Die 27 größten Risiken unserer Zeit

Die 27 größten Risiken unserer Zeit

Vom Ausfall der Energieversorgung über ungewisse Auswirkungen von Nanotechnologie und elektromagnetischen Feldern bis hin zur Frage, wer für die Handlungen eines "intelligenten" Roboters haftet: Ein Swiss-Re-Report listet 27 Risiken auf, die die Versicherungsbranche vor ernsthafte Herausforderungen stellen könnte. Davon hätten 18 das Potenzial, auch sehr kurzfristig einzutreten, darunter Cyber-Attacken oder fehlende Investitionen in kritische Infrastruktur.

Es ist der Gruselreport schlechthin, den die Risikomanager der Rückversicherung Swiss Re da verfasst haben: Die Schweizer listen sämtliche Risiken auf, die sich für die Menschheit am Horizont abzeichnen. Das Ergebnis ist eine Liste von 27 potenziellen Bedrohungen, sortiert nach Schwere, Zeithorizont und Versicherungssparte.

Die meisten dieser Risiken könnten nach Ansicht der Studienautoren schnell schlagend werden oder theoretisch jederzeit eintreten: Die meisten Risiken sind in einem Zeitrahmen von "ein bis drei Jahren" angesiedelt. Sechs davon wiederum stufen die Experten als Bedrohungen mit schwerwiegenden Auswirkungen ein.

Die sechs größten Risiken für die Menschheit

1. Zusammenbruch der Energieversorgung könnte Folgen großer Naturkatastrophen übertreffen

Eines dieser zeitnahen großen Risiken ist die Gefahr eines lange anhaltenden Stromausfalls. "Steigende Abhängigkeit von einer durchgehenden Energieversorgung, sei es in der industriellen Produktion, elektronischer Systeme oder des alltäglichen Lebens, macht die heutigen Gesellschaften zwangsläufig anfällig für Energieausfälle", so die Studienautoren.

Traditionelle Schadenszenarien sähen nur Ausfälle für einige Stunden oder Tage vor. Allerdings, so der Report, könnten Weltraumwetter-Ereignisse oder terroristische Angriffe anhaltende Ausfälle mit gravierenden Folgen für Gesellschaft und Industrie auslösen. Dies würde Kommunikations- und Verkehrseinrichtungen ebenso treffen wie Heizung und Wasserversorgung, Produktion und Handel. Die direkten Schäden und mögliche Betriebsunterbrechungen könnten sogar die Folgen großer Naturkatastrophen übertreffen.

2. Unkontrollierte Inflation

Ein zweites zeitnahes Risiko mit einschneidenden Konsequenzen orten die Fachleute in einer unkontrollierten Inflation. Die extrem lockere Geldpolitik der Zentralbanken habe zu Verwerfungen auf den Finanzmärkten und Vermögenspreisen geführt – vor allem aber zu einer (Negativ-)Verzinsung, die auch als Steuer für Sparer gesehen werden könne. Die Herausforderung für die Zentralbanken sieht die Studie darin, Exit-Strategien für die im Zuge der Krise ergriffenen außerordentlichen Maßnahmen zu implementieren – "umso mehr, als all dies Neuland ist".

3. Unstrukturierte Datenmengen im Internet erhöhen Fehleranfälligkeit und reduzieren Verlässlichkeit der Daten

Das dritte schwerwiegendes Kurzfrist-Risiko betrifft die Informationsgesellschaft: Das Datenvolumen wächst immer schneller und könne daher mit herkömmlichen Formen der Datenverarbeitung nicht mehr bewältigt werden. Die Menge an Daten könne laut dem Report in vielen Industrien der Schlüssel für maßgeschneiderte Lösungen sein. Ein Problem ortet der Report aber in Bezug auf die Verlässlichkeit großer, unstrukturierter Datenmengen. So sei es schwieriger, die Fehlerfreiheit von Informationen zu verifizieren, die etwa über soziale Netzwerke verbreitet werden.

Andere Knackpunkte sieht der Bericht in Fragen des Eigentums an Daten und des Datenschutzes, aber auch im Zugang zu Daten. So könne sich ein vergleichsweise beschränkter Zugang zu Daten für Versicherer als Wettbewerbsnachteil erweisen.

4. Schädliche Chemikalien könnten immer öfter Schuld an Krebs oder Nervenkrankheiten sein

Mittelfristig, das heißt in einem Zeitraum von vier bis zehn Jahren, schätzt der Report so genannte EDC ("endocrine disrupting chemicals") als Risiko mit schweren Auswirkungen ein. EDC sind Substanzen, die das Hormonsystem stören. Der Bericht spricht von zunehmenden Bedenken, dass solche Chemikalien womöglich eine größere Rolle bei der Entstehung von Krankheiten wie Krebs, Fettleibigkeit oder Störungen des Nervensystems spielen. Sollte sich ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen EDC und Gesundheit herausstellen, so hätte diese tiefgreifende Konsequenzen in punkto Haftung, heißt es im Report.

