Elbe-Flut: Norden von Deutschland wird zum Katastrophengebiet

Elbe-Flut: Norden von Deutschland wird zum Katastrophengebiet

Die Flutwelle der Elbe bewegt sich weiter Richtung Nord-Deutschland und bricht dabei immer neue Hochwasser-Rekorde. In Magdeburg stieg der Pegelstand auf die historische Höchstmarke von 7,46 Metern.

Montagfrüh entspannte sich die Lage in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt minimal, die Pegel zeigten 7,24 Meter an. Im Landkreis Stendal brach allerdings ein Deich. Mehr als 1000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Ein in Magdeburg von den Wassermassen bedrohtes Umspannwerk, das 30.000 Haushalte mit Energie versorgte, konnte für sicher erklärt werden.

Im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt brach gegen Mitternacht ein Deich auf einer Länge von rund 50 Metern. Nach Angaben des Krisenstabs mussten mehr als 1.400 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Die Lage war in der Nacht jedoch teils unübersichtlich.

Unterdessen stiegen die Pegelstände der Elbe auch in Brandenburg unaufhörlich. In Wittenberge erreichte der Fluss am Sonntagnachmittag einen historischen Höchststand von 7,85 Metern. Für heute, Montag, wurde ein Wasserstand von acht Metern erwartet, bis Dienstag sollen es 8,20 Meter sein - so viel wie nie zuvor. 2002 bei der Jahrhundertflut wurde am Pegel in Wittenberge ein Wert von 7,34 erreicht.

In Brandenburg spitzt sich die Lage wegen des Deichbruchs zu. Montagfrüh sollten rund 450 Feuerwehrleute und Soldaten der Bundeswehr damit beginnen, in Nähe der Landesgrenze einen Notdeich zu errichten. Damit soll verhindert werden, dass die Wassermassen in die Havel fließen können. "Da werden wir in der Früh alle Kräfte reinwerfen müssen", sagte ein Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement. Menschen seien dort aber noch nicht gefährdet.

Niedersachsen erwartet den Hochwasser-Scheitel der Elbe ebenfalls noch. In Schnackenburg und Hitzacker wurden schon am Sonntag neue Rekordwerte erreicht. Die von Elbe und Jeetzel umflossene Altstadtinsel von Hitzacker wurde bis Sonntagabend evakuiert, rund 280 Anrainer verließen ihre Wohnungen.

Auch in Schleswig-Holstein bereiteten sich die Menschen auf den Scheitelpunkt des Elbe-Hochwassers vor. Bis Montagfrüh sollte die hochwassergefährdete Unterstadt von Lauenburg geräumt werden. Nach offiziellen Angaben hatten bereits am Sonntag viele der rund 400 betroffenen Einwohner das Gebiet verlassen.

Rekorde über Rekorde

Die Behörden haben den erwarteten Höchststand am Sonntag noch einmal um fünf Zentimeter nach oben korrigiert. Am Donnerstag soll der Pegel in Hohnstorf (Landkreis Lüneburg) auf der anderen Elbeseite von Lauenburg bei 10,15 Meter stehen. Höchster jemals gemessener Wasserstand in Hohnstorf waren 9,88 Meter.

Ein Deichbruch bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt hatte Montagfrüh den Fernbahnverkehr auf den ICE-Hauptstrecken zwischen Frankfurt und Berlin sowie zwischen Hannover und Berlin auf unbestimmte Zeit lahmgelegt. Wegen des Hochwassers und Gefahr für die Brückenpfeiler wurde die Eisenbahn-Elbebrücke in Hämerten gesperrt, teilte die Deutsche Bahn mit.

Starke Gewitter in Bayern

Heftige Regenfälle und Sturmböen haben am Sonntagabend in weiten Teilen Bayerns zu überfluteten Straßen, umgestürzten Bäumen und voll gelaufenen Kellern geführt. Wie die Polizei in Straubing mitteilte, mussten die Beamten in Niederbayern bis zum späten Abend zu rund 45 Einsätzen ausrücken.

Besonders betroffen war dabei die Region Vilshofen. Die Bundesstraße 8 in Richtung Passau musste zeitweise wegen Überflutungen und Erdrutschen gesperrt werden. Auch die dazu parallel verlaufende Zugstrecke von Regensburg nach Passau war betroffen. Dort wurde Geröll auf die Gleise gespült.

Ostdeutschland bleibt in der Rezession stecken

Die ostdeutsche Wirtschaft bleibt einer Prognose des IWH-Instituts wegen des Jahrhunderthochwassers in der Rezession stecken. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte von April bis Juni um 0,2 Prozent und damit das fünfte Quartal in Folge schrumpfen, wie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Montag voraussagte. "Ohne Dauerregen und Hochwasser würde es zu einer schwarzen Null reichen", sagte IWH-Experte Udo Ludwig zu Reuters. Die Naturkatastrophe beeinträchtige Landwirtschaft, Industrie und Baugewerbe, aber auch Handel, Gast- und Verkehrsgewerbe in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Der Wiederaufbau dürfte die Wirtschaft aber ab der zweiten Jahreshälfte zusätzliche Impulse geben und wieder wachsen lassen. "Viele Privatleute werden Geld ausgeben müssen, um ihren Hausrat zu ersetzen", sagte Ludwig. "Sie werden vor allem langlebige Güter wie Waschmaschinen und Kühlschränke kaufen, wie die Erfahrungen des Hochwassers von 2002 lehren." Außerdem werde der Wiederaufbau mit Hilfsgeldern unterstützt, was ebenfalls de Konjunktur stimulieren werde. Der Staat werde zudem in die Infrastruktur investieren.

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