"Die Eurozone ist ein Bus mit 17 Insassen"

"Die Eurozone ist ein Bus mit 17 Insassen"

Zu sehr vermiesen die anhaltenden Probleme der Euro-Zone die Laune der Top-Finanzmanager. "Die Stimmung hier ist nicht viel besser als im vergangenen Jahr", sagte ein Amerikaner. "Das ist ganz anders als in den USA." In Europa sei überhaupt kein Fortschritt zu spüren - und dies fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise und mehr als drei Jahre, nachdem das in die Pleite taumelnde Griechenland Europa noch mehr in Angst und Schrecken versetzte.

"Langsam fällt der Groschen, dass Europa vorankommen muss", sagte Gerard Lyons, früher Volkswirt bei Standard Chartered und heute Berater des Londoner Bürgermeisters. Vom Treffen des Institutes of International Finance (IIF) nehme er vor allem die Erkenntnis mit, dass sich Amerika erhole und der dortige Finanzsektor vor allem in den oberen Ebenen relativ fit sei.

Weber: Eurozone fährt kein Auto

Insgesamt machte sich in Paris die Überzeugung breit, dass die Wirtschaft in Europa, Asien und den USA mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit vorankommt: Europa fährt auf der Kriechspur, die USA geben Gas, und Asiens Motor ist etwas ins Stottern geraten, läuft aber noch. Eine plastische Schilderung der komplexen Lage in der Euro-Zone lieferte der ehemalige Chef der Bundesbank und heutige UBS-Präsident, Axel Weber. Das Problem sei, dass Europa eben kein Auto fahre, sondern einen Bus mit 17 Insassen.

Das Abschluss-Diner für die mehr als 400 Teilnehmer in dem prunkvollen Veranstaltungszentrum "Salle Wagram" wenige Schritte vom Triumphbogen verlieh dem IIE-Treffen zwar noch etwas Glanz. Doch von üppigen Banketten wie vor vier Jahren in Peking war das Meeting der Geldmanager weit entfernt. Die relative Bescheidenheit war Beobachtern zufolge vielleicht der Rezession geschuldet, in der sich Übermaß nicht ziemt.

Schließlich hat das Ansehen der Finanzindustrie nicht zuletzt bei den Steuerzahlern reichlich gelitten. Und so gehört der Ruf der Branche zu einem der drei großen "R", die in Paris bei den internationalen Bankern ganz oben auf der Agenda standen. Die beiden anderen waren Risiko und Regulierung. Gerade letzteres treibt die Banker um, wie Rick Waugh, Chef der kanadischen Scotiabank sagte. Schließlich wird in Europa öffentlich mehr Einsatz der Banken gefordert, um das Chaos und die wirtschaftlichen Probleme zu beseitigen, die die Krise seit 2008 verursacht hat. Die Top-Manager warnen hingegen davor, die Branche zu sehr an die Kandare zu nehmen. Dies würde die Wirtschaftserholung nur noch mehr verzögern, argumentieren sie.

Apropos Konjunktur: Hinter den Kulissen sei auch mit Blick auf Europa durchaus ein Hauch von Optimismus zu spüren gewesen, räumte der Kanadier Waugh ein. "Im vergangenen Jahr haben wir noch darüber gesprochen, ob der Euro überleben wird." Es gebe zwar immer noch Schwierigkeiten in Europa, aber ein Überleben der Gemeinschaftswährung sei kein Thema mehr gewesen, so Waugh.

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