Die fünf Todsünden des Vatikan

Die fünf Todsünden des Vatikan

Viele Probleme, die der katholischen Weltkirche bereits seit Jahren Sorgen bereiten, schwelen weiter. Vor allem fünf große Sündefälle des Vatikan gilt es zu bewältigen.

MISSBRAUCHSSKANDAL

In Europa und den USA wurden seit der Jahrtausendewende massenhaft Fälle des Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche bekannt. Im Juni 2010 bat Benedikt XVI. erstmals öffentlich um Entschuldigung und versprach Aufklärung. Viele Kritiker sehen das Bemühen des Vatikans, Licht in die Verfehlungen zu bringen und die Verantwortlichen zu bestrafen, nicht als ausreichend an. Erst im Januar wurde der frühere Erzbischof von Los Angeles, der 76-jährige Kardinal Roger Mahony, aus allen Ämtern entlassen, weil er Missbrauchsfälle in seinem Wirkungsbereich verschleiert haben soll.

FEINDBILD HOMOSEXUALITÄT

Gewalt gegen Homosexuelle hält der scheidende Papst zwar für falsch, sein Familienbild ist jedoch unverrückbar. Vor gut einem Jahr befand er, wer die traditionelle Familie in Frage stelle, bedrohe "die menschliche Würde" und "die Zukunft der Menschheit". Ohne Scheu griff der 85-Jährige jüngst zudem in die Debatten über eine Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen in Frankreich und Großbritannien ein. Zuletzt berichtete eine italienische Tageszeitung, ausgerechnet Informationen über ein geheimes Schwulennetzwerk im Vatikan, das auch Kardinäle erpressbar mache, hätten Benedikt XVI. zum Rücktritt bewogen.

FEINDBILD ABTREIBUNG

Die Debatte über das Lebensrecht Ungeborener und das Selbstbestimmungsrecht Schwangerer erreichte zuletzt wieder einmal Deutschland. Ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer wurde von zwei katholischen Kliniken in Köln mit der Begründung abgewiesen, die notwendigen Untersuchungen seien auch mit einem Verschreiben der sogenannten Pille danach verbunden. Die deutschen Bischöfe rückten inzwischen von ihrem grundsätzlichen Nein zu dem Medikament ab, wenn es lediglich verhütend und nicht abtreibend wirke.

GEHEIMNISVERRAT

Schmerzlich musste der Papst im vergangenen Jahr feststellen, dass selbst sein engstes Umfeld ihn hinterging. In der sogenannten Vatileaks-Affäre wurden geheime Dokumente kopiert und aus dem Vatikan geschmuggelt. Der päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele wurde deswegen im Oktober zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt und später von Benedikt XVI. begnadigt. Dass der Papst lieber theologische Aufsätze liest und schreibt, als sich Verwaltungsaufgaben zu widmen, war nie ein Geheimnis. Jedem Nachfolger dürfte aber bewusst sein, dass er ähnlichem Geheimnisverrat Einhalt gebieten muss.

GELDWÄSCHE

Die Vatikanbank, mit offiziellem Namen das Institut für religiöse Werke, wusch in der Vergangenheit unter anderem Gelder der italienischen Mafia. Ihr zwischenzeitlicher Chef Ettore Gotti Tedeschi, der eigentlich gründlich aufräumen sollte, wurde im Mai entlassen - offenbar auf Druck vatikanischer Würdenträger, denen sein Engagement zu weit ging. Im Sommer bescheinigte der Europarat dem Institut anhaltende Defizite im Kampf gegen Geldwäsche. Seit Mitte Februar hat die Bank zwar einen neuen Chef, den 54 Jahre alten deutschen Finanzexperten Ernst von Freyberg, die Affäre ist aber nicht ausgestanden.

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