"Die Krise im Euroraum ist immer noch die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft"

"Die Krise im Euroraum ist immer noch die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft"

"Sie bleibt in einem fragilen Zustand." Das belastet nach Prognose der OECD die gesamte Weltwirtschaft noch für längere Zeit.

Die Euro-Zone dürfte erst 2014 aus der Rezession finden. Deutschland schrammt demnach haarscharf an einer Rezession vorbei und wird 2013 nur halb so stark wachsen wie von Bundesregierung erwartet.

"Die Krise im Euroraum ist immer noch die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft", erklärte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in ihrem Ausblick. Dies gelte "trotz der jüngsten Maßnahmen, die nur den kurzfristigen Druck verringert haben". Für 2013 sagt die OECD einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent voraus, nach einem Schrumpfen in diesem Jahr von 0,4 Prozent. Erst 2014 soll es wieder ein Wachstum von 1,3 Prozent geben. Bis dahin dürften die Sparpakete vieler Regierungen noch bremsen.

Die OECD senkte ihre Wachstumsprognose für Österreich ebenfalls: Heuer wird das Plus nur mehr 0,6 Prozent statt 0,8 Prozent betragen, 2013 0,8 Prozent statt 1,6 Prozent und erst 2014 1,8 Prozent. Das staatliche Defizit sollte von heuer 3,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf 2,7 Prozent und 2014 auf 2,1 Prozent zurückgehen. Außerdem rechnet die OECD mit steigender Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent heuer und jeweils 4,7 Prozent in den kommenden beiden Jahren.

Zum Vergleich: Wifo und IHS haben ihre Wachstumsprognosen Ende September für das kommende Jahr auf 1,0 bzw. 1,3 Prozent gesenkt. Für 2012 werden 0,6 bzw. 0,8 Prozent erwartet.

Schwaches Wachstum auch in Deutschland

Dem Abwärtstrend kann sich auch Deutschland nicht entziehen. Das Bruttoinlandsprodukt werde im kommenden Jahr nur um 0,5 Prozent zulegen, nach 0,8 Prozent in diesem Jahr. Die Bundesregierung erwartet dagegen eine Beschleunigung auf 1,0 Prozent. "Die Konjunktur kühlt sich wegen des schwächeren Welthandels spürbar ab", sagte Deutschland-Experte Andres Fuentes. Um den Jahreswechsel herum schramme die Bundesrepublik knapp an einer Rezession vorbei. Im laufenden vierten Quartal werde das Bruttoinlandsprodukt mit 0,2 Prozent zum ersten Mal seit einem Jahr wieder schrumpfen. Anfang 2013 werde es dann stagnieren, ehe es im Jahresverlauf eine Rückkehr zu Wachstum geben werde. Ökonomen sprechen bei zwei Minus-Quartalen in Folge von Rezession. Eine deutliche Belebung soll es erst 2014 geben. Dann soll es ein Wachstum von 1,9 Prozent geben.

Um Schlimmeres zu verhindern, fordern die Experten der in Paris ansässigen Organisation ein größeres Engagement der EZB. "Zur Stützung der Nachfrage sollte die Europäische Zentralbank die Leitzinsen weiter senken", hieß es. Sie liegen mit 0,75 Prozent bereits auf einem Rekordtief. Andere große Zentralbanken wie die Fed in den USA oder die Bank of Japan fahren dagegen eine Nullzinspolitik. Ein niedrigere Zins kann nicht nur Kredite für Konsum und Investitionen ankurbeln, sondern auch den Euro-Kurs drücken - was die Exportwirtschaft in Übersee hilft. Sollte sich die Lage verschlechtern, fordert die OECD die Zentralbank zu "weiteren unkonventionellen Schritten" auf.

Die OECD plädiert ferner für eine Stärkung des Finanzsystems. "Durch eine verbesserte Bilanzlage der Banken und eine vollständige Bankenunion könnte die negative Rückkopplung zwischen öffentlichen Finanzen und Bankensystem verringert werden." Zudem sollten "gefährdete Volkswirtschaften" notfalls das Staatsanleihenkaufprogramm (OMT) der EZB in Anspruch nehmen.

Die Konjunkturaussichten der einzelnen Euro-Länder sieht die OECD eher nüchtern. Frankreichs Wirtschaft stagniere im nächsten Jahr noch weitgehend und werde 2014 nur um 1,3 Prozent zulegen. In Spanien, Italien und Portugal werde das Bruttoinlandsprodukt 2012 und 2013 weiter schrumpfen und erst 2014 wieder leicht steigen. Für Griechenland erwarten die OECD-Experten auch 2014 noch einen Rückgang der Wirtschaftskraft um 1,3 Prozent.

n den USA dürfte sich die allmähliche Erholung der Wirtschaft fortsetzen. Die OECD macht Anzeichen für eine Wende am Markt für Wohnimmobilien aus und fordert zudem eine Lösung für die Schuldenproblematik ("Fiscal Cliff"). Das "große Defizit" im Bundeshaushalt müsse dringend gesenkt werden, "um die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen wiederherzustellen". Dies müsse aber schrittweise geschehen und Steuererhöhungen sowie Ausgabenkürzungen müssten weniger abrupt umgesetzt werden als derzeit gesetzlich geplant. "Wenn keine Lösung gefunden wird, würde die 'fiskalische Klippe' 2013 zu einem deutlichen Konjunktureinbruch führen", warnte die OECD.

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