Deutschland rutscht in die Rezession

Deutschland rutscht in die Rezession

Die Wirtschaft dürfte im dritten Quartal um gut 0,1 Prozent schrumpfen und im vierten Quartal nochmals um rund 0,2 Prozent, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag mitteilte.

"Die Euro-Zone bleibt der springende Punkt, das Epizentrum der Krise", sagte OECD-Chefökonom Pier Carlo Padoan. Dies bremse zunehmend die globale Konjunktur. Die deutschen Maschinenbauer allerdings schnuppern trotz Schuldenkrise und schwacher Auftragslage Morgenluft. Die Branche peilt statt Stagnation für dieses Jahr nun ein Produktionsplus von zwei Prozent an.

Die OECD indes zeichnet ein düsteres Bild. "Die globale Wirtschaft verliert an Fahrt, da wichtige Länder in Europa in eine Rezession rutschen, die jetzt weltweite Auswirkungen hat", erklärte die Organisation in ihrem Zwischenbericht zum Wirtschaftsausblick der G7-Länder. "Dies wird so weiter gehen, wenn die Entscheider es versäumen, die Hauptursache für die Verschlechterung anzugehen: die anhaltende Krise in der Euro-Zone", warnte Padoan. Die Arbeitslosigkeit werde weiter steigen. Eine Erholung könne es nur geben, wenn der Währungsraum seine Probleme mit dem Bankensektor, den Haushaltsdefiziten und der Wettbewerbsfähigkeit löse.

Die Schuldenkrise bremst bereits die deutsche Wirtschaft. Anfang 2012 war sie noch um 0,5 Prozent gewachsen, im Frühjahr um 0,3 Prozent. Optimistischer als die OECD zeigt sich das Münchener Ifo-Institut. "Noch sehen wir für Deutschland nicht die Gefahr einer Rezession", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe den "VDI nachrichten". Die stabilen Exporte in Schwellenländer könnten die Absatzverluste vor allem in Südeuropa ausgleichen.

Maschinenbauer erhöhen Produktionsziel

Die Maschinen- und Anlagenbauer mussten im Juli zum neunten Mal hintereinander ein Auftragsminus zum Vorjahr hinnehmen. Dies dürfte demnächst zwar für einen Dämpfer sorgen. Dennoch hofft der Branchenverband VDMA, dass zum Jahresende ein Produktionsplus von zwei Prozent übrig bleibt und damit mehr als bisher erwartet. Zudem sorgte ein Plus im Auslandsgeschäft für Zuversicht, dass die Talsohle durchschritten ist.

Die gesamte heimische Industrie startete mit einem Auftragsplus von 0,5 Prozent ins zweite Halbjahr. Während die Inlandsnachfrage von Juni auf Juli um 1,0 Prozent kletterte, stiegen die Auslands-Bestellungen nur um 0,1 Prozent. Allerdings sind die Betriebe noch lange nicht aus dem Schneider, denn im August droht schon wieder ein Rückschlag: Die Exportaufträge fielen nach einer Umfrage des Markit-Instituts unter 500 Firmen so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Commerzbank bleibt ebenfalls skeptisch. "Die Flaute hält trotz Auftragsplus an", betonte Analystin Ulrike Rondorf. Zuletzt hatten auch die Chemie- und Elektroindustrie ihre Ziele für 2012 einkassiert.

Vielen Verbrauchern droht Kaufkraft-Verlust

Denn Sorgen bereitet den exportorientierten Firmen die Schwäche wichtiger Euro-Handelspartner. Für Italien etwa, das bereits tief in der Rezession steckt, rechnet die OECD mit einer beschleunigten Talfahrt bis Ende 2012. Für Frankreich, wo die Arbeitslosigkeit zuletzt ein 13-Jahres-Hoch erreichte, seien die Aussichten dagegen etwas besser. Die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone werde im laufenden Quartal leicht schrumpfen, aber im Herbst wieder minimal zulegen. Die gesamte Wirtschaftkraft im Währungsraum war im Frühjahr um 0,2 Prozent gesunken, bestätigte Eurostat eine frühere Schätzung. Während die Konsumausgaben um 0,2 Prozent fielen, gingen die Investitionen um 0,8 Prozent zurück. Das konnte auch das Exportplus von 1,3 Prozent nicht wettmachen.

Die Schuldenkrise belastet zunehmend die Verbraucher. In den meisten EU-Staaten müssen sich die Arbeitnehmer erneut auf einen Verlust an Kaufkraft einstellen. In 16 der 27 Länder werden die Reallöhne sinken, schätzt das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung. "Den Löhnen in Europa droht eine Abwärtsspirale", heißt es in einer Studie. Die Konjunkturkrise dürfte das weiter verschärfen.

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