Finnland – der verkappte Euro-Krisenstaat

Finnland – der verkappte Euro-Krisenstaat

Finnland hinkt Spanien und Portugal mindestens ein halbes Jahrhundert hinterher, wenn es um das Verhältnis von Lohn und Produktivität geht. Die Exportwirtschaft hinkt Vorkrisenzeiten meilenweit hinterher und der Durck auf den Arbeitsmarkt steigt stetig. Finnland hängt in der Rezession fest.

Bei der Förderung der Exportleistung fällt Finnland laufend weiter hinter Südeuropa zurück, wie jetzt aus einer Untersuchung des größten finnischen Wirtschaftsforschungsinstitutes hervorgeht.

Die Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich das nördlichste Euroland auf die nächste Runde Lohnverhandlungen vorbereitet – die bestehenden Tarifvereinbarungen laufen im Oktober aus. Ministerpräsident Jyrki Katainen fordert von den Gewerkschaften, sich mit "moderaten" Gehaltserhöhungen abzufinden. Damit würden sie mithelfen, die seit 2012 anhaltende Rezession zu überwinden.

Die Lohnkosten in Finnland sind 15 Prozent höher als in Deutschland und 20 Prozent höher als in Schweden, ergaben Berechnungen des "Research Institute of the Finnish Economy ETLA" über einen Zeitraum von 30 Jahren. Die Größe gibt an, wie gut Arbeitnehmer in Relation zu ihrer Produktivität bezahlt werden. Und während Spanien und Portugal von der Europäischen Kommission für Erfolge bei der Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit gelobt werden, sind die finnischen Exporte von ihrem Vorkrisenniveau um etwa 15 Prozent gesunken.

Niedrige Verschuldung lässt Luft

"Wir befinden uns auf dem gleichen Weg wie die Problem-Staaten, nur mit Verzögerung", sagt Mika Maliranta, Analysechef bei ETLA in Helsinki, im Interview fest. Aufgrund des guten Zustands seiner öffentlichen Finanzen befinde sich Finnland aber in einer besseren Ausgangsposition. Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Staatsschulden in diesem Jahr 56,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichen werden, verglichen mit einem Eurozonen-Durchschnitt von 95,5 Prozent.

"Ein Unterschied besteht darin, dass dieser lange Abwärtstrend zum Teil nur möglich war, weil unsere Ausgangsposition unglaublich gut war", erläutert Maliranta, "die Chancen von Finnland, die Probleme zu lösen, sind deutlich besser als die der Mittelmeerländer."

Katainen hat Politiker und Branchenvertreter zu einem Treffen am 26. August geladen, um den Weg für eine Einigung zu ebnen und einen Ausweg aus der wirtschaftlichen Talfahrt des Landes zu finden. Die Rezession des Landes hielt auch im Mai weiter an, wie aus dem BIP-Indikator des finnischen Statistikamtes hervorgeht.

Die Regierung hat angedeutet, dass sie die Unternehmen mit möglichen Steuererleichterungen unterstützen würde - gleichzeitig wurde jedoch klar gemacht, dass es nur dann eine Unterstützung gebe, wenn die Gewerkschaften Zurückhaltung bei den Gehaltsverhandlungen versprechen. Katainen hat betont, dass er alles tun werde, um die stabile Spitzenbonität "AAA" seines Landes zu verteidigen.

"Ein Lohnabkommen ist wichtig, da dadurch Vorhersehbarkeit in unser aller Leben gebracht wird", sagt Pasi Sorjonen, ein Volkswirt der Nordea Bank AB in Helsinki. "Unternehmen und Haushalte wissen dann, wie sie voranschreiten können."

Seit der Einführung des Euro sind die Lohnstückkosten Finnlands durchschnittlich etwa zehn Prozent stärker gestiegen als bei den 19 wichtigsten Handelspartnern des Landes, erklärte die finnische Notenbank.

Katainen hat Repräsentanten von Gewerkschaften und Arbeitgebergruppierungen sowie die Opposition eingeladen, sich mit seiner Regierungskoalition an einen Tisch zu setzen und mögliche Maßnahmen zu diskutieren. Erste Verhandlungen im März waren gescheitert. Am 31. Oktober laufen die zwei Jahre geltenden Tarifvereinbarungen ab, die die meisten Branchen umfassen.

"Die Lage ist vielversprechender für eine Einigung als im Frühling", sagt Sorjonen von Nordea. "An unserem Arbeitsmarkt geht es in einem solchen Tempo bergab, dass alle sehen können, dass es keine leichte Abhilfe geben kann – niedrigere Löhne wären ein Teil der Lösung."

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