"Die bittere Pille der massiven Geldabhebung werden wir sowieso schlucken müssen"

"Die bittere Pille der massiven Geldabhebung werden wir sowieso schlucken müssen"

Die seit mehreren Tagen geschlossenen zypriotischen Banken sollen nach dem Willen der Regierung in Nikosia so schnell wie möglich wieder öffnen. Dies sei der Wunsch der Regierung, sagte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums in Nikosia der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. Wenn alles gut laufe, dann könnten sie möglicherweise schon morgen Donnerstag aufmachen, hieß es.

Dies hänge allerdings von bestimmten Bedingungen ab, etwa ob die Troika der internationalen Geldgeber Zustimmung für ein neu zusammengesetztes Rettungsprogramm signalisiere. Je länger die Banken geschlossen blieben, desto mehr wachse die Angst der Kunden. "Die bittere Pille der massiven Abhebungen von Geldern werden wir sowieso schlucken müssen", sagte ein Filialleiter einer Bank im Zentrum Nikosias.

Um die von den Euroländern geforderte Eigenleistung von 5,8 Mrd. Euro für das Rettungspaket stemmen zu können, denkt Zypern auch an die Ausgabe von Staatsanleihen, die im eigenen Land gezeichnet werden müssten, weil Zypern keinen regulären Zugang mehr zum Kapitalmarkt hat. So habe sich die Kirche bereit erklärt, sich zu beteiligen, hieß es aus Regierungskreisen. Zudem werde auch geprüft, ob Gelder der Pensionskassen genutzt werden könnten. Zudem wirbt Nikosia in Moskau für die Streckung eines Kredites Russlands in Höhe von 2,5 Mrd. Euro und auch für den Verkauf einzelner Banken. Überlegt werde auch, ob sich die Zwangsabgabe auf größere Bankanleihen erstrecken könnte. Funktionierten diese Auswege allerdings nicht, würden die Banken doch erst am kommenden Dienstag öffnen können, hieß es.

Der zypriotische Präsident Nikos Anastasiades hat am Mittwoch mit dem französischen Staatspräsidenten Francois Hollande über die Lage in seinem Land beraten. Im Mittelpunkt standen nach Angaben des Büros von Anastasiades die Bemühungen Zyperns, mit einem "Plan B" die nötigen 5,8 Milliarden zu finden, die Voraussetzung für weitere milliardenschwere Hilfen seitens der EU sind. Nikosia habe Paris um Hilfe gebeten, hieß es. Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem hatte den ursprünglichen Rettungsplan zuvor als Fehler bezeichnet. Der Widerstand der Bevölkerung gegen die Belastung von Kleinguthaben sei legitim.

Russland wird sich etwaige Hilfen vergolden lassen

Teil des Plan B ist freilich wie erwähnt Russland. Doch die Führung in Moskau tut sich schwer mit Hilfe für den EU-Staat. Höflich empfangen Regierungsmitglieder in der russischen Hauptstadt am Mittwoch den zypriotischen Finanzminister Michalis Sarris. Der sucht verzweifelt nach frischem Geld, erst bei seinem Amtskollegen Anton Siluanow, dann bei Vizeregierungschef Igor Schuwalow. Aber die wichtigste Tür im Kreml bleibt zu für ihn.

Russlands Präsident Wladimir Putin lässt nach einem Telefonat mit Präsident Nikos Anastasiades mitteilen, dass Zypern auch nach dem Scheitern eines Rettungsplanes im Parlament weiter mit der EU verhandeln müsse. Seit Tagen warnt der Kremlchef aber scharf auch davor, den Interessen der Russen zu schaden.

Da passt es nur, dass noch am Mittwochabend EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso in Moskau landen sollte. Bis Freitag ist sein Aufenthalt in Moskau geplant. Diplomaten in Brüssel und Moskau machen deutlich, dass es bei den breit angelegten Gesprächen auch um Zypern gehe.

Zyperns Minister Sarris, der seine Gespräche in Moskau gut und ehrlich nennt, hat zunächst nichts in der Hand. Auf einen neuen Kreditantrag von 5 Mrd. Euro, den Zypern Anfang Juli 2012 gestellt hatte, hat Moskau bis heute nicht reagiert. Sarris will erreichen, dass der 2011 von Russland gewährte Kredit von 2,5 Miliarden nicht in viereinhalb, sondern in fünf Jahren zurückgezahlt werden kann - und die Zinsen von bisher 4,5 Prozent pro Jahr niedriger ausfallen.

Von Förderrechten für Gazprom über Banken bis hin zur Marinebasis

Kommentatoren erwarten, dass die Russen sich jedwede Hilfe am Ende üppig vergolden lassen werden. Bisher nur inoffiziell ist die Rede von möglichen Förderrechten für den Gasmonopolisten Gazprom vor der zypriotischen Küste. Oligarchen diskutieren auch über einen Kauf angeschlagener zypriotischer Banken.

Nach russischen Ankündigungen, Teile der Kriegsflotte dauerhaft im Mittelmeer zu stationieren, fragen sich Beobachter, ob auch eine Marinebasis auf Zypern zum Geschäft gehören könnte. Angesichts des Bürgerkriegs in Syrien dürfte Russland längst nach einem Ersatz für seinen Stützpunkt in Tartus suchen.

Russland habe jetzt die große Chance, sich als wichtiger Akteur auf der Weltbühne zu behaupten, meint der Oligarch Michail Prochorow in der Wirtschaftszeitung "Wedomosti". Russland habe das Geld dafür.

Die Summe der russischen Einlagen in Banken auf Zypern werden auf 27 Mrd. Dollar (20,9 Mrd. Euro) geschätzt. Experten betonen aber auch, dass die großen russischen Geschäftsleute ihr Geld längst anderswo in Sicherheit gebracht hätten.

Allenfalls ein Transitland für Geldüberweisungen

Zypern ist für die Russen allenfalls als Transitland für Geldüberweisungen interessant und auch deshalb, weil Firmen dort aus russischer Sicht extrem leicht zu registrieren sind, wie die Zeitung "Kommersant" schreibt. Gebunkert würden die russischen Milliarden in viel zuverlässigeren Ländern wie der Schweiz, Luxemburg und Großbritannien, heißt es in Moskau.

Dort rechnen Banken und Geschäftsleute weiter Krisenszenarien für Zypern durch: Die Stimmung schwankt zwischen Besorgnis und Gleichgültigkeit, heißt es in Kommentaren. Die VTB Bank teilte mit, dass sie schlimmstenfalls mit einigen Dutzend Millionen Euro Verlust rechnen müsse. 2 Mrd. Euro halte die Bank über ihre Tochter Russian Commercial Bank auf Zypern als Einlagen. Das Konzernergebnis werde das nicht verzerren. Aber die Bank betonte auch, dass ihr Zypern-Geschäft nun auf den Prüfstand komme.

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