"Die Signalwirkung für den Rest der Euro-Zone ist fatal"

"Die Signalwirkung für den Rest der Euro-Zone ist fatal"

„Die Signalwirkung für den Rest der Euro-Zone ist fatal. Das ist quasi ein Aufruf an die Anleger, ihr Geld abzuziehen, sobald sich auch nur die geringsten Probleme bei ihrer Bank zeigen“, sagte Bofinger der "Passauer Neue Presse": „Verunsicherung und Sensibilität der Anleger werden wachsen.“

Bofinger kritisierte auch Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, der am Montag mit Äußerungen zitiert worden war, wonach die Belastung von zyprischen Bankkunden als Vorbild für andere Euro-Länder dienen könnte.

„Die Äußerungen von Jeroen Dijsselbloem waren mehr als fahrlässig“, so Bofinger. Einlagen bei Banken müssten zu 100 Prozent sicher sein. Sonst funktioniere das Bankensystem nicht. „Wenn Anleger aus Problemländern ihr Geld in großem Stil von strauchelnden Banken abziehen und nach Deutschland transferieren, haben wir ein Problem“, erklärte das Mitglied im deutschen Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Das Beispiel Zypern dürfe auf keinen Fall Schule machen: „Jeder, der politisch Verantwortung trägt, sollte jetzt deutlich machen, dass Zypern ein Sonderfall war.“ Dijsselbloem war noch am Montag von seiner Äußerung abgerückt. Auch die EU-Kommission betont, dass sie die Rettung Zyperns unter Einbeziehung von Großsparern und Gläubigern nicht als Modell für die Zukunft ansieht.

Kritik weitet sich aus

Auch deutsche Koalitionspolitiker haben die Pläne der EU-Kommission scharf kritisiert, wonach künftig auch reiche Sparer außerhalb von Zypern an der Rettung angeschlagener Banken beteiligt werden sollen. "Das Modell Zypern lässt sich nicht einfach eins zu eins auf ganz Europa übertragen. Zypern ist ein Spezialfall, sagte Unionsfraktionsvize Michael Meister der "Rheinischen Post".

In Zypern gehe es nicht um die Schieflage einer einzelnen Bank, sondern um einen überdimensionierten Bankensektor, der drastisch schrumpfen müsse. Das deutsche Gesetz zur Bankenrestrukturierung beteilige Eigentümer und Gläubiger eines Instituts an dessen Abwicklung, nicht aber die Sparer, so Meister.

Auch der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Barthle, kritisierte die Pläne von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. "Ich habe größte Bedenken, das Vorgehen in Zypern zum Modell für ganz Europa zu machen. Das könnte das Bankensystem in Europa nicht verkraften", sagte Barthle der Zeitung. Eine Sprecherin Barniers hatte erklärt, laut einem Entwurf für die EU-Richtlinie zur Bankenrestrukturierung könnten künftig auch Sparer mit Einlagen von über 100.000 Euro herangezogen werden. Sie seien nicht vor einem Totalverlust geschützt.

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