"Die US-Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie einst war"

"Die US-Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie einst war"

Laut Schätzungen von JPMorgan ist die langfristige Potenzialwachstumsrate der USA auf 1,75 Prozent jährlich gesunken – das wäre das niedrigste Niveau seit dem Zweiten Weltkrieg. Eine geringere Potenzialwachstumsrate – das höchste Tempo, mit dem die Wirtschaft wachsen kann, ohne die Inflation anzuheizen – bedeutet, dass die Fed rascher die Zinsen anheben müsste, wenn die Konjunktur anzieht. Auch würde es die Fähigkeit von Unternehmen begrenzen, die Gewinne zu steigern, und von Arbeitnehmern, Lohnzuwächse zu erlangen. Und das Defizit ließe sich auch schwerer reduzieren.

Eine langfristige Potenzialwachstumsrate der USA von 1,75 Prozent jährlich wäre das niedrigste Niveau seit dem Zweiten Weltkrieg und unter der Marke von zwei Prozent, die der Vermögensverwalter Pimco als neue Normalität für die Wirtschaft ansieht.

Die "US-Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie einst war", sagt Michael Feroli, Chef-US-Ökonom bei JPMorgan in New York. Die sinkenden Produktivitätszuwächse und ein schwächerer Anstieg der Erwerbsbevölkerung "sollten das durchschnittliche US-Wachstum" langfristig begrenzen.

Die Ökonomen und Zentralbanker, die derzeit an der Jahrestagung der Federal Reserve in Jackson Hole, Wyoming, teilnehmen, sind sich der Implikationen bewusst: Eine geringere Potenzialwachstumsrate – das höchste Tempo, mit dem die Wirtschaft wachsen kann, ohne die Inflation anzuheizen – bedeutet, dass die Fed rascher an der Zinsschraube drehen müsste, wenn die Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt. Ein schwächeres Wachstum würde zudem die Fähigkeit von Unternehmen begrenzen, den Gewinn zu steigern, und von Arbeitnehmern, Lohnzuwächse zu erlangen. Auch dürfte es schwieriger werden, das Haushaltsdefizit zu senken.

"Es ist schwer, optimistisch zu sein", erklärt Edmund Phelps, Professor an der Columbia University in New York und Gewinner des Nobel-Preises für Wirtschaftswissenschaften im Jahr 2006. "Es gibt weniger Innovation und weniger Stimulierung."

Der Fed-Vorsitzende Ben S. Bernanke sagte im November, dass die Finanzkrise und ihre Nachwirkungen wahrscheinlich die "Potenzialwachstumsrate reduziert" haben, da entmutigte Arbeitnehmer aus der Erwerbsbevölkerung herausgefallen seien und Unternehmen sich mit Investments zurückgehalten haben.

Bernanke: Hoffnung stirbt zuletzt

Er äußerte jedoch die Hoffnung, dass diese Wachstumsbeeinträchtigungen nicht lange anhalten werden. "Die Auswirkungen der Krise auf das Potenzialwachstum dürften nachlassen, wenn sich die Wirtschaft weiter regeneriert", sagte Bernanke, der an der Tagung in Jackson Hole nicht teilnimmt, in einer Rede in New York am 20. November.

Lawrence Summers, den Präsident Barack Obama als einen Kandidaten für die Nachfolge von Bernanke genannt hat, sagte auf einer Konferenz von Drobny Global Advisors im April, er rechne damit, dass die Wirtschaft in den kommenden 18 Monaten an Fahrt gewinne. Wenn das jedoch nicht eintrete, würde es signalisieren, dass das Potenzialwachstum niedriger ist und mehr der unterdurchschnittlichen Entwicklung der vergangenen Jahre entspreche, so Summers laut einem Redemanuskript.

Seit Ende der Rezession im Juni 2009 sind die USA mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 2,2 Prozent gewachsen. Im zweiten Quartal stieg das BIP einer vorläufigen Schätzung des Handelsministeriums zufolge um 1,7 Prozent.

Die Fed sieht die längerfristige Wachstumsrate der Wirtschaft zwischen 2 und 3 Prozent, wie aus am 19. Juni veröffentlichten Daten der Notenbank hervorgeht. Die Schätzung für die Zentraltendenz, bei der die drei höchsten und drei niedrigsten Schätzungen der 19 geldpolitischen Entscheider ausgenommen werden, belief sich auf 2,3 bis 2,5 Prozent.

Ein Rückgang in der Konjunkturdynamik schließt nicht aus, dass die Wirtschaft eine zeitlang schneller wächst. Aber es würde bedeuten, dass die durchschnittliche Wachstumsrate über einen längeren Zeitraum nicht die Potenzialrate übersteigen kann - die Summe aus dem Wachstum der Erwerbsbevölkerung und der Arbeitsproduktivität. Und bei beiden Größen sieht Feroli Schwächen.

Babyboomer gehen in Rente

Er rechnet in den nächsten fünf Jahren mit einer schwächeren Expansion der Erwerbsbevölkerung, da die in die Jahre gekommenen Babyboomer in Rente gehen und strengere Grenzkontrollen die Einwanderung beschränken. Auch argumentiert er, das sich nicht nur der Fortschritt in der Informationstechnologie verlangsamt habe, sondern die Unternehmen auch weniger für IT sowie Forschung und Entwicklung ausgeben als in der Vergangenheit.

Ähnlich wie Feroli schätzt Professor Robert Gordon von der Northwestern University das Produktivitätswachstum ein. Er hat im vergangenen Jahr prognostiziert, dass das BIP pro Kopf zwischen 2007 und 2027 mit der niedrigsten Rate eines 20-Jahres-Zeitraums in der US-Geschichte wachsen wird.

Andere Ökonomen, darunter Mohamed El-Erian, der Vorstandsvorsitzende von Pimco, Kenneth Rogoff von der Harvard University und der Nobel-Preisträger Michael Spence, sind nicht so pessimistisch. “Die amerikanische Wirtschaft hat immer noch große Stärken bei der Innovation”, sagte Spence, Professor an der Stern School of Business der New York University. “Sie ist sehr flexibel und rasch anpassungsfähig.”

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