Euro-Zone wieder im Visier der Ratingagenturen: Standard & Poor's stuft Frankreich herab

Euro-Zone wieder im Visier der Ratingagenturen: Standard & Poor's stuft Frankreich herab

Frankreich gerät in der Euro-Schuldenkrise zunehmend unter Druck. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) griff die Wirtschaftspolitik von Präsident Francois Hollande scharf an und stufte die Bonität des Landes erneut herunter.

Die eingeleiteten Reformen seien nicht ausreichend, um mittelfristig für deutlich mehr Wachstum in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone zu sorgen, erklärte die an den Finanzmärkten sehr einflussreiche Agentur am Freitag. Die hohe Arbeitslosenquote von elf Prozent schwäche den Willen für umfassendere Reformen.

Frankreich wies die Kritik umgehend zurück. Hollande sagte, seine Regierung werde sparen, ohne jedoch den Sozialstaat zu gefährden. Finanzminister Pierre Moscovici wurde deutlicher: "Während der vergangenen 18 Monate hat die Regierung weitreichende Reformen eingeleitet, die die Wirtschaftslage Frankreichs verbessern, die Staatsfinanzen in Ordnung und die Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen sollen." S&P unterschätze die Fähigkeit des Landes, sich zu wandeln und wieder aufzurichten. Auch die Bundesregierung sprang der französischen Regierung bei.

Frankreich hat in den vergangenen Jahren wirtschaftlich den Anschluss an Deutschland verloren. Unter anderem der starre Arbeitsmarkt und das frühe Renteneintrittsalter werden immer wieder als Gründe dafür genannt. Die Regierung in Paris rechnet dieses Jahr nur mit einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent. 2014 sollen es dann 0,9 Prozent sein - deutlich weniger als zuvor prognostiziert und in etwa nur halb soviel wie in Deutschland erwartet wird. Immerhin hatte die französische Wirtschaft im Sommer die Rezession hinter sich gelassen und war überraschend stark um 0,5 Prozent gewachsen. Das war das stärkste Plus seit dem Amtsantritt von Hollande im Frühjahr 2012. Vor allem der private Konsum war dabei die Stütze.

Aktien in Paris unter Druck

S&P senkte die Bonitätsnote um eine Stufe auf "AA". Das ist die drittbeste Bewertung bei der Agentur. Die Note steht noch immer für eine sehr gute Kreditwürdigkeit. Deutschland hat weiterhin die Bestnote "AAA" inne. Auch die anderen Agenturen Moody's und Fitch haben Frankreich schon die Spitzen-Bewertung entzogen. S&P geht nun noch einen Schritt weiter. Allerdings ist der Ausblick für die neue Note "stabil", dürfte sich also vorerst nicht weiter verschlechtern.

Der Aktienmarkt in Paris verlor knapp ein Prozent an Wert - mehr als es an anderen Börsen bergab ging. Dagegen zogen am Rentenmarkt die Renditen für zehnjährige französische Anleihen leicht an. Philippe Waechter, Analyst bei Natixis Asset Management, sagte, es entstehe der Eindruck, dass die Regierung nicht genug tue. Hollande ist in den Meinungsumfragen abgestürzt. Deswegen wird am Kapitalmarkt befürchtet, dass der Sozialist unpopuläre Veränderungen nicht durchsetzen kann.

S&P kritisierte vor allem, dass die Maßnahmen in der Steuerpolitik und am Arbeitsmarkt nicht weit genug gingen. Auch Brüssel hatte Frankreich zuletzt kritisiert: "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet die Europäische Kommission. Das dürfte wiederum den Konsum bremsen.

In Berlin sprach die Bundesregierung der französischen Regierung ausdrücklich das Vertrauen aus. "Deutschland und Frankreich arbeiten gemeinsam dafür, dass in Europa die richtigen Lehren aus der Krise gezogen werden", betonte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Beide stehen für das Konzept einer wachstumsfreundlichen Haushaltskonsolidierung."

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