5. Unvorhersehbare gesundheitliche Auswirkungen elektromagnetischer Felder durch Mobilfunk und andere Drahtlostechnik

Mit Blick auf einen Horizont von mehr als zehn Jahren identifiziert der Swiss Re-Bericht zwei weitere schwerwiegende Risiken. Das eine sind unvorhergesehene Auswirkungen elektromagnetischer Felder. Durch die starke Verbreitung von Mobilfunk, Drahtlostechnologie oder auch Rundfunk sei man elektromagnetischen Feldern heute wesentlich stärker ausgesetzt. Doch deren Effekt auf die Gesundheit ist bisher unbekannt, beziehungsweise nicht ausreichend belegt.

Sollte sich eine direkte Verbindung zwischen elektromagnetischen Feldern und Gesundheitsproblemen bei Menschen erweisen, so würde dies "die Türen für neue Ansprüche öffnen" und könnte letztlich Folgen für die Produkthaftpflicht-Versicherung haben, heißt es in dem Bericht.

6. Anzeichen, dass Nanomaterialien die Gesundheit nachhaltig schädigen

Ein zweites Langfristrisiko sind unvorhergesehene Konsequenzen der Nanotechnologie. Derzeit sei wenig über die Gesundheitsschädlichkeit von Nanomaterialien bekannt; es gebe aber Anzeichen, dass bestimmte Nanostrukturen durch einzelne Zellen absorbiert werden können. Die winzigen Teilchen stecken in immer mehr Nahrungsmittel, Kleidung und Kosmetika. Einige der Partikel könnten zu Gesundheitsschäden führen. Eine Kennzeichnungspflicht für Nanoprodukte gibt es bisher nicht. Die Nanotechnologie wird eingesetzt, um etwa in Textilien das Wachstum von Bakterien zu hemmen und damit üblen Geruch zu verhindern, auf Schokoriegeln die Bildung eines Grauschleiers zu unterdrücken oder in Sonnencremes ultraviolette Strahlen abzuhalten.

Das deutsche Bundesamt etwa verweist auf Studien, denen zufolge Nanopartikel bis tief in die Lunge vordringen und dort Entzündungen auslösen können. Im Tierversuch seien die Teilchen bis in den Kern von Körperzellen gewandert und hätten dort die Erbinformation geschädigt. Zudem gebe es Hinweise, dass Nanoröhrchen aus Kohlenstoff bei Tieren Erkrankungen auslösen, die jenen von Asbestfasern ähnlich sind. Ihre Winzigkeit birgt allerdings auch die Gefahr, dass sie viel eher die natürlichen Barrieren im Körper überwinden, etwa die Blut-Hirn-Schranke.

Für die Versicherungswirtschaft ergäben sich daraus erhebliche Herausforderungen, hält der Bericht fest. Von besonderem Interesse seien dabei zeitlich verzögert eintretende Schäden, also die Frage, inwieweit Nanomaterialien eine latente Gefahr darstellen. Auch hier bestehe die Möglichkeit großer haftungsbedingter Schäden.

17 mittelschwere Risiken

Von Staatsschuldenkrise bis Cyberattaken

Insgesamt 17 Gefahren stuft der Bericht für die nahe Zukunft als von "mittlerer" Tragweite ein. In der Aufzählung finden sich folgende Gefahren:

- Cyber-Attacken auf kritische Infrastruktur wie auf Banken, die trotz hoher Ausgaben gegen Internetattacken nicht unverwundbar sind. Auch Anschläge auf die elektronischen Kontrollsysteme von Strom- oder Wasserversorgung oder Transportwege könnten die Wirtschaft und die Sicherheit eines Landes destabilisieren.

- Die Versorgungskette wird erschüttert. Beispiele dafür sind die Folgen der Atomkatastrophe in Fukushima. Als Folge dessen kann die Versorgungskette empfindlich getroffen werden.

- Aufgrund von vergleichsweise selten auftretenden Naturkatastrophen werden diese immer wieder unterschätzt. Gleichzeitig steigt die Konzentration der Menschen an gefährdeten Orten.

- Sich änderndes Kommunikationsverhalten und den damit verbundenen Auswirkungen.

- Giftige Substanzen So wurde kürzlich festgestellt, dass organische Lösungsmittel in weiterer Folge zu Herzfehlern bei Neugeborenen führen können. Die Auswirkungen erhöhten Bleiwerte im Blut, ausgelöst etwa durch Rauchen, die Gesundheit wesentlich stärker schädigen als bisher angenommen.

