EZB-Direktor Coeure gegen weitere "spektakuläre Schritte"

EZB-Direktor Coeure gegen weitere "spektakuläre Schritte"

Der französische EZB-Direktor Benoit Coeure sieht aktuell keine Notwendigkeit für erneute geldpolitische Maßnahmen. Für den Fall anziehender Inflation müsse die Zentralbank allerdings in Alarmbereitschaft bleiben.

"Der Inflationsausblick ist konsistent mit unserem Zielwert. Deshalb sehe ich keine Notwendigkeit für spektakuläre Schritte, etwa für großangelegte Wertpapierkäufe, wie sie von der US-Notenbank getätigt werden", sagte der französische EZB-Direktor Benoit Coeure.

"Allerdings müssen wir in Alarmbereitschaft bleiben und bereit sein zu handeln, sollte dies nötig werden. Eine solche Notwendigkeit kann ich aber gegenwärtig nicht erkennen." Sollte die Teuerung wieder anziehen oder die Inflationsaussichten dies rechtfertigen, werde die EZB jedoch nicht zögern, die Zinsen wieder anzuheben, sagte Coeure am Montagabend beim Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW).

Die EZB hatte Anfang November den Leitzins auf 0,25 Prozent gekappt. Er steht damit so niedrig wie noch nie seit Einführung des Euro im Jahr 1999. Die Währungshüter hatten ihren Schritt mit einer zu geringen Teuerung begründet. Mit ihrer Zinssenkung wollten sie einen Sicherheitspuffer gegen einen Preisverfall auf breiter Front schaffen. Da Unternehmen und Haushalte in einem solchen Fall auf immer weiter fallende Preise spekulieren und Kaufentscheidungen verschieben, droht eine Abwärtsspirale der Konjunktur, die mit den Mitteln einer Zentralbank nur schwer bekämpft werden kann.

Coeure sagte nun, die Zinssenkung habe ihr Ziel erreicht - Deflationsgefahr bestehe nicht. "Wir haben noch nicht einmal die erste Stufe von Deflation in der Eurozone gesehen." Für Ökonomen beginnt eine Phase mit deflationärer Entwicklung dann, wenn immer mehr Unternehmen und Haushalte ihre Erwartungen an die künftige Preisentwicklung verändern und an eher fallende Preise auf breiter Front glauben. Zuletzt hatten Umfragen jedoch ergeben, dass die Wirtschaftsakteure in der Währungsunion auf mittlere Sicht mit einer Teuerung von knapp unter zwei Prozent rechnen. Auch die EZB-Ökonomen erwarten, dass sich die Teuerung im übernächsten Jahr wieder nahe dieses Zielwerts der Zentralbank einpendelt.

Die EZB hatte sich bei der letzten Zinsentscheidung in diesem Jahr vergangene Woche alle Optionen offengelassen: Denkbar sind beispielsweise Strafzinsen für Banken, die ihr Geld nicht weiterverleihen, sondern bei der Zentralbank parken. Auch neue milliardenschwere Liquiditätsspritzen für die Banken wie auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise Ende 2011 und Anfang 2012 gelten als eine Option. Damals hatten die Banken in der Eurozone bei der EZB gut eine Billion Euro abgerufen. Ein erklecklicher Teil des Geldes hatte zum Missfallen der EZB jedoch nicht den Weg in die Realwirtschaft gefunden, sondern war bei den Instituten hängen geblieben. Dies müsse sich bei einer Neuauflage ändern, sagte Coeure: "Wenn wir noch einmal Geld bereitstellen, dann wollen wir, dass das einen Zweck hat. Das Geld muss in der Wirtschaft ankommen."

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