EZB-Krisenhilfe lässt deutsche Wirtschaft kalt

EZB-Krisenhilfe lässt deutsche Wirtschaft kalt

Trotz des jüngsten Aufatmens im europäischen Schuldendrama und der Erholung an den Finanzmärkten, fiel der Ifo-Index zum Geschäftsklima im September den fünften Monat in Folge. Das viel beachtete Barometer sackte um 0,9 auf 101,4 Punkte ab, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut am Montag mitteilte.

Damit zeigen sich die Unternehmen pessimistischer als zuletzt befragte Finanzmarktanalysten. Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) in Aussicht gestellte unbegrenzte Ankauf von Krisenländer-Anleihen, das grüne Licht des Bundesverfassungsgerichts für den dauerhaften Rettungsschirm ESM und die Kursgewinne an den Börsen machten offenbar wenig Eindruck. Weil vor allem der Export schwächelt, droht Deutschland in den nächsten Monaten eine Stagnation, vielleicht sogar eine Rezession.

Der monatliche Index nach einer Befragung von rund 7000 Unternehmen fiel auf den schlechtesten Wert seit Februar 2010 zurück. Volkswirte hatten dagegen mit einem leichten Plus auf 102,5 Punkte gerechnet. "Die bremsenden Einflüsse auf die Konjunktur dominieren weiterhin", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Sowohl die aktuelle Situation wie auch die Aussichten für die nächsten sechs Monate schätzten die Firmen schlechter ein. "Die Lage ist weiter gut, klar über dem Durchschnitt. Der Ausblick verschlechtert sich aber, ist so schlecht wie seit Mai 2009 nicht mehr", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe im Reuters-Gespräch. An der Börse sorgte der schwache Ifo-Index für Verkäufe. Der Dax fiel um 0,7 Prozent auf unter 7400 Zähler.

Rezession im Herbst und Winter?

"Bedenklich stimmt aus unserer Sicht vor allem, dass sich die Geschäftserwartungen noch immer nicht stabilisieren konnten", sagte NordLB-Experte Mario Gruppe. DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle sprach von einer herben Enttäuschung. Die jüngsten Hilfsankündigungen der Notenbanken in den USA und Europa würden den Firmen nicht helfen. Sie kämpften weiter mit einer mauen Auftragslage. "Hierzu passen Meldungen von Unternehmen über Maßnahmen zur Kostenreduzierung oder über das Verschieben von Investitionen. Jüngstes Beispiel sind die Meldungen von Daimler oder Porsche ", sagte Scheuerle. Die Geschäftserwartungen deuteten zudem auf eine schrumpfende Wirtschaftsleistung hin, auch weil sich die positiven Impulse aus Wachstumsregionen abschwächten.

Widerspruch kommt von der Bundesbank. Wegen der robusten Industrieproduktion und des anhaltenden Baubooms rechnet sie nicht mit einer Rezession in Deutschland. Auch die Kauflaune der Verbraucher stütze die Wirtschaft. Ähnlich schätzt es Ifo-Experte Wohlrabe ein: Zwar habe die Konjunktur zuletzt an Dynamik verloren. "Der Konsum ist aber relativ robust gewesen, gut bei langlebigen Gütern, der Einzelhandel leicht erholt. Die Konsumenten haben nicht das Gefühl, dass die Krise sie persönlich trifft." Das liege an den hohen Lohnabschlüssen und dem noch guten Arbeitsmarkt. Letzterer schwäche sich aber ab. Die BayernLB rechnet fürs dritte Quartal mit Stagnation und - nach den guten ersten sechs Monaten - mit einem Wachstum von einem Prozent im Gesamtjahr 2012.

Sparmaßnahmen in Krisenländern treffen deutsche Industrie

Etwa die Hälfte der Antworten gingen beim Ifo-Institut vor dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ein, das den Weg für den ESM freimachte. Wohlrabe sagte, die Krisenländer hätten einen langen Weg vor und müssten noch viele Reformen umsetzen. Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel ergänzte, trotz verstärkter Hilfsmaßnahmen müsse in den hoch verschuldeten Ländern gespart werden. "Kürzungen bei Staatsausgaben und Löhnen führen notwendigerweise zu einem Rückgang des Wachstums." Das werde auch Deutschland treffen.

Unterschiedliche Signale gab es bei der Ifo-Umfrage aus den einzelnen Branchen: Besonders in der exportabhängigen Industrie kühlte sich das Klima deutlich ab, während sich im Groß- und Einzelhandel die Stimmung verbesserte, ebenso wie im Dienstleistungssektor. In der Baubranche hatten dagegen die Pessimisten Zulauf.

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