Erdogan: "Ich sage es klar: Räumt den Taksim."

Erdogan: "Ich sage es klar: Räumt den Taksim."

Nach mehreren ruhigen Tagen ging die Polizei in der Türkei wieder mit voller Härte gegen zehntausende Demonstranten rund um den Taksim-Platz und den Gezi-Park vor. Es hat erneut Verletzte gegeben. Sie werden von Demonstranten und Passanten versorgt.

Ab 19.30 Ortszeit (18.30 MESZ) begann die Polizei damit, das Gelände rund um den Platz abzuriegeln. Es kam zu tumultartigen Szenen und zu Panik. Die Demonstranten reagierten mıt eıner unglaublichen Mobilisierung. Überall hörte man Menschen ihre Freunde anrufen und sagen: ''Kommt sofort her, wir brauchen euch, es geht los''. Eine Schlange von rund 100 Motorrädern fuhr als Reaktion auf die verstärkte Polizeipräsenz lautstark hupend mehrfach das Gelände ab. Dıe Passanten klatschten. Schutzhelme, Masken und dergleichen fanden reißenden Absatz

Die Polizei drängte die Demonstranten unnachgiebig zurück, überall roch es nach Tränengas. Einige Demonstranten lieferten sich gegen 20.15 Uhr die ersten Duelle mit den Polizisten. Gegen 20.30 Ortszeit brachte die Polizei dann ihre Wasserwerfer ın Stellung. Um den umstrittenen Gezi-Park bildeten sıch Menschenschlangen. Die Demonstranten hielten sich an den Händen und skandierten ''Es ist unser Park, es ist unsere Freiheit, wir bleiben hier und kämpfen dafür.'' Die Polizisten räumten den Park am Samstagabend vollständig.

Recep Tayyip Erdogan, der Regierungschef der Türkei, hatte den Demonstranten auf dem Istanbuler Taksim-Platz und im besetzten Gezi-Park erst kurz zuvor erneut ein Ultimatum gesetzt. Allerdings sagte er zu diesem Zeitpunkt, sollten die Demonstranten auf dem Taksim-Platz und im Gezi-Park nicht bis Sonntag abziehen, werde er einen Polizeieinsatz anordnen.

"Ich sage es klar: Räumt den Taksim. Wenn er nicht geräumt ist, werden die Sicherheitskräfte dieses Landes wissen, wie er zu evakuieren ist", betonte der Regierungschef am Samstag vor zehntausenden Anhängern, die sich vor den Toren Ankaras versammelt hatten. Die AKP plant auch für Sonntagnachmittag eine Demonstration in Istanbul.

Die Besetzer des Gezi-Parks und des nahegelegenen Taksim-Platzes hatten zuvor eine Fortsetzung ihrer Proteste angekündigt. Grund sei unter anderem, dass festgenommene Demonstranten bisher nicht freigelassen worden seien. Zudem komme die Regierung der Forderung nach personellen Konsequenzen bei der Polizei, die mit großer Härte gegen die Proteste vorgegangen war, nicht nach.

Vertreter des Bündnisses hatten sich am Donnerstagabend mit Erdogan in dessen Residenz in der Hauptstadt Ankara getroffen. Anschließend erklärte die Regierung, das vorläufig gestoppte Bauprojekt im Gezi-Park bis zu einem Gerichtsurteil auszusetzen . Sollte die Justiz das Vorhaben für legal erklären, will die Regierung die Bürger Istanbuls in einer Volksabstimmung dazu befragen.

Erdogan-Anhänger feiern die "echte Türkei"

Am Samstag haben sich zehntausende Anhänger von Erdogan vor den Toren Ankaras versammelt. Gegen die angeblichen "Extremisten" vom Istanbuler Taksim-Platz feierten die Mitglieder der konservativ-islamischen Partei AKP im Zentrum des Vororts Sincan die "echte Türkei", als deren Anwalt sich Erdogan darstellt. "Wir werden nicht zulassen, dass unser Ministerpräsident Opfer einer Verschwörung in der Türkei und aus dem Ausland wird", sagte der 32-jährige Erdogan-Anhänger Ekrem Cakir.

Mit hunderten von der AKP gemieteten Bussen wurden die Parteimitglieder nach Sincan gebracht. Die Wahlkampfveranstaltung vor der Kommunalwahl im kommenden Jahr sollte den bedrängten Regierungschef wieder in die Offensive bringen. "Das letzte Wort kehrt zu unserem geschätzten Volk zurück, und nicht zu den Randalierern", hieß es mit Blick auf die Ausschreitungen in Istanbul auf einem Plakat. "Jetzt sieht die Welt die Wahrheit" stand auf Englisch auf einem anderen Plakat, eine offenkundige Botschaft an ausländische Medien.

Trotz der Massenproteste gegen die Bebauung des Gezi-Parks und den autoritären Führungsstil Erdogans, ist Erdogan in der Türkei weiterhin der beliebteste Politiker. Er hat seine Anhänger zu Kundgebungen aufgerufen, um das Bild des angeschlagenen Ministerpräsidenten zu korrigieren.

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