"Die Stimmung der deutschen Unternehmen sackt immer weiter ab"

"Die Stimmung der deutschen Unternehmen sackt immer weiter ab"

Die Stimmung bei den deutschen Unternehmen trübt sich immer stärker ein. Schuldenkrise und schwache Weltkonjunktur lasten auf dem Konjunkturmotor Europas. Der ifo-Geschäftsklima Index sackt auf den tiefsten Stand seit März 2010.

Die verschärfte Schuldenkrise setzt der Stimmung in der deutschen Wirtschaft immer stärker zu. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Juni auf 105,3 Punkte von 106,9 Zählern im Mai, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag mitteilte. Damit sank das an den Märkten stark beachtete Barometer den zweiten Monat in Folge. Es ist zugleich der niedrigste Wert seit März 2010. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Rückgang auf 105,9 Punkte erwartet. Sie sagten in ersten Reaktionen:

HEINRICH BAYER, POSTBANK:

"Das zweite Halbjahr könnte schwieriger werden als erwartet. Darauf deutet der deutliche Rückgang der Geschäftserwartungen an. Die exportabhängige Industrie leidet ebenwo wie der Großhandel unter der schwächeren Weltkonjunktur. Die Binnenwirtschaft ist dagegen robust, wie das bessere Geschäftsklima in Einzelhandel und Baubranche signalisieren.

Die bessere Lage kann die schwächeren Erwartungen bei weitem nicht ausgleichen. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich Deutschland nicht vom negativen Umfeld abkoppeln kann."

ANDREAS SCHEUERLE, DEKABANK:

"Die Stimmung der deutschen Unternehmen sackt immer weiter ab. Nachdem zuvor schon die Einkaufsmanagerindizes in den Rezessionsbereich gesunken waren, gibt nun auch das bislang noch vergleichsweise zuversichtliche Ifo-Geschäftsklima spürbar nach, allen voran die Geschäftserwartungen.

Verantwortlich dafür ist zu einem großen Teil die Schuldenkrise, die infolge der Unsicherheit über die Fortsetzung des griechischen Reformkurses sowie der Probleme Spaniens und Italiens wieder aufflammte. Erschwerend kommt hinzu, dass die Frühindikatoren auf eine Abkühlung der Weltkonjunktur hindeuten. Damit wird das Sicherheitsnetz der deutschen Unternehmen löchriger.

Das zweite Quartal lebte zunächst noch von der Schubkraft des ersten Vierteljahrs. Doch zu Quartalsende scheint sich die wirtschaftliche Dynamik so stark verlangsamt zu haben, dass man für den Zeitraum Juli bis September mit einer Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts rechnen muss."

STEFAN SCHILBE, HSBC TRINKAUS:

"Die Stimmung bei den Unternehmen trübt sich wegen der Schuldenkrise ein. Auch die Wachstumsdynamik in wichtigen Exportmärkten wie den USA und China hat zuletzt nachgelassen. Die Geschäftsklage ist aber noch ausgesprochen robust. Allerdings wachsen die Gefahren. Die Unternehmen befürchten, dass die Schuldenkrise auf die Exporte durchschlagen werden. In Südeuropa bricht die Wirtschaft wegen der harten Sparprogramme ein. Das kommt zeitverzögert bei den deutschen Unternehmen an."

Die Daten

DEUTSCHLAND JUNI 2012 MAI 2012

Geschäftsklima 105,3 106,9

Geschäftsbeurteilung 113,9 113,2

Geschäftserwartung 97,3 100,8

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