Die fetten Gewinne der "Nonprofit"-Organisationen

Die fetten Gewinne der "Nonprofit"-Organisationen

Die US-Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) könnte jährlich Steuern im zweistelligen Milliarden-Dollar-Bereich einsammeln, wenn sie “Nonprofits”, die auf die gleiche Weise Geld machen wie gewinnorientierte Unternehmen, zur Kasse bitten würde, sagt Dean Zerbe, der bis 2010 als leitender Anwalt und Steueranwalt im Finanzausschuss des US-Senats tätig war.

Eines der profitabelsten Nonprofit-Unternehmen ist das American Bureau of Shipping (ABS), dessen Mitglieder Schiffseigner sind. Die Firma überprüft jährlich etwa 12.000 Schiffe. Für den Zeitraum von 2004 bis 2010 berichtete ABS Einnahmen in Höhe von 3,17 Mrd. Dollar aus Schiffs-Inspektionen und etwas weniger als 600 Mio. Dollar an Gewinn. Steuern zahlte ABS darauf nicht. Und die IRS beschwert sich auch nicht. Denn die Firma ist seit 150 Jahren als gemeinnützige Organisation registriert. Die Steuerbehörde fragt Unternehmen in einem Standard-Formular, warum sie sich als gemeinnützig ansehen. ABS antwortet darauf seit 1862: “Um die Sicherheit von Leben und Gütern auf See zu fördern”.

Das gemeinnützige Unternehmen hat im vergangenen Jahrzehnt Hunderte Millionen Dollar an Gewinnen eingestrichen. Davon wurde unter anderem ein Hedgefonds mit Sitz auf den Kaimaninseln, einer Steueroase, gekauft. Top-Manager erhalten zudem millionenschwere Vergütungspakete und Sonderleistungen. Wie aus dem Steuerbericht für 2010 hervorgeht, erhielten führende Mitarbeiter unter anderem Flüge Erster Klasse oder Charterflüge, für Partner wurden die Reisekosten übernommen, die Beiträge für Fitnesscenter und Clubs wurden gezahlt und zudem noch die Dienste von Chauffeuren, Köchen und Hausmädchen.

Auf Anfrage von Bloomberg erklärte ABS: “Generell werden einige dieser Leistungen Mitarbeitern im Ausland angeboten, in Ländern, in denen vom Unternehmen geleistete Dienste dieser Art zu den Standard-Geschäftspraktiken gehören”, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme.

“Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich gesehen habe, welche Kästchen sie angekreuzt hatten und ohne eine Erklärung”, sagt Norman Silber, Professor an der Maurice A. Deane School of Law im US-Bundesstaat New York. “Das ist überaus intransparent und schreit nach einer Erklärung. Wenn die Aufsicht mit ihrer Begründung zufrieden ist, haben wir ein Problem.” Dean Patterson von der US-Steuerbehörde wollte zu diesen Informationen nicht Stellung beziehen.

Eine mögliche Erklärung für so großzügige Leistungen ist, dass gemeinnützige Firmen manchmal mehr Geld haben als sie für ihren Auftrag ausgeben können - und was sie nicht machen müssen, ist Steuern zahlen. “Die Zahl der Luxusautos, die den Top- Managern zur Verfügung gestellt werden können, ist begrenzt”, gibt Jack Devanney zu bedenken. Der pensionierte Top-Manager hat für Unternehmen gearbeitet, die die Dienste von ABS in Anspruch genommen haben. ABS zahlte Robert Somerville, dem Konzernchef von 2004 bis 2010, für diesen Zeitraum 21,7 Mio. Dollar.

In vielen anderen Ländern wie China, Südafrika und auch in Europa, wird ABS nicht als gemeinnützig anerkannt und muss Steuern zahlen.

Auch Polo-SPieler sind gemeinnützig

Ein anderes Unternehmen, das weder eine wohltätige Organisation, noch eine Schule, religiöse Institution, Krankenhaus ist oder einen sonst üblichen Nonprofit-Status hat, ist die U.S. Polo Association (USPA), der Verband der Polo-Spieler in den USA. Wie ABS ist auch die USPA von der Steuer befreit, nimmt aber gleichzeitig weltweit seit 1890 Geld ein.

Etwa 3500 Mitglieder zahlen jährlich 150 Dollar Beitrag, 90 Prozent der Einnahmen der USPA kommen aber aus Lizenzverträgen für mehr als 900 unterschiedliche Polo-Marken. Diese Marken sind geschützt, sodass der Verband seinen Namen und das Bild eines Polo-Spielers für alle möglichen Produkte - von Regenschirmen über Bademode bis hin zu Deos - verwenden kann. Entsprechende Produkte werden in den großen Warenhausketten der USA und 130 Ländern verkauft. Im Jahr 2010 gab die USPA lediglich 13 Prozent ihrer Einnahmen für Dienste im Zusammenhang mit dem Polo-Sport aus.

Zu den steuerbefreiten Wirtschaftsverbänden zählen unter anderem auch die National Football League (NFL) und die National Hockey League (NHL). Die NFL handelte 2011 für ihre 32 Mitglieds-Teams TV-Rechte über 27,9 Mrd. Dollar aus. Ihrem Commissioner Roger Goodell zahlte die NFL im Geschäftsjahr 2011 rund 11,6 Mio. Dollar. Die NHL zahlte Commissioner Gary Bettman 4,6 Mio. Dollar.

Mit Blick auf ABS, die USPA und ähnliche Nonprofits, die eher wie “For-Profits” Geschäfte machen, sagt Anwalt Zerbe: “Dies zeigt die massiven Probleme der steuerbefreiten Firmen, die genauso funktionieren wie steuerzahlende Konzerne, aber davon profitieren, dass sie steuerrechtlich klar bevorzugt werden. Sie werden quasi vom Steuerzahler unterstützt. Es ist verrückt.”

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

Politik

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

International

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

der polnische Finanzminister Mateusz Szczurek will 700 Milliarden für Investitionen in Europa. Alle 28 EU-Mitgliedsstaaten sollen einzahlen
 

International

Polen will 700-Milliarden-Investitionsfonds für Europa