"Es klaffen breite Bruchstellen unter der Oberfläche der Eurozone"

"Es klaffen breite Bruchstellen unter der Oberfläche der Eurozone"

Die EU-Spitze, die sich heute in Oslo versammelt, um den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen, schickte sich eben an, einen Tagesordnungspunkt auf ihrer Agenda abzuhaken, denn Griechenland hat seinen Schuldenrückkauf trotz Verlängerung bis Dienstag parktisch beendet. Da kündete Montis Amtsvorgänger Silvio Berlusconi an, er werde den Nachfolger stürzen und mit einer Deutschland-skeptischen Antisparhaltung in den Wahlkampf ziehen.

Erstmals seit fast einem Monat stiegen in der vergangenen Woche die Renditen zehnjähriger italienischer Staatsanleihen. Am Samstag kündigte Monti seinen Rücktritt an, nachdem Berlusconi und seine Verbündeten ihm die Unterstützung im Parlament entzogen hatten.

“Es klaffen breite Bruchstellen unter der Oberfläche der Eurozone”, sagte Georg Grodzki, Leiter Kredit-Analyse bei Legal & General Investment Management in London. “Die Investoren werden die Lippenbewegungen der italienischen Politiker sehr, sehr genau mitlesen.”

Anspannung steigt

An den Anleihemärkten weicht die relative Ruhe, die der oberste europäische Währungshüter Mario Draghi im Juli verbreitete, langsam wieder einer Anspannung. Damals hatte Draghi angekündigt, er werde alles tun, um den Euro zu retten.

Die Staats- und Regierungschefs der EU werden am Donnerstag und Freitag dieser Woche die Errichtung einer einheitlichen Bankenaufsicht erörtern. Auch um verstärkte Interventionsrechte der Gemeinschaft in nationale Haushalte wird es gehen. Bereits am Mittwoch werden die Finanzminister tagen.

Ohne Monti könnte die Konsensfindung schwieriger werden. Er war es, der bei einem Gipfeltreffen im Juni den Widerstand Deutschlands überwand und den Weg für eine gemeinsame Erklärung ebnete, der zufolge die Gemeinschaft Mitgliedsstaaten in Finanznot helfen wird. Berlusconi erklärte am vergangenen Samstag, er wolle bei der Wahl im kommenden Jahr wieder für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren. Gleichzeitig kritisierte er Montis “Deutschland-zentrierte” Politik.

“Die italienischen Wahlen des Jahres 2012 stehen weit oben auf unserer Liste der Risiken”, formulierte Holger Schmieding, Chefökonom bei der Berenberg Bank in London am Wochenende. “Ein Berlusconi-Wahlkampf gegen einen ‘deutschen Sparkurs’ hätte das Potenzial, die Märkte zu verunsichern.”

Spaltpilz Berlusconi

Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano scheiterte beim Versuch, zwischen Berlusconi und der Regierung zu vermitteln. Monti sagte dem Staatsoberhaupt, er werde versuchen, vor seinem endgültigen Abgang im Parlament für den Staatshaushalt 2013 eine Mehrheit zu finden.

“Wir sollten wohl mit einem Ausverkauf italienischer Vermögenswerte rechnen,” schrieb Erik Nielsen, Chefvolkswirt weltweit bei UniCredit SpA in London, in einer Kundennotiz am Sonntag. Der Wahlkampf “wird vermutlich für ein paar Monate die Volatilität anheizen. Aber darüber hinaus mache ich mir keine großen Sorgen über die Entwicklung der Politik in Italien.”

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