Euro-Rettungsschirm: Ist Malta der nächste Kandidat?

Euro-Rettungsschirm: Ist Malta der nächste Kandidat?

Die Rettung Zyperns hat die Euro-Zone wochenlang in Atem gehalten. Mit zehn Milliarden Euro musste die Mittelmeer-Insel vor dem Kollaps bewahrt werden. Seitdem wird darüber spekuliert, welches krisengeplagte Euro-Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen muss.

In diesem Zusammenhang wird oft Slowenien als potentieller Kandidat erwähnt, aber auch Malta ist laut Experten ein heißer Kandidat. Die kleine Insel weist einige Parallelen zu Zypern auf. Experten betonen aber auch die Unterschiede. Es folgt ein Überblick über die wichtigsten Argumente:

Was gegen Malta spricht

Beide Inselstaaten, die seit 2004 der EU angehören, haben einen überdimensionierten Finanzsektor, was Zypern letztlich zum Verhängnis wurde. Das Bilanz-Volumen in Malta summiert sich auf das Achtfache der Wirtschaftskraft - in etwa das gleiche Niveau wie in Zypern vor der Rettung und deutlich über dem europäischen Schnitt. Damit ist das Land sehr anfällig: Probleme in der Finanzbranche können schnell zu Krisen der gesamten Wirtschaft und des Staates werden.

Analysten zufolge könnte ein Vertrauensverlust rasch dazu führen, dass Investoren ihre Gelder abziehen. "Das würde signifikant negative Effekte auf die Wirtschaft haben", sagt Fondsmanager Myles Bradshaw von der Allianz-Tochter Pimco. Die Banken hätten dann mit faulen Krediten zu kämpfen. Eine schwere Rezession könnte Malta zwingen, externe Hilfe anzunehmen.

Was für Malta spricht

Andere Experten betonen eher die Unterschiede. "Das Geschäftsmodell des Finanzsektors in Malta ist nicht zwielichtig und kontrovers wie in Zypern", sagt Ökonom Carsten Brzeski von der Großbank ING. Zypern wurde vielfach vorgeworfen, mit hohen Zinsen und laschen Kontrollen im großen Stil dubiose Gelder aus dem Ausland angelockt zu haben. Die Regirung hat die Anschuldigungen stets bestritten. Trotzdem waren die beiden dominierenden Banken Zyperns stark von Einlagen aus Russland abhängig und haben sich zudem im Ausland mit Investments in griechische Staatsanleihen die Finger verbrannt.

In Malta dominieren dagegen Töchter ausländischer Banken den Markt. Sie wären im Problemfall in der Pflicht und gelten als viel stärker als die zyprischen Institute. Die Geldhäuser Maltas sind zudem deutlich profitabler und mit dickeren Kapitalpolstern ausgestattet. Ihre Einlagen speisen sich überwiegend aus dem Inland, sie verleihen ihr Geld auch dort und scheuen Anlagen im Ausland. "Malta, Irland, Luxemburg sind nicht vergleichbar mit Zypern", sagt daher auch EZB-Direktor Jörg Asmussen. Auch die Rating-Agentur Fitch betont, Malta könne eine Krise viel besser durchstehen.

Außerdem sind die Wirtschaftsdaten viel besser. Die EU-Kommission sagt der kleinen Insel mit ihren 450.000 Einwohnern voraus, dass sich das Wachstum dieses und nächstes Jahr beschleunigt. Eine stärkere Nachfrage daheim sowie anziehende Exporte sollten dazu beitragen. In zwei der drei vergangenen Quartale ist die Wirtschaft Maltas gewachsen, zum Teil sehr kräftig im Vergleich mit anderen EU-Ländern. Die Arbeitslosenquote liegt mit 6,4 Prozent weit unter dem europäischen Schnitt, die gesamte Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftskraft mit 72 Prozent ebenso. Alle Zypern-Werte vor der Krise des Landes waren viel schlechter. Jetzt sieht es noch schlechter aus: 2013 dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 8,7 Prozent so stark einbrechen wie in keinem anderen Euro-Land.

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