"Die Vereinigten Staaten sind der große Satan"

"Die Vereinigten Staaten sind der große Satan"

Nasrallah zeigte sich am Montag bei einer Massenkundgebung gegen den in den USA produzierten Film in Beirut. Die Proteste seien keine "vorübergehende Bewegung", sondern "der Anfang einer ernstzunehmenden Mobilisierung" in der islamischen Welt.

Dies sagte Nasrallah vor Hunderttausenden jubelnder Anhänger im überwiegend schiitischen Süden der libanesischen Hauptstadt. Die Demonstranten skandierten: "Die Vereinigten Staaten sind der große Satan!" und "Israel ist der Feind des Islam". Die Hisbollah, die durch mehrere Minister in der libanesischen Regierung vertreten ist, wird vom Iran unterstützt. Sie ist die stärkste politische Kraft der Schiiten, der größten Bevölkerungsgruppe im Libanon, und durch ihr Bündnis mit der christlichen Gefolgschaft von Ex-Armeechef General Michel Aoun und weiteren Fraktionen ein Hauptakteur der libanesischen Innenpolitik. Die Hisbollah wird von den USA und Israel als Terrororganisation eingestuft, von der EU nicht.

"Die ganze Welt muss die Wut in euren Gesichtern, euren Fäusten und euren Schreien sehen", sagte Nasrallah. Den Film bezeichnete er am Sonntag als "den schlimmsten jemals gestarteten Angriff auf den Islam". Bei der Kundgebung am Montag rief er "alle unsere Völker und unsere Regierungen" dazu auf, die Weltgemeinschaft zu gesetzlichen Vorgaben gegen Gotteslästerung zu drängen.

Nasrallah hatte sich seit dem einmonatigen Sommerkrieg 2006 kaum noch in der Öffentlichkeit gezeigt. Die Hisbollah hatte die 34-tägige israelische Libanon-Offensive mit der Gefangennahme von zwei israelischen Soldaten provoziert und 4000 Raketen auf Nordisrael abgefeuert. Aus dem Konflikt mit mehr als 1200 libanesischen und 160 israelischen Toten ging sie politisch gestärkt hervor. Nach Einschätzung des israelischen Militärgeheimdienstes sind die Kapazitäten der Hisbollah inzwischen wesentlich stärker als vor der israelischen Offensive 2006.

Gewaltsame Proteste in zahlreichen Ländern

In zahlreichen Ländern kam es heute erneut zu gewaltsamen Protesten gegen das Schmähvideo. In der afghanischen Hauptstadt Kabul gingen Tausende Menschen wegen des aus den USA stammenden, amateurhaften Films auf die Straße und wünschten in Sprechchören den USA den Tod. Mehrere Autos standen in Flammen. Die Polizei sprach von 3000 bis 4000 Demonstranten. "Wir werden unseren Propheten verteidigen, bis wir Blut an unserem ganzen Körper haben", sagte ein Teilnehmer. "Die Amerikaner werden für diese Schande bezahlen." In der pakistanischen Metropole Karachi ging die Polizei mit Warnschüssen gegen etwa 100 Demonstranten nahe des US-Konsulats vor. Etwa 30 Studenten wurden nach Polizeiangaben festgenommen. Ministerpräsident Raja Pervez Ashraf ordnete die Sperrung von YouTube an, um eine Verbreitung des Videos zu verhindern.

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta protestierten Hunderte Demonstranten gegen den Film und verbrannten die US-Flagge vor der Botschaft des Landes. In Tunesien gelang es einem Anführer der radikal-islamischen Salafisten, sich der Festnahme zu entziehen. Er floh aus einer von Sicherheitskräften umstellten Moschee.

Das Schmähvideo über den Propheten Mohammed hatte in der vergangenen Woche eine Welle der Gewalt gegen westliche Einrichtungen in islamischen Staaten ausgelöst. US-Vertretungen wurden angegriffen. Im libyschen Bengasi wurde der Botschafter getötet. Am Freitag brannte ein wütender Mob die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum nieder.

