmarkt gelten, wie Dennis Lockhart, Präsident der regionalen Federal Reserve Bank of Atlanta, am 1. November vor Journalisten sagte. Sollten sich die Sorgen um den “Fiscal Cliff” und die Schuldenkrise in Europa abschwächen, “so wäre das ein weiterer Impuls für mehr Investitionen und Neueinstellungen”, sagte er.

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