"Die Angst, die Israel verbreitet ist völlig unbegründet"

"Die Angst, die Israel verbreitet ist völlig unbegründet"

Anlässlich der heutigen Atomgespräche zwischen den fünf UNO-Vetomächten plus Deutschland und dem Iran in Genf hat die APA den Autor und Iran-Experten Bahman Nirumand, der in Deutschland lebt, sich aber wegen einer Buchlesung des berühmten iranischen Epikers Mahmoud Doulatabadi derzeit in Wien befindet, um eine Einschätzung gebeten.

Im zehn Jahre andauernden Konflikt rund um die iranische Urananreicherung stehen die Zeichen seit der Wahl des moderaten Präsidenten Hassan Rohani auf Annäherung. Glauben Sie an eine baldige vorläufige Übereinkunft zwischen dem Westen und Teheran?

Bahman Nirumand: Ich bin immer hoffnungsvoll, dass dieser Atomstreit gelöst wird und dass der Iran normale internationale Beziehungen unterhalten kann. Aber die Situation ist äußerst verstrickt, also sag ich es steht 50 zu 50 für eine Einigung. Die Tatsachen kann man nicht leugnen. Es gibt einige im Iran, die eine Lösung im Konflikt wollen. Dazu zählen Rohani und auch Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani (Chef des iranischen Schlichtungsrates, Anm.). Letzterer hat seine Meinung zu meiner Freude geändert und strebt nun einen Konsens in der Frage an. Das war in früheren Jahren nicht so. Auch die Mehrheit der iranischen Bevölkerung steht dahinter.

Und die Gegner?

Bahman Nirumand: Es gibt einige andere Kräfte im Iran, die nicht das geringste Interesse daran haben, dass der Konflikt gelöst wird. Auch im Ausland sind die Hardliner drauf und dran, dass keine Einigung erzielt wird. Denken Sie an die Bedenken Frankreichs, Saudi-Arabiens, Katars und so weiter. Wenn es aber keine Einigung gibt, dann werden die Verhandlungen sicher wieder vertagt und nicht komplett abgebrochen.

In der vergangenen Woche gab es auch eine technische Einigung zwischen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO/IAEA) und dem Iran .

Bahman Nirumand: Da muss man auch differenzieren. (IAEA-Chef) Yukiya Amano hat in Teheran gesagt, wir haben eine Einigung gefunden. Dann kommt er wieder nach Wien und sagt, dass er nicht überzeugt sei, dass der Iran nicht heimlich an Atomwaffen arbeite. Das zeigt, dass auch er unter dem Einfluss bestimmter Kräfte steht und die Dinge nicht objektiv sieht.

Besonders alarmiert ob einer möglichen Lösung ist ja Israel. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu warnt vor einem "billigen Deal" mit dem Iran ...

Bahman Nirumand: Israel denkt an seine eigenen nationalen Interessen. Meiner Meinung nach war der Atomkonflikt mit dem Iran vom ersten Tag an nur ein Vorwand. Weder Israel hat Angst vor einem militärischen Angriff des Iran, noch traut sich der Iran, so etwas zu tun. Denn es gibt keinen plausiblen Grund und Teheran weiß, welche militärischen Kapazitäten die Israelis haben. Daher ist die Angst, die Israel im eigenen Land und international verbreitet, völlig unbegründet.

Worum geht es also dem Iran?

Bahman Nirumand: Der Einfluss in der Region, in den arabischen Ländern, der Stolz, dass man als einziges Land die Rechte der Palästinenser verteidigt. Die Öl-Frage, die geopolitischen und geostrategischen Faktoren sind alles Parameter, die der Grund dafür sein können, dass die Hardliner kein Interesse daran haben, dass der Iran den Atomstreit löst.

Zur Person: Nirumand ist Autor zahlreicher Bücher und schreibt Artikel für "Die Zeit", den "Spiegel", die "taz" und die "Frankfurter Rundschau". Seit 2001 ist er der Verfasser des monatlich erscheinenden Iran-Reports der Heinrich-Böll-Stiftung.

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