Deutschland schlittert in die Rezession, schafft aber Haushaltsüberschuss

Deutschland schlittert in die Rezession, schafft aber Haushaltsüberschuss

Für den Start ins neue Jahr sagen die von Reuters befragten Volkswirte wieder ein leichtes Wachstum der deutschen Wirtschaft voraus. Für das Gesamtjahr erwarten Bundesregierung und Bundesbank ein Plus von 0,4 Prozent. 2012 waren es 0,7 Prozent.

Alleine die Ausfuhren gingen 2012 in Deutschland verglichen mit dem Sommer um zwei Prozent zurück und damit so stark wie seit Anfang 2009 nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Die Importe schrumpften ebenfalls, aber nicht so stark. Erstmals seit mehr als einem Jahr belastete damit der Außenhandel die exportverwöhnte Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt ging im Herbst um 0,6 Prozent verglichen mit dem Vorquartal zurück. Damit bestätigten die Statistiker ihre erste Schätzung.

Auch die Investitionen sanken: Für Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen gaben die deutschen Unternehmen zwei Prozent weniger aus als im Vorquartal, in Bauten wurde ebenfalls etwas weniger investiert. Dank des wachsenden Konsums legte die inländische Verwendung insgesamt aber dennoch zu.

"Die Daten vom vierten Quartal sind relativ schlecht. Das
war ein Ausrutscher, man muss die Zahlen jetzt abhaken. Die
Nettoexporte haben das BIP erheblich gedrückt. Für das laufende
Quartal werden wir wieder Wachstum sehen. Der Export dürfte sich
beleben und die Binnennachfrage wird sich stabil entwickeln. Wir
erwarten keine Rezession, Deutschland ist damit nach wie vor ein
stabiler Pfeiler in der Euro-Zone", erklärte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim die Konjunkturdaten.

Haushaltsüberschuss 2012

Rekordbeschäftigung, steigende Steuereinnahmen, sinkende Zinskosten: Der deutsche Staat hat 2012 wegen der lange Zeit guten Konjunktur erstmals seit fünf Jahren einen Haushaltsüberschuss geschafft. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen rund 4,1 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Der Überschuss entspricht 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Eine erste Schätzung hatte lediglich ein Plus von 0,1 Prozent ergeben. Während Sozialversicherungen und Kommunen Milliardenüberschüsse schafften, schrieben Bund und Länder erneut rote Zahlen.

Seit der Wiedervereinigung 1990 wurde lediglich dreimal ein Überschuss erzielt - zuletzt 2007. 2011 hatte es noch ein Defizit von 0,8 Prozent und 2010 sogar von 4,1 Prozent gegeben.

"Kein Grund zum Ausruhen

Für dieses Jahr rechnen Experten aber wieder mit einer negativen Bilanz. "Wegen der schwächeren Konjunktur im Winterhalbjahr dürfte es ein Defizit von 0,5 Prozent geben", sagte der Europa-Chefvolkswirt von Nordea, Holger Sandte. Bundesbank und Bundesregierung rechnen nur noch mit einem Wachstum von 0,4 Prozent in diesem Jahr. 2012 waren es noch 0,8 Prozent.

Das positive Ergebnis im abgelaufenen Jahr sei einzig der lange Zeit guten Konjunktur zu verdanken, sagte Sandte. "Darauf kann man sich nicht ausruhen", mahnte der Chefvolkswirt. "Um den Schuldenberg abzubauen, müsste entweder mehr gespart oder die Einnahmen müssten erhöht werden."

Teuer erkauft

Für die positive Bilanz sorgten in erster Linie die Sozialversicherungen. Wegen der Rekordbeschäftigung und steigender Löhne steigerten sie ihre Beitragseinnahmen kräftig, so dass am Ende ein Überschuss von 17 Milliarden Euro übrig blieb. Im vierten Quartal hatte die Zahl der Erwerbstätigen mit 41,9 Millionen einen Höchststand erreicht. Die Tariflöhne zogen mit 2,7 Prozent so stark an wie seit drei Jahren nicht mehr.

Die Gemeinden kamen auf einen Überschuss von 6,1 Milliarden Euro. Allerdings ist dieser Erfolg teuer erkauft. Nach Angaben des Städte- und Gemeindebundes haben die Kommunen Investitionen zusammengestrichen, um rote Zahlen zu verhindern. Der Investitionsstau wird inzwischen auf 100 Milliarden Euro geschätzt.

Bund und Länder im Minus

Der Bund fuhr ein Defizit von 12,2 Milliarden ein. 2011 war es allerdings mit 26,7 Milliarden Euro mehr als doppelt so groß. Grund für die Senkung sind Steuereinnahmen in Rekordhöhe: Sie summierten sich auf 256 Milliarden Euro, ein Plus von 3,4 Prozent. Zudem musste der Bund deutlich weniger Zinsen zahlen: Bei 21 der 70 Anleihe-Auktionen 2012 kassierte er sogar eine Prämie von Investoren - statt wie üblich einen Zins zu zahlen. Schwarze Zahlen rücken nach den Worten von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble 2014 in greifbare Nähe. Der Fehlbetrag der Länder verringerte sich auf 6,8 von 11,3 Milliarden Euro.

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