Finnland: Die EU hat gegen Russland keine Chance

Finnland: Die EU hat gegen Russland keine Chance

Nach Jahrzehnten der West-Orientierung äugt Finnland wieder häufiger gen Osten. Zumindest was den Handel anbelangt, gewinnt der Nachbar Russland immer größere Bedeutung.

Mag es in der finnischen Bevölkerung noch immer Misstrauen gegenüber dem übermächtigen Nachbarn geben. Mögen sich vor allem die Alten noch mit Grauen an den Winterkrieg 1939/40 erinnern. Die Sowjetunion ist Vergangenheit, die offiziellen Beziehungen zwischen beiden Staaten sind herzlich, und die finnischen Unternehmer sind pragmatisch.

Die jüngsten Handelsdaten zeigen, dass die Umorientierung längst begonnen hat. Die finnischen Exporte in die EU gingen in den ersten fünf Monaten des Jahres um vier Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Zur selben Zeit stiegen die Ausfuhren nach Russland um vier Prozent. Und die Zahl der russischen Touristen stieg um zehn Prozent auf 3,6 Millionen im vergangenen Jahr, was nahezu der Hälfte aller ausländischer Besucher entspricht.

Die Unternehmensbilanzen des zweiten Quartals lassen ahnen, dass Finnland noch abhängiger von Russland werden dürfte. Führende Firmen wie der Handelskonzern Kesko, der immerhin 35 Prozent des finnischen Lebensmittelmarktes kontrolliert, und die Kaufhauskette Stockmann haben Russland zu ihrem wichtigsten Trumpf erklärt. So hat Kesko im Mai seine zweite Filiale in Russland eröffnet, acht weitere sollen in den kommenden drei Jahren folgen. Kesko nutzt da nicht nur der gute Ruf, den finnische Lebensmittel genießen. Dem Konzern kommt die Expansion auch zupass, weil er in der Heimat Hunderte Stellen gestrichen und seinen Gewinnausblick gesenkt hat. "Das Wachstumspotenzial, das der russische Markt Finnland eröffnet, ist langfristig wirklich bemerkenswert", freut sich Kesko-Finanzvorstand Jukka Erlund.

Exportverdreifachung

Stockmann hat unlängst einen überraschenden Gewinnsprung vorgelegt - vor allem dank seines Kaufhauses in St. Petersburg. Und der Reifenhersteller Nokian Renkaat, der 2005 die Produktion in seinem Werk bei St. Peterburg aufnahm, hat es mittlerweile zum Marktführer in Russland bei Pkw-Reifen geschafft. "Finnland und finnische Produkte haben einen ausgezeichneten Ruf im Land", sagt Nokian-Chef Kim Gran. "Wir gelten als ehrlich." Auch anderen finnischen Firmen rät er, ihr Glück in Russland zu suchen. "Die kleineren Unternehmen sollten sich mehr bemühen, in Russland aktiv zu werden."

Seit dem Jahr 2000 haben sich die finnischen Exporte nach Russland fast verdreifacht. Gefragt ist eine breite Palette - von Bergbaumaschinen über Holzprodukte und Chemikalien bis hin zu den Mobiltelefonen von Nokia. Das Wirtschaftswachstum in Russland zeigte wegen fallender Öl- und Gaspreise zwar jüngst Anzeichen einer Verlangsamung. Selbst der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew räumte das Risiko einer Rezession ein. Man werde aber eine rasche Antwort finden, bemühte er sich zu beruhigen. Experten sind aber ohnehin davon überzeugt, dass Russland der vergleichsweise kleinen finnischen Wirtschaft Schwung geben kann. Den kann sie auch brauchen, verzeichnet sie doch ein Leistungsbilanzdefizit und wird wohl 2013 das zweite Jahr in Folge schrumpfen.

Für Finnland, das seit 1995 der EU angehört und zu den Gründungsmitgliedern der Euro-Zone zählt, ist die Abhängigkeit vom großen Nachbarn im Osten freilich nichts Neues. Man muss gar nicht bis ins 19. Jahrhundert zurückschauen, als der russische Zar über Finnland herrschte, oder zum Winterkrieg, als Finnland weite Gebiete an die Sowjetunion abtreten musste. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg hing Finnland vom Handel mit der Sowjetunion ab. Als die 1991 zusammenbrach, stürzte Finnland in eine tiefe Rezession. Die Regierung in Helsinki orientierte sich daraufhin nach Westen - mit Erfolg. Die Mitgliedschaft in EU und Euro-Zone bescherte den Finnen eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt.

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