Verbot des Videos in Deutschland diskutiert

Die deutsche Bundesregierung setzt unterdessen darauf, dass eine Vorführung des Mohammed-Schmähfilms in Deutschland aus Sicherheitsgründen verboten wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Montag in Berlin, die Behörden müssten juristisch prüfen, ob eine Aufführung des Films die öffentliche Sicherheit erheblich stören könne. "Ich kann mir vorstellen, dass es dafür gute Gründe gibt", sagte die CDU-Vorsitzende. Auch Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) äußerte die Erwartung, dass die Behörden ihre ordnungsrechtlichen Möglichkeiten ausschöpften, um gegen eine öffentliche Vorführung vorzugehen. Schließlich könne das Zeigen des Films als Provokation empfunden werden.

Die rechtsextreme "Bürgerbewegung pro Deutschland" hatte angekündigt, das Video in einem Kino in Berlin zu zeigen. Das löste einen heftigen Streit darüber aus, ob die Vorführung verboten werden soll oder ob der Film durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist.

"Es geht um die Frage der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Deutschland, aber auch um die Frage der guten internationalen Beziehungen auch in der arabischen Welt", sagte Innenminister Friedrich in Bonn. Der CSU-Politiker betonte ebenso wie die Kanzlerin, dass es nicht um ein generelles Verbot des Films gehe, sondern allein um das Verhindern einer öffentlichen Vorführung etwa in der Bundeshauptstadt.

CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach plädierte im Bayerischen Rundfunk für ein generelles Verbot und warf "Pro Deutschland" geistige Brandstiftung vor. Das Video habe eine völlig andere Qualität als die Mohammed-Karikaturen, die sich kritisch mit religiösem Fanatismus auseinandergesetzt hätten. Eine dänische Zeitung hatte die Karikaturen 2005 veröffentlicht, daraufhin war es in zahlreichen moslemischen Ländern zu Unruhen gekommen.

Rechtsextreme "Bürgerbewegung pro Deutschland" findet kein Kino

Die rechtsextreme "Bürgerbewegung pro Deutschland" hat nach eigenen Angaben noch kein Kino gefunden, das den Mohammed-Film zeigen will. Im Zweifel werde man sich um einen anderen Veranstaltungsort bemühen, sagte der Vorsitzende Manfred Rouhs Reuters TV. "Der Film testet Schmerzgrenzen aus, das stelle ich nicht infrage, aber ich bin der Auffassung, dass für einen Islam, der angeblich zu Deutschland gehören soll, keine anderen Maßstäbe gelten können als für andere Religionen", erklärte er.

Das Video

Das von Privatleuten in den USA gedrehte Schmäh-Video "Unschuld der Muslime" ("Innocence of Muslims") stellt den islamischen Propheten Mohammed als vertrottelten, lüsternen Bösewicht dar.

Über Mohammed wird in dem Film gesagt, er sei schwul und ein Kinderschänder. Zudem stellt der Religionsstifter zahlreichen Frauen nach. Er lebt in einem Zelt, isst wie ein Barbar und stachelt seine Anhänger zu Bluttaten gegen Andersgläubige auf.

Von seiner ersten Ehefrau Chadidscha (Khadija) lässt sich der Film-Mohammed wie ein kleiner Bengel herumkommandieren. Sie sagte zu ihm beispielsweise: "Du hast keine Unterwäsche an, bedecke deine Blöße!"

Außerdem gibt es eine Sequenz, in der militante Islamisten im heutigen Ägypten ein von Christen betriebenes Krankenhaus angreifen und zerstören. Die Polizei sieht untätig zu.

Der Film ist offensichtlich als Provokation gemeint. Er ist dümmlich, ohne lustig zu sein. So sagt der Prophet beispielsweise über einen Esel: "Dies soll das erste muslimische Tier sein." Auch filmtechnisch wirkt das Video äußerst unprofessionell gemacht.

Für strenggläubige Muslime ist jeder Film anstößig, der den Propheten Mohammed als Person zeigt, weil dies nach ihrer Glaubensauffassung verboten ist. Mohammed gilt Muslimen als ein Vorbild, dem man in seiner Lebensführung nacheifern sollte.

Die Darsteller und Mitwirkenden an dem Film haben sich von dem Film distanziert und erklärt, sie seien hintergangen worden. Sie seien für ein angebliches Kriegsdrama namens "Desert Warrior" (Wüstenkrieger) angeheuert und die Dialoge nachsynchronisiert worden.

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