"Die Unternehmen in Italien haben keine Kraft mehr – vom Norden bis zum Süden"

"Die Unternehmen in Italien haben keine Kraft mehr – vom Norden bis zum Süden"

Das schuldengeplagte südeuropäische Land kämpft nach wie vor gegen die Krise: Die Industrie in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone schrumpfte im dritten Quartal erneut, während die italienischen Banken so viele faule Kredite in ihren Büchern haben wie noch nie.

"Wenn es nur Wachstum und Stabilität in Deutschland gibt und der Rest von Europa außen vor gelassen wird, wird das am Ende auch schlecht für Europa sein", sagte Letta auf einer Pressekonferenz in Valletta mit seinem maltesischen Amtskollegen Joseph Muscat. "Deutschlands innere Stabilität ist sinnvoll, solange es zu Wachstum und Stabilität in Europa beiträgt." Die künftige Bundesregierung müsse das berücksichtigen.

In ihren Koalitionsverhandlungen sind sich Union und SPD weitgehend einig, dass in der Schuldenkrise am Sparkurs festgehalten werden soll. Zugleich sollen die Ausgaben aber verstärkt auf Wachstum, Beschäftigung und Innovation ausgerichtet werden. Am Dienstag kommen die EU-Staats- und Regierungschefs in Paris zusammen, um über Schritte gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa zu beraten.

Rezession in Italien hält an

Italien steckt in der längsten Rezession seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird vorgeworfen, durch ihr Beharren auf einen strengen Sparkurs eine Mitschuld an der Misere zu tragen. "Unsere Unternehmen in Einzelhandel, Tourismus und Dienstleistungssektor haben keine Kraft mehr - vom Norden bis zum Süden", beklagte Giorgio Sangalli vom Unternehmerverband Confindustria in Rom.

Während Spanien im Sommer die Rezession beendet hat, dürfte Italiens Bruttoinlandsprodukt von Juli bis September das neunte Quartal in Folge geschrumpft sein. Von Reuters befragte Ökonomen rechnen mit einem Minus von 0,1 Prozent. Die Daten werden am Donnerstag veröffentlicht. Vor allem die Industrie steckt in der Krise. Die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes stellten im September zwar 0,2 Prozent mehr her als im Vormonat. Im gesamten dritten Quartal sank sie aber um ein Prozent und damit zum zehnten Mal in Folge. Die Produktion liegt rund ein Viertel unter dem Niveau von 2008. Die EU-Kommission sprach jüngst von einer "Deindustrialisierung".

Auch die Banken stecken weiter in der Krise. Die Problem-Darlehen italienischer Institute summierten sich im September auf den Rekordwert von 144,5 Milliarden Euro, wie aus Daten der Zentralbank hervorgeht. Das entspricht nahezu einer Verdoppelung des Wertes von 2010. Vor allem kleinen Firmen fällt es schwer, ihre Kredite zu bedienen. Da Banken versuchen, ihre Risiken unter Kontrolle zu halten, sind sie bei der Kreditvergabe vorsichtig, was die Wirtschaft wiederum belastet. Darlehen an Firmen außerhalb des Bankensektors gingen im Jahresvergleich um 4,2 Prozent zurück.

In der Rezession fällt es den Italienern zudem schwer, Geld auf die hohe Kante zu legen. Die Spareinlagen stiegen im September so langsam wie seit 13 Monaten nicht mehr. Sie wuchsen zum Vorjahresmonat lediglich um 3,7 Prozent, nachdem das Plus im August noch 6,6 Prozent betragen hatte. Für die strauchelnden Banken ist das ein Problem, denn die Spareinlagen sind eine Hauptfinanzierungsquelle der Geldhäuser.

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