- Geänderter Lebensstil führt zu Fettleibigkeit und andere Auswirkungen auf die Gesundheit. Studien zufolge soll sich die Fettleibigkeit bis 2030 auf 3,3 Milliarden Menschen verdoppeln. Chronische Erkrankungen könnten massiv zunehmen. Ursachen dafür könnten die Auswirkungen ungesunder Diäten, sitzender Berufe, Rauchen (der Anteil der Raucher steigt in vielen Ländern nach wie vor), erhöhter Druck am Arbeitsplatz, sein.

- Zunahme von Infektionskrankheiten wie Typhus, West-Nil-Fieber. Letzteres ist seit 1999 in den USA immer wieder aufgetreten und hat bisher vier Millionen Infektionen ausgelöst.

- Ungelöste Folgen der Schuldenkrise

- Fehlende Investitionen in kritische Infrastruktur wie Strom- und Wasserversorgung oder Verkehrswege

- Gerichtliche Auseinandersetzungen nehmen zu Die Menschen werden immer klagsfreudiger. Die persönlichen Haftungsansprüche nehmen deshalb zu.

- Steigende Behandlungskosten und verbesserte medizinische Versorgung, die auch eine Versorgung zu hause ermöglicht, lässt die Kosten für diese neuen Behandlungsmöglichkeiten und das Pflegepersonal steigen.

- Zunehmende Zersplitterung nationaler Regulierungsbehörden

- In einer komplexen Welt steigt das Risiko, dass die Reputation eines Unternehmens angegriffen wird und in Folge dessen Umsatz und Erträge sinken.

- Die Wirkung von Arzneimittel wie Antibiotika sinkt

- Immer mehr Menschen diagnostizieren sich mit Selbsttest-Verfahren und riskieren falsche Ergebnisse.

- Ein globaler Mangel an Talenten

- Neue Risiken durch neue Formen der Mobilität Autoversicherungen könnten durch die steigende Zahl von selbstfahrenden Autos dramatisch sinken, neue Risiken jedoch entstehen. Zudem dürfte dadurch der Druck auf die Versicherungsprämien steigen.

Diese drei Risiken werden, aus Sicht des Versicherers, als gering eingestuft:

1. In einer wachsenden Bevölkerung steigen die Risiken von Ernteausfällen

Als kritisch erachtet der Report in diesem Zusammenhang auch den Rückgang der Bienenpopulation. Auch gestiegene Volatilität von Rohstoffpreisen könnte zu einem erhöhten Risiko für die Produzenten etwa von Agrarprodukten führen.

2. Produkthaftungsfragen durch vermehrten Einsatz von 3D-Druck

Als zeitlich nahes, wenn auch als von geringer Schwere eingestuftes, Risiko sieht der Bericht eine zunehmende „Do it yourself“-Kultur. Vorangetrieben werde dies durch neue Technologien wie insbesondere 3D-Druck. Da solche Drucker günstiger würden, komme diese Technologie mehr und mehr auch außerhalb der Industrie zum Einsatz. Dies werfe unter anderem Fragen in Bezug auf Produkthaftung, Rückruf und geistiges Eigentum auf.

3. Wer haftet, wenn ein durch künstliche Intelligenz gesteuertes Gerät Fehler macht?

Ein langfristiges Risiko, ebenfalls von geringer Schwere, orten die Swiss-Re-Fachleute im Bereich von Robotik und künstlicher Intelligenz. Nach dem Einsatz in der Produktion halte die Robotik zunehmend auch im privaten Umfeld Einzug. Rechtsanwälte hätten bereits damit begonnen, über die Haftungszurechnung nachzudenken, wenn es um Handlungen von Robotern geht.

Der Trend zum Einsatz künstlicher Intelligenz könnte signifikante Folgen für die Versicherungswirtschaft haben, besagt der Report, „und Haftungsfälle treten bereits auf“ – derzeit vorwiegend in der Automobilindustrie. Langfristig rechnet der Bericht aber vermehrt auch mit Fällen im Konsumbereich. „Letztlich könnte dies sogar ein Feld für eine ganz neue Art der Haftpflichtversicherungs-Deckung sowohl für die Handlungen als auch die Leistung von Robotern
eröffnen.“

Kaum riskant:

Soziale Unruhen wie in Griechenland, die Occupy Bewegung in den USA oder dem Arabische Frühling, stellen zumindest aus Sicht des Versicherers keine besonders großen Risiken dar, da Versicherer aufgrund dieser Ereignisse keine Verluste erwarten, zumal in wirtschaftlich entwickelten Staaten "vielversprechende Fortschritte" ersichtlich wären, um die Ursache, nämlich Armut, in den Griff zu bekommen.

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