Droht Slowenien ein Zypern-Schicksal?

Droht Slowenien ein Zypern-Schicksal?

Das Kabinett in Slowenien von Ministerpräsidentin Alenka Bratusek müsse rasch einen Plan zur Sanierung der in Schwierigkeiten geratenen Banken des Landes durchführen, forderte die Banka Slovenije am Montag.

Slowenien muss dieses Jahr rund 3 Mrd. Euro beschaffen und die Banken benötigen eine Milliarde Euro an frischem Kapital, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) vergangene Woche errechnete.

Die großen slowenischen Banken wie Nova Ljubljanska Banka kämpfen mit notleidenden Krediten, die inzwischen ein Fünftel des slowenischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen. Damit mehren sich die Sorgen der Investoren, dass Slowenien als nächstes Land um Hilfe ersuchen muss und auch in diesem Fall Spareinlagen gefährdet sein könnten.

“Wenn die Regierung mit der Umsetzung des Plans beginnt, wird sie schlussendlich einen Hilfsantrag an die EU vermeiden können”, sagt Lutz Röhmeyer, Fondsmanager bei Landesbank Berlin Investment. “Wenn sie sich nicht bewegen und nichts tun, denke ich, dass wir in ein paar Monaten die nächste Krise in Slowenien haben werden.”

Anleihenmarkt nervös

Die Spekulationen über Slowenien als den nächsten Rettungskandidaten in der Eurozone steigern den Druck auf die Staatsanleihen des Landes. Die Zinsen für zehnjährige Anleihen haben sich am Mittwoch der psychologisch kritischen Marke von sieben Prozent angenähert. Die Regierung versucht nach wie vor die Situation zu entspannen. "Es gibt keinen Grund zur Panik", betonte die neue Ministerpräsidentin Alenka Bratusek.

Die Zinsen für slowenische Anleihen mit einer Laufzeit bis 2021 sind am Mittwoch im Verlauf (Stand um 12.00 Uhr) auf dem Sekundärmarkt um 1,08 Prozentpunkte auf 6,93 Prozent gestiegen, geht aus den Daten der europäischen Anleihehandelsplattform MTS hervor.

Die Zusicherungen der Regierung, dass die Lage im österreichischen Nachbarland nicht mit jener im Zypern zu vergleichen sei und dass Slowenien die Krise aus eigener Kraft lösen könne, scheinen die internationalen Märkte bisher nicht beruhigt zu haben.

Sloweniens Regierungschefin zeigte sich am Mittwoch erneut "absolut überzeugt", dass das Land keine internationale Finanzhilfe brauchen werde. "Slowenien ist fähig, die Sache selbst in Ordnung zu bringen", sagte sie in der Fragestunde im Parlament. "Ein Vergleich mit Zypern ist vollkommen unnötig", wiederholte sie und versicherte, dass das slowenische Bankensystem stabil sei und die Einlagen sicher.

Für die neue Regierung habe die Sanierung und Stabilisierung der Banken die absolute Priorität, betonte Bratusek. Die von der Vorgangsregierung eingeleitete Sanierung mittels der Bad Bank werde wie geplant fortgesetzt, so die Ministerpräsidentin. Das Gesetz zur Bankenstabilisierung müsse jedoch in jene Richtung korrigiert werden, dass die Notenbank mehr Gewicht bekomme.

Zustand der Staatsfinanzen "schlecht"

Bratusek räumte ein, dass der Zustand der slowenischen Staatsfinanzen "schlecht" sei. Das für heuer geplante Budgetdefizit von 1 Mrd. Euro sei zu niedrig eingeschätzt worden und sei "irreal", betonte sie. Schließlich hatte die Vorgangsregierung bereits in den ersten zwei Monaten ein Defizit von 500 Mio. Euro geschaffen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt Slowenien für heuer einen Defizit von 1,5 Mrd. Euro voraus.

Der Schuldenstand ist im Vorjahr um sieben Prozentpunkte auf 54 Prozent gestiegen. Dabei habe die frühere Regierung ein Ende der Neuverschuldung versprochen, sagte Bratusek. "Doch wir werden nicht zurückschauen, wir müssen nach vorne schauen und die fiskale Konsolidierung fortsetzen", so Bratusek. Sie kündigte an, dass die Sparpolitik noch nicht zu Ende sei.

Anteil fauler Kredite: 20 Prozent steigend

Slowenische und ungarische Banken sind nach Einschätzung von Standard & Poor’s Ratings die am meisten gefährdeten in der Region. Analysten um Pierre Gautier in Paris bezifferten den Anteil fauler Kredite in einer am Montag veröffentlichten Studie auf 20 Prozent, wobei dieser Anteil laufend weiter steige.

Nova Ljubljanska, die größte Bank des Landes, hat für 2012 einen Verlust von 275 Mio. Euro berichtet und damit das vierte Jahr in Folge rote Zahlen geschrieben. Nova Kreditna Banka Maribor verzeichnete im vergangenen Jahr einen Verlust von 205 Mio. Euro. Die Aktie der Bank fiel auf den niedrigsten Stand seit ihrem Börsengang 2007, nachdem der Staat seinen Anteil über einen Tausch von Verbindlichkeiten gegen eine Beteiligung auf 79 Prozent ausgebaut hatte. In der vergangenen Woche büßten die Aktien mehr als 40 Prozent ihres Wertes ein.

Im vergangen Jahr benötigte Nova Ljubljanska 381 Mio. Euro an frischem Kapital, das Slowenien und staatliche Stellen bereitstellten. Der zweitgrößte Anteilseigner KBC Groep nahm an der Kapitalerhöhung nicht teil, da die Bank dafür keine Genehmigung der EU-Kommission erhielt.

Rezession und enorm rasch steigende Staatsverschuldung

Nachdem Slowenien über den größten Teil des vergangenen Jahrzehnts bei der wirtschaftlichen Entwicklung besser abgeschnitten hatte als die Eurozone, brachte die Schuldenkrise und die damit einhergehende schwächere Nachfrage das Land unter Druck. In den vergangenen vier Jahren verzeichnete die slowenische Wirtschaft zwei Rezessionen. Das BIP im vierten Quartal 2012 lag drei Prozent niedriger als im gleichen Quartal des Vorjahres.

Dazu kommt, dass mit der Finanzkrise die zuvor niedrige Staatsverschuldung zunahm. Nach Einschätzung von Timothy Ash, Chefvolkswirt Schwellenmärkte bei Standard Bank in London, wird die Staatsschuld von rund 30 Prozent des BIP im Jahr 2008 und aktuell 54 Prozent auf 60 Prozent in diesem und 70 Prozent im nächsten Jahr anschwellen.

Slowenien könne jedoch aufgrund der zuvor niedrigen Verschuldung auch ohne “drastische Maßnahmen” überleben, sagt Lazlo Belgrado, Fondsmanager bei KBC Asset Management in Luxemburg. Allerdings könnten Ansteckungseffekte durch eine Verschlimmerung der europäischen Krise das Land unter Marktdruck bringen, da seine Volkswirtschaft vergleichsweise klein sei, führt er aus. “Das Land ist nicht zu groß, um zu scheitern und hat einige der gleichen Probleme wie Zypern. Während des Booms vor der Lehman-Pleite war die Wirtschaft zu sehr fremdfinanziert. Und die Banken kämpfen jetzt mit einem großen Kreditproblem.”

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