"Es ist nun klar: Der Euro hält"

"Es ist nun klar: Der Euro hält"

FORMAT: Herr Otte, wird dieser Jahreswechsel wirtschaftlich betrachtet entspannter als jener von 2011 auf 2012?

Max Otte: Gegenüber dem Vorjahr hat die Unsicherheit abgenommen, die Stimmung ist nicht so dramatisch. Das hängt damit zusammen, dass man sich irgendwann genug geängstigt hat. In Europa findet bei einigen Baustellen der Krise tatsächlich eine Entspannung statt, wenn auch die Maßnahmen ineffektiv waren und teure Folgen haben. Für die Weltwirtschaft sieht es vielleicht sogar bedenklicher aus als Ende 2011.

Wo sehen Sie hier die Risiken?

Otte: Wir sehen Rückgänge in China, wo die Investitionskonjunktur stark rückläufig ist. Die USA geben ein gemischtes Bild ab, sind makroökonomisch noch am Boden, aber es gibt eine leichte Bewegung am Häusermarkt und Programme im Energiesektor, die Hoffnung bringen.

Inwiefern steht Europa besser da?

Otte: Die Situation ist nach wie vor unsicher. Jetzt haben sie die Finanzkrise einigermaßen im Griff, dafür aber kein Wachstum. Aber die europäische Wirtschaft läuft nicht so schlecht. Hätten wir nicht den falsch konstruierten Euro, gäbe es wenig Grund zur Sorge. Wir sehen, dass die Aktienmärkte wieder Fuß fasssen. Selbst in Griechenland, wo etwa die griechische Telekom noch im August bei nur einem Euro notierte und jetzt bei über vier Euro steht.

Hält die Währungsunion?

Otte: Wir haben den Euro "gerettet“, aber anders als zuvor geben darin jetzt die schlechtesten Volkswirtschaften den Ton an. Nachdem die Zentralbank nun Anleihen kaufen kann, ist sie nicht mehr unabhängig, es wird nun fleißig füreinander gehaftet. Das war anders geplant. Die Bürger der Nord- und der Südländer tragen gemeinsam die Lasten, weil die Finanzinvestoren und Oligarchen so von ihren Risiken freigestellt werden.

Sie fordern weitere Schuldenschnitte?

Otte: Wir müssen die Gläubiger am Schuldenabbau beteiligen, denn sonst geht das schleichend zu Lasten der Bürger über die Inflation. Ich glaube, Griechenland, Spanien und Portugal müssten den Euro verlassen, aber das ist wohl unwahrscheinlich.

Wie kann mehr Wachstum entstehen?

Otte: Momentan agiert die Politik in Europa schizophren. Auf der einen Seite wird Geld gedruckt, auf der anderen Seite steigen Staaten bei Ausgaben auf die Bremse. Dennoch könnte es in Europa positive Überraschungen geben, da nun klar ist, dass der Euro hält. Auch aus den USA können Impulse kommen.

Wo sehen Sie hingegen Risiken für 2013?

Otte: Natürlich kann die Krise in Europa noch einmal aufbrechen, kann es Spekulationswellen geben. Doch wahrscheinlich ist das nicht mehr, es war ohnehin vieles Panikmache. Ich sehe eher reale Risiken wie das langsamere Wachstum in China.

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