"Die Arbeitskräfte, die Unternehmer, die Technologie und der Intellekt - alles ist da"

"Die Arbeitskräfte, die Unternehmer, die Technologie und der Intellekt - alles ist da"

"Indien ist eine sehr gute Chance", sagt Finanzvorstand Pinak Maitra von der Investmentgesellschaft Kuwait Projects (KIPCO). "Die Wirtschaft wächst um fast sechs Prozent und es könnten leicht zehn Prozent sein, wenn nur die politischen Barrieren abgebaut werden."

Es sei eine einfache Rechnung, ergänzt er: "Die Arbeitskräfte, die Unternehmer, die Technologie und der Intellekt - alles ist da." Noch ist die 21 Milliarden Dollar verwaltende KIPCO nicht in Indien investiert, will Maitra zufolge aber bald einsteigen.

Einen Schritt weiter sind da schon der schwedische Möbelkonzern Ikea und der Getränkeriese Coca Cola. Sie setzen auf wachsenden Wohlstand im Land und bauen ihre Geschäfte mit Investitionen über insgesamt fast fünf Milliarden Dollar aus. Die Entwicklung am Aktienmarkt scheint ihnen Recht zu geben: Der Einzelhandelsindex der Börse in Mumbay hat seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent zugelegt und damit deutlich stärker als der breite Markt.

"Das ist die beste Zeit für langfristig orientierte, selektive Investoren", sagt Brij Raj Singh, Vorstandschef des Vermögensverwalters Baer Capital Partners in Dubai. Er hat mehr als 400 Millionen Dollar in Indien angelegt. "Das größte Problem sind die Abwertung der Währung und die politische Lähmung, aber im Großen und Ganzen ist Indien mit seiner starken Inlandsnachfrage sehr attraktiv."

Die Deutsche Bank und JP Morgan haben jüngst ihre Anlageempfehlungen für indische Aktien auf "overweight" hochgesetzt und damit Investoren wachgerüttelt, die sich an Herunterstufungen gewöhnt hatten. Beide Institute begründeten ihr Vorgehen mit der günstigen Bewertung der Aktien.

Politische Lähmung

Man kann den Optimisten unterstellen, dass sie sehr mutig sind. Immerhin: Das Wirtschaftswachstum ist zusammengeschrumpft von nahezu zehn Prozent vor der Finanzkrise auf ein Neun-Jahres-Tief von 5,3 Prozent im Auftaktquartal 2012. Die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch drohen damit, ihre Bewertung der Bonität Indiens auf Junk-Status herunterzusetzen. Eine wankelmütige Politik sei vom Pfad der ökonomischen Liberalisierung abgekommen und tue nicht genug gegen das überbordende Defizit, lautet die Begründung der Ratinganbieter.

Der politische Stillstand ist auch in den Augen der Investoren die größte Herausforderung. Wichtige Reformen werden nicht vorangebracht, weil sich rivalisierende Parteien nicht einigen können. Ein neuer Hoffnungsträger ist nun Premierminister Manmohan Singh. Erst in der vergangenen Woche nahm er auch das Finanzministerium unter seine Fittiche und appellierte, dass die indische Wirtschaft dringend neuen Schwung brauche. Singh war Anfang der 90er Jahre schon einmal Finanzminister. Damals hat er eine Reihe von Reformen auf den Weg gebracht, die zur Basis für zwei Dekaden rapiden Wirtschaftswachstums wurden.

Rupie schwach

Eine wichtige Hilfe zur Reduzierung des rekordhohen Leistungsbilanzdefizits - im Fiskaljahr 2011/2012 waren es 78 (2010/2011: 46) Milliarden Dollar oder 4,2 Prozent des Bruttosozialprodukts - ist nach Einschätzung von Experten der fallende Ölpreis. Immerhin hat sich das für den Ölmarkt richtungweisende Brent-Öl seit einem Hoch im März um fast 25 Prozent verbilligt. Die hohen Import-Kosten für das produzierende Gewerbe verringerten sich dadurch beträchtlich, argumentieren die Volkswirte. Der Staat profitiere zudem auch direkt, da viele Ölprodukte subventioniert werden. Wegen des starken Preisanstiegs ist an den internationalen Edelmetallmärkten auch die indische Gold-Nachfrage spürbar gesunken.

"Angesichts des sinkenden Ölpreises und der geringeren Gold-Importe gehen wir davon aus, dass das Leistungsbilanzdefizit im Fiskaljahr 2013 auf unter drei Prozent schmelzen könnte", sagt Fondsmanager Arvind Chari von Quantum Asset Management.

Der steile Fall der indischen Rupie - für die der Zeitraum von April bis Juni das schlimmste Quartal seit 17 Jahren war - könnte sich ebenfalls als hilfreich herausstellen. Analysten gehen davon aus, dass weniger teure Güter importiert, die Exporte dagegen aber anziehen werden. Goldman Sachs schätzt, dass ein einprozentiger Wertverlust der Rupie dank dieses Import-Export-Effekts die Handelsbilanz um mehr als vier Prozent aufpeppen könnte.

Es gibt Indikatoren, die belegen, dass sich Anleger auf einen neuen Aufschwung einstellen und in aller Stille anfangen zu investieren. Ausländische Profi-Investoren haben im Jahresverlauf 8,6 Milliarden Dollar am indischen Aktienmarkt angelegt, zusätzlich 3,9 Milliarden am Anleihenmarkt. Signifikante Abflüsse gab es dagegen nicht.

Dem indischen Leitindex hat das zu einem 13prozentigen Plus seit Jahresbeginn und damit zur besten Wertentwicklung innerhalb der BRICS-Staaten verholfen; sprich die Börse in Mumbay entwickelte sich besser als die in Sao Paulo, Moskau, Schanghai oder Johannesburg. Unter den Schwellenländern liefen nur die Börsen in Pakistan und Vietnam besser.

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