EZB-Banken-Check: Chefvolkswirt Stark Erwartet riesige Kapitallücken

EZB-Banken-Check: Chefvolkswirt Stark Erwartet riesige Kapitallücken

Bankencheck der EZB kommt um Jahre zu spät. Chefökonom Jürgen Stark: "Ich hoffe, dass die Kapitallücke im zweistelligen Milliardenbereich bleibt."

Der frühere EZB-Chefökonom Jürgen Stark erwartet, dass der angelaufene Gesundheits-Check der Banken in der Europäischen Währungsunion große Kapitallücken der Institute offenlegen wird. "Ich hoffe, dass es im zweistelligen Milliardenbereich bleibt", sagte der deutsche Ex-Finanzstaatssekretär und -Bundesbanker am Dienstag in Mainz. Es sei zwar sinnvoll, dass die EZB vor der Übernahme der Aufsicht über die Institute im November 2014 die Geldhäuser umfassend prüfe, um sich als neuer Aufseher keine Altlasten einzuhandeln. Allerdings komme der Check zu spät. "Wir hätten das in Europa vor fünf Jahren machen sollen nach dem Kollaps von Lehman Brothers."

Stark war im Herbst 2011 aus Protest gegen die Geldpolitik der EZB zurückgetreten. Auch eine Übernahme der Bankenaufsicht durch die Notenbank sieht er kritisch, da Interessenskonflikte zwischen der Geldpolitik und der Aufsicht unter einem Dach quasi vorprogrammiert seien. "Sollte es dann am Ende doch dazu kommen - und das wird eines Tages passieren - dass die EZB in Rechte Dritter eingreifen muss, dann führt das zu großen Reputations- und auch Rechtsrisiken für die EZB." Zudem sei der Zeitraum zum Aufbau der Aufsicht viel zu kurz: "Das ist schon auf Kante genäht. Ich hätte mir eher gewünscht, dass man sich mehr Zeit lässt."

Die EZB beginnt in diesen Tagen mit einer dreistufigen Überprüfung der 128 größten Banken der Währungsunion - bestehend aus einer Risikoanalyse, einer Prüfung der Werthaltigkeit von ausgewählten Portfolios der Bankbilanzen und einem Stresstest. Bei diesem müssen die Institute unter Beweis stellen, dass sie auch eine massiven Konjunktureinbruch oder das Platzen einer Spekulationsblase am Immobilienmarkt überleben würden. Die EZB-Aufsicht ist Teil einer umfassenden Bankenunion, deren zweiter und dritter Teil, ein einheitlicher Abwicklungsmechanismus für marode Institute und eine gemeinsame Einlagensicherung. Bei der Bankenabwicklung wird eine politische Einigung bis Jahresende erwartet